Krebsgefahr: Schweizer Politiker wollen Solarien verbieten
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KrebsgefahrSchweizer Politiker wollen Solarien verbieten

Frankreich plant wegen Krebsgefahr ein generelles Verbot von Sonnenstudios. Jetzt sagen linke Politiker den Solarien auch hierzulande den Kampf an.

von
B. Zanni
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In Frankreich soll das Bräunen im Solarium bald der Vergangenheit angehören.

In Frankreich soll das Bräunen im Solarium bald der Vergangenheit angehören.

Colourbox/Ruslan Olinchuk
Ist die Haut zu vielen UV-Strahlen ausgesetzt worden, kann sich schlimmstenfalls ein Melanom entwickeln.

Ist die Haut zu vielen UV-Strahlen ausgesetzt worden, kann sich schlimmstenfalls ein Melanom entwickeln.

zvg

Der Herbst steht vor der Tür. Die letzte Sommerbräune weicht langsam wieder dem bleichen Büro-Teint. Für Menschen, die auch in der dunkleren Jahreszeit wie frisch aus der Karibik aussehen wollen, heisst es dann: ab ins Solarium.

In Frankreich dürfte es damit aber bald vorbei sein: Der französische Senat hat letzte Woche beschlossen, die künstliche Bräunung mit UV-Strahlen zu verbieten. Ab 2017 sollen sämtliche Solarien im Land dichtmachen. Grund dafür ist die hohe Zahl der Hautkrebsfälle. Die Gesundheitsbehörde führt pro Jahr mindestens 76 Todesfälle durch Hautkrebs auf die künstliche Bestrahlung mit UV-Lampen oder Solarien zurück. Auch in Australien oder Brasilien sind Solarien verboten.

«Braun ist nicht schön, sondern krebserregend»

Linke Politiker in der Schweiz wollen nun nachziehen: Grünen-Nationalrätin und Ärztin Yvonne Gilli prüft einen entsprechenden Vorstoss. «Unter dem Titel ‹Braun ist schön› bietet die Öffentlichkeit etwas an, das in Tat und Wahrheit krebserregend ist.» Es sei höchste Zeit, dass die öffentliche Hand – gestützt auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse – eingreife. Davon ausgenommen sein müssen laut Gilli künstliche UV-Strahlen, die zu medizinischen Zwecken genutzt werden.

Auch SP-Nationalrat Pierre-Alain Fridez sind die Sonnenstudios, die nur dem braunen Teint dienen, ein Dorn im Auge. Er nehme das französische Vorhaben mit Interesse zur Kenntnis, sagt Fridez. «Es gibt Leute, die Solarien exzessiv nutzen.» Ein generelles Verbot der Studios würde verhindern, dass sich diese Menschen in Gefahr begäben und hohe Gesundheitskosten verursachten.

Margrit Kessler, Präsidentin Stiftung SPO Patientenschutz, pocht dagegen auf die Eigenverantwortung und setzt auf Prävention. Ein Verbot käme für Kessler nicht infrage. «Sonst müsste man auch ein natürliches Sonnenverbot erlassen.»

«Gefährlich sind die Sonnenbrände»

Die Solariumbetreiber leisten Widerstand. «Ein Verbot ist absolut unverhältnismässig», sagt Heinz Wolf, Präsident von Photomed, dem Solarienverband Schweiz. Dass ein vernünftiger Gebrauch von Solarien Hautkrebs verursache, sei nicht erwiesen. «Gefährlich sind die Sonnenbrände und diese holt man sich vor allem draussen.» Wolf betont, dass die Studios die Kunden auf die korrekte Nutzung aufmerksam machten und die Gefahren deklarierten.

«Der Durchschnittskunde hat eine gute Eigenverantwortung und nutzt das Angebot vernünftig. Sonst hätten wir viele Reklamationen wegen Verbrennungen.» Im Schnitt besuche der Kunde das Studio 1,5-mal im Monat und lasse sich 11,5 Minuten bestrahlen.

Verbot für Minderjährige

Kritisch gegenüber Solariumbesuchen äussern sich hingegen Mediziner und die Krebsliga (siehe Box). Laut dem BAG hat die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation die Solarien in die höchste Kategorie der Krebsrisiken eingestuft. Wissenschaftliche Studien zeigten, dass Personen, die Solarien nutzen, fast doppelt so häufig an Hautkrebs erkranken wie Personen, die sich nie unter die künstliche Sonne legen.

Der Bund ist deshalb bereits aktiv geworden. Bis Ende Jahr erarbeitet er ein Gesetz, das die Bevölkerung besser vor gesundheitlichen Gefährdungen schützen soll, die von nichtionisierender Strahlung und Schall ausgehen. Bei der ultravioletten Strahlung handelt es sich um nichtionisierende, elektromagnetische Strahlung, die auch im Sonnenlicht vorkommt. Laut BAG ist im neuen Gesetz eine Regelung vorgesehen, die sicherstellt, dass Minderjährige künftig keine Solarien mehr besuchen dürfen.

«Die Haut altert vorzeitig»

«UV-Licht ist krebserregend. Das ist zweifelsfrei bewiesen», sagt Dermatologe Christian Mnich. Und er doppelt nach: «In Solarien ist der Anteil an schädlichem UVA-Licht deutlich höher.» Die Strahlen würden tief in die Haut eindringen und tiefreichende Schäden verursachen. «Die Haut altert vorzeitig, es entstehen Falten und Altersflecken.» Schlimmstenfalls entwickle sich ein weisser oder schwarzer Hautkrebs. «Wir sehen in der Praxis häufig Melanome bei Patienten, die viel im Solarium gewesen sind.»

Die Krebsliga Schweiz rät von den Besuchen ab. Sprecherin Aline Binggeli sagt,dass Menschen, die sich vor dem 35. Lebensjahr oft künstlich gebräunt haben, ein fast doppelt so hohes Melanom-Risiko eingehen. «Im Jahr erkranken in der Schweiz rund 2400 Menschen an einem Melanom. 300 Patienten sterben an den Folgen.» Ob sich die Fälle auf das Solarium zurückführen liessen, sei jedoch nicht erfasst.

Heinz Wolf vom Solarienverband Schweiz widerspricht den schädlichen Wirkungen künstlicher UV-Strahlen. Die europäische Elektronorm schreibe seit 2009 eine einheitliche Norm für UV-Strahlen vor. «Die Strahlen sind identisch mit dem Licht der Mallorca-Sonne über Mittag.» Nur ganz helle Typen hätten ein erhöhtes Hautkrebsrisiko. «Ihnen empfehlen wir, auf das Solarium zu verzichten.»

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