Russischer Ex-Diplomat in Genf: Schweizer Polizisten schützen Kreml-Kritiker rund um die Uhr
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Russischer Ex-Diplomat in GenfSchweizer Polizisten schützen Kreml-Kritiker rund um die Uhr

Der in Genf zurückgetretene russische Diplomat Boris Bondarew kann nicht mehr in seine Heimat zurückkehren. Seine Chancen, in der Schweiz Asyl zu bekommen, stehen gut.

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Nach seinem Rücktritt und der Abrechnung mit der russischen Führung blickt Boris Bondarew (41) einer ungewissen Zukunft entgegen. 

Nach seinem Rücktritt und der Abrechnung mit der russischen Führung blickt Boris Bondarew (41) einer ungewissen Zukunft entgegen. 

Facebook/Boris Bondarew
Bondarew hat bei der russischen Mission bei den Vereinten Nationen in Genf gearbeitet.

Bondarew hat bei der russischen Mission bei den Vereinten Nationen in Genf gearbeitet.

REUTERS
Nach Kritik an Wladimir Putin (links) und Aussenminister Lawrow ist er am Montag zurückgetreten.

Nach Kritik an Wladimir Putin (links) und Aussenminister Lawrow ist er am Montag zurückgetreten.

REUTERS

Darum gehts

Der russische Top-Diplomat Boris Bondarew hat den russischen Angriff auf die Ukraine öffentlich als Krieg bezeichnet und sich gegen Wladimir Putin ausgesprochen – dafür kann er seine Freiheit oder sogar sein Leben verlieren. Der 41-Jährige hat sein Land zuvor jahrelang als Diplomat vertreten, zuletzt bei den Vereinten Nationen in Genf.

Am Montag ist er von seinem Amt zurückgetreten – aus Protest wegen des Krieges in der Ukraine. «Ich schäme mich. Der Krieg gegen die Ukraine ist ein Verbrechen», sagte er. Weil er sich öffentlich auf LinkedIn und Facebook geäussert hat, erregte sein Fall weltweites Aufsehen. Nach Russland zurück, kann er deshalb nicht mehr. Er wisse, dass seine Äusserungen als Verbrechen angesehen werden, sagte er in einem Interview.

Polizeischutz für zwei Monate

In Genf wird Bondarew nun von Schweizer Polizisten rund um die Uhr beschützt. Laut dem «Tages-Anzeiger» sind in solchen Fällen der Bundessicherheitsdienst, aber auch die Kantonspolizei involviert. Dem Bundessicherheitsdienst, einer Fedpol-Stelle, obliegt die Aufgabe, die Sicherheit der Angehörigen des Bundesrats und anderer Amtspersonen zu garantieren. Aber er ist auch für den Schutz ausländischer Diplomatinnen und Diplomaten zuständig. 

Obwohl Bondarew nun seinen diplomatischen Status verlieren wird, werde ihn die Schweiz weiterhin beschützen, wie Fedpol auf die Frage der Zeitung antwortete. Nach Beendigung der Tätigkeit werde eine Höflichkeitsfrist von rund zwei Monaten eingeräumt, heisst es weiter. 

Gute Chance auf Asyl

Die Chancen, dass die Schweiz Bondarew als Asylsuchenden aufnimmt, stehen gut. Politisch exponierte Personen erhielten in den letzten Jahren immer wieder Asyl, wie der «Tages-Anzeiger» weiter schreibt. In der Schweiz aufgenommen wurde beispielsweise im Jahr 2020 ein bedrohter russischer Fernsehjournalist. Geschützt worden sind auch hochrangige türkische Botschaftsvertreter, die nach dem Putsch in der Türkei von 2017 die Schweiz um Asyl ersuchten.  

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

(chk)

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