Schweizer Presse: Keine Chance für neues AKW
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Schweizer Presse: Keine Chance für neues AKW

Im Schweizer Blätterwald ist man sich einig: Ein neues AKW in der Schweiz hat politisch kaum eine Chance.

Trotz unterschiedlicher Analyse kommen die meisten Kommentatoren dann auch zum selben Schluss: Sparen ist angesagt.

«Spätestens an der Urne wird jedes Projekt scheitern», fasst die «Neue Luzerner Zeitung» am Dienstag den Tenor der Pressekommentare zusammen. Kernkraftwerke seien in absehbarer Zukunft zwischen Genf und Kreuzlingen nicht mehrheitsfähig.

Zweifel hat sogar die «Mittelland Zeitung», in deren traditionell kernenergiefreundlichem Einzugsgebiet die neue Anlage vielleicht dereinst zu stehen kommt. Für sie hängen die Chancen einer erfolgreichen Umsetzung vor allem vom volkswirtschaftlichen Nutzen für den Kanton Aargau ab.

Hauptgrund für den Widerstand dürfte die noch immer ungelöste Entsorgungsfrage sein. «Die Atomwirtschaft muss endlich ein Endlager präsentieren, bevor sie sich erneut empfiehlt», verlangt der «Tages Anzeiger». Weniger im Vordergrund steht dagegen das Risiko einer nuklearen Katastrophe.

Verhinderungspolitik der Atombarone

Uneins ist die Presse in der Frage, wer die Schuld für die drohende Energiemisere trägt und wie der von der Axpo beschworene «Energie-GAU» abzuwenden sei. Hart geht die «Berner Zeitung» mit den «Atombaronen» ins Gericht: Ihrer «Verhinderunspolitik» sei es zu verdanken, dass die Schweiz bei der Entwicklung erneuerbarer Energien im Hintertreffen sei.

Andere appellieren an die Politik: Diese stehe in der Pflicht, «endlich ernsthaft die erforderlichen Anreize zu schaffen und damit Innovationen zu fördern und Investitionen auszulösen», schreibt das «St. Galler Tagblatt», und «Die Südostschweiz» verlangt Energieabgaben und Verbrauchsnormen.

Auf grosse Skepsis stossen in den Kommentaren auch alternative und erneuerbare Energiequellen. «Wir haben trotz Kyoto plötzlich Gaskraftwerk-Fans», schreibt die «Basler Zeitung» mit Ironie. Und niemand behauptet, dass Solar- oder Windenergie tatsächlich ausreichende Energiequellen sein könnten.

Fazit einer Mehrheit der Kommentatoren: Sparen! Die Drosselung des Verbrauchs scheint der einzige Ausweg. «Nur so kann die Axpo sich - und uns - ein neues AKW auch langfristig ersparen», heisst es in der «Südostschweiz».

(sda)

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