Aktualisiert 30.11.2011 17:12

Kernprobleme erkannt

Schweizer Professor will die Fifa aufräumen

Der Strafrechtler Mark Pieth hat einen 36-seitigen Bericht vorgelegt, wie sich die Fifa reformieren kann. «Das ist erst der Anfang eines Prozesses», sagte Pieth.

von
Sandro Compagno
Mark Pieth schaut Fifa-Präsident Sepp Blatter in Zukunft auf die Finger. (Bild: Reuters)

Mark Pieth schaut Fifa-Präsident Sepp Blatter in Zukunft auf die Finger. (Bild: Reuters)

Der Bericht zur Reformation der Fifa ist seit gestern Nachmittag auf der Fifa-Website für jedermann einsehbar. Pieth streicht drei Kernprobleme heraus, die seine Analyse des Fussball-Weltverbandes ergeben hat.

1. Die Fifa ist ein Verein, organisiert wie eine Non-Profit-Organisation. In Tat und Wahrheit hat sie sich in den letzten 30, 40 Jahren zu einem milliardenschweren, weltweit operierenden Konzern entwickelt. Die Unternehmungsführung muss an die aktuellen Anforderungen angepasst werden.

2. Als «quasi-öffentliche Organisation» muss der Fussball-Weltverband die Korruption in den eigenen Reihen entschieden bekämpfen. Pieth verlangt, dass Personen, die sich in Fifa-Gremien wählen lassen, zuerst einer sorgfältigen Prüfung (Due diligence) unterzogen werden. Er schlägt auch eine Amtszeitbeschränkung vor.

3. Es besteht ein ständiges Risiko von Interessenkonflikten zwischen der Fifa und ihren Mitgliedsverbänden. Die Fifa braucht Strategien zur internen Konflikt-Lösung.

Auf der Lohnliste der Fifa

Der Fussball-Weltverband hatte Pieth zum Präsidenten des neu gegründeten Governance-Komitees ernannt, das sich eine verantwortungsvolle Verbandsführung zum Ziel gesetzt hat und bis zum 17. Dezember komplett besetzt werden soll. Kritiker bemängeln, dass sich Pieth und sein Team von der Universität Basel von der Fifa bezahlen lassen und zweifeln damit deren Unabhängigkeit an.

«Das ist eine seriöse professionelle Arbeit. Wenn sie umsonst wäre, hätte ich meine Zweifel», entgegnet der 58-jährige Bündner, der Mandate von Uno, OECD und Weltbank vorweisen kann. Was die Fifa mit seinen Vorschlägen anfange, wisse er nicht, so Pieth: «Ich lege sie einfach mal auf den Tisch.» Die Herausforderung für die Fifa bestehe darin, dass «sich die Organisation selber reorganisieren muss».

Können das die alten Männer, die den Weltfussball regieren? Pieth: «Wenn ich unzufrieden bin, kann ich ganz einfach sagen: 'Das war's, ich bin draussen.'»

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