Auswanderung – Schweizer Querdenker schotten sich im «Corona-Paradies» Paraguay ab
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AuswanderungSchweizer Querdenker schotten sich im «Corona-Paradies» Paraguay ab

Sie werben für eine Siedlung «ohne Chemtrails, 5G-Strahlen und Impfpflicht». «El Paraíso Verde», eine Kommune in Paraguay, soll all das bieten und lockt zahlreiche Querdenker aus allen deutschsprachigen Ländern an.

von
Seline Bietenhard
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Eine Kommune in Paraguay bietet Querdenkern «ein Leben ohne Corona-Massnahmen, Chemtrails und 5G-Strahlung». (Symbolbild)

Eine Kommune in Paraguay bietet Querdenkern «ein Leben ohne Corona-Massnahmen, Chemtrails und 5G-Strahlung». (Symbolbild)

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Im «El Paraíso Verde» sollen auf einem 16 Quadratkilometer grossen Areal dereinst bis zu 20’000 Menschen leben. (Symbolbild)

Im «El Paraíso Verde» sollen auf einem 16 Quadratkilometer grossen Areal dereinst bis zu 20’000 Menschen leben. (Symbolbild)

AFP
Paraguay wird bereits seit einiger Zeit besonders in deutschen Telegram-Gruppen als «heisser Tipp» gehandelt.

Paraguay wird bereits seit einiger Zeit besonders in deutschen Telegram-Gruppen als «heisser Tipp» gehandelt.

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Darum gehts

In Paraguay, etwa zwölf Kilometer von der Kleinstadt Caazapá entfernt, haben sich Querdenker aus der Schweiz, Deutschland und Österreich eine kleine Kommune aufgebaut, schreibt die deutsche Zeitung «Stern». Mit «El Paraíso Verde» (das grüne Paradies), einem eingezäunten Areal auf fast 16 Quadratkilometern, möchten sich die Mitglieder «von den sozialistischen Trends der derzeitigen ökonomischen und politischen Situation auf der Welt» befreien, wie sie sagen. Sie fühlten sich sicher vor Chemtrails, der Impfpflicht und 5G-Strahlen, heisst es weiter.

Die Webseite des Projektes schreibt vom «grössten Siedlungsprojekt Südamerikas». Wurden zuerst vor allem Deutsche, Österreicher und Schweizer angesprochen, sollen künftig bis zu 20’000 Bewohnende aus aller Welt  auf dem Areal leben. Wie viele Schweizerinnen und Schweizer genau schon dorthin ausgewandert sind, ist unklar.

Laut den Verantwortlichen gibt es im «El Paraíso Verde» Einkaufsmöglichkeiten, alternative Gesundheitseinrichtungen und auch eine anthroposophische Schule ähnlich den Rudolf-Steiner-Schulen. Auf ihrer Seite wirbt die Kommune auch für umstrittene Heilmittel und Präparate wie Chlordioxid-Lösung oder Silberwasser, welche angeblich das Immunsystem stärken und eine Infektion mit dem Coronavirus verhindern sollen.

Heisser Tipp in Telegram-Chats

Seit Beginn der Pandemie würden laut «Stern» immer mehr Menschen nach Paraguay auswandern, um in der Kommune zu leben. Als Grund für den Umzug geben viele «die Corona-Politik, die Impfung und Zweifel gegenüber dem Virus» an. Paraguay wird bereits seit einiger Zeit besonders in deutschen Telegram-Gruppen als «heisser Tipp» gehandelt. Zahlreiche Verschwörungstheoretiker und Rechtsextreme sind in den letzten Jahren in das südamerikanische Land ausgewandert.

Während der Corona-Pandemie entwickelte es sich zum Hotspot für Corona-Skeptikerinnen und -Skeptiker. In diversen einschlägigen Telegram-Kanälen und Foren wurde Paraguay als «Paradies» für alle, die die Massnahmen ablehnen und sich nicht impfen wollen, angepriesen. Nicht nur «El Paraíso Verde», sondern auch das deutschsprachige Dorf Hohenau erlebte einen massiven Zuwachs an deutschsprachigen Auswanderern.

Und dies, obwohl das Gesundheitsministerium in den letzten Monaten die Massnahmen wieder verschärfte, da das Land derzeit von der Omikron-Welle überrollt wird. Alle, die einreisen möchten, müssen einen gültigen Impf- oder Genesenen-Nachweis vorweisen können. Seither wurden bereits etliche deutschsprachige Einwanderer ohne einen solchen Nachweis an der Einreise gehindert.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel.  058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.chRatgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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