Anybotics: Schweizer Roboter sichert Plattform in der Nordsee
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AnyboticsSchweizer Roboter sichert Plattform in der Nordsee

Er ist schon in «Akte X» aufgetreten und gehört zu den besten Laufrobotern der Welt. Ein Besuch beim Entwicklungsteam des Anymal in Zürich.

von
swe

Erleben Sie im Video, wie sich der Anymal bewegt und was er alles kann. (Video: 20M/Anybotics)

In einem unscheinbaren Büro in der Nähe der ETH Zürich tüfteln rund zwei Dutzend Ingenieure an der Robotertechnik der Zukunft. Die Anybotics AG ist ein Spin-off der Hochschule und im Team sind viele ehemalige Absolventen tätig. Der Star des zwei Jahre alten Unternehmens ist der Laufroboter Anymal.

Mit vier Beinen kann sich dieser auch auf schwierigem Gelände fortbewegen, Treppen steigen oder durch einen Tunnel kriechen. Er nimmt die Umgebung wahr und kann komplett autonom betrieben werden. Der 30 Kilogramm schwere Roboter kann zusätzlich bis zu zehn Kilogramm Nutzlast, etwa Sensoren, Kameras oder einen Roboterarm tragen, um sinnvolle Aufgaben zu erledigen.

Einsatz vor der Küste

«Wir schicken den Roboter überall dahin, wo es für den Menschen unangenehm oder gefährlich ist, zu arbeiten», erzählt Péter Fankhauser, Mitgründer von Anybotics. Einsatzgebiete sind zum Beispiel Kanalisationssysteme, Minen, Kraftwerke oder Gebäude, die einstürzen könnten.

Anymal ist gerade von einem Einsatz in Norddeutschland zurückgekehrt. Zusammen mit dem Übertragungsnetzbetreiber Tennet testete Anybotics einen Einsatz des Roboters auf einer Offshore-Plattform in der Nordsee. Weil diese teilweise unbemannt betrieben wird, soll der Anymal dort autonom Maschinen überwachen und beispielsweise starke Hitzeentwicklung oder Öl- und Wasserlecks entdecken.

Auf einem ersten Rundgang konnte der Anymal die Umgebung dreidimensional erfassen und lernen, wo und was genau er überprüfen muss. Anschliessend ging der Roboter autonom auf seinen Kontrollgang. Dank seinem Bilderkennungs-Algorithmus kann er das Kamerabild analysieren und schon von weitem detaillierte Informationen über die Anlage sammeln und diese in Echtzeit übertragen – etwa, ob irgendwo ein Hebel umgelegt wurde.

Entwicklung geht weiter

Trotz der vielen Anwendungen habe die Maschine auch noch Einschränkungen. «Wir programmieren sie und sagen ihr, was sie tun soll. Die Wahrnehmung und Entscheidungsfähigkeit des Menschen und eine schnelle Intuition hat sie aber noch nicht», so Fankhauser. Zudem sei der Anymal zwar sehr gut darin, sich zu orientieren und Dinge wahrzunehmen, bei der Manipulation von Objekten seien sie beim Anymal jedoch an Grenzen gekommen.

Im noch jungen Unternehmen hat sich in den letzten beiden Jahren viel getan. Denn nicht nur musste ein Produkt mit sinnvollen Anwendungen entwickelt werden. Auch das Team und eine Produktionslinie wurden in dieser Zeit aufgebaut. Und obwohl bereits einige Exemplare des Anymals verkauft wurden, sei die Entwicklung noch lange nicht beendet, wie Fankhauser erzählt: «Das ist immer noch ein Protoyp, und wir arbeiten darauf hin, neue Versionen des Anymals zu bauen, die schlanker, schneller, stärker sind und mehr Dinge tun können.»

Spaziergang durch die Stadt

Dass sich der Roboter auch in normalen Umgebungen bewegen kann, beweist ein kleiner Spaziergang in Zürich. Weder Treppen noch ein rutschiger Untergrund stoppen den Anymal. Auch halten Autofahrer an, um die Maschine über den Zebrastreifen zu lassen. Und auch bei den Passanten stösst der Roboter auf viel Interesse. Die einen schauen nur kurz, andere fragen, ob sie ein Selfie machen dürfen.

Mit dem Roboter auf Streifzug durch die Stadt

Zwei der Anymal-Entwickler führen den in Zürich entwickelten Laufroboter auf einem kleinen Spaziergang durch die Innenstadt.

Ein kleiner Spaziergang mit dem Anymal-Roboter und Péter Fankhauser sowie Francisco Giráldez von Anybotics durch die Innenstadt von Zürich. (Video: 20M)

Interview mit Péter Fankhauser, Mitgründer und Chief Business Development Officer der Anybotics AG

Herr Fankhauser, wie ist der Anymal überhaupt entstanden?

Eine erste Vorversion des Roboters wurde vor circa zehn Jahren als Forschungsprojekt an der ETH Zürich lanciert. Vor zwei Jahren haben wir dann eine Firma gegründet, um das Produkt weiterzuentwickeln und zu kommerzialisieren.

Wie ist das Unternehmen derzeit aufgestellt?

Es sind bereits 25 Personen bei Anybotics tätig, und wir wachsen immer weiter. Ein Grund dafür ist, dass wir sehr viel Hardware bauen, uns um die gesamte Elektronik kümmern und auch die Software selber schreiben.

Was unterscheidet euch von anderen Robotik-Unternehmen?

Beim Antrieb haben wir gleich zu Beginn auf einen elektrischen Antrieb gesetzt, während andere Firmen eher in Richtung Hydraulik gegangen sind. Zudem ist unser Roboter fall- und wasserfest und wir haben echte Applikationen entwickelt, die wir sinnvol in Projekten einsetzen können. Es geht bei uns nicht um viele Klicks auf Youtube, sondern darum, eng mit unseren Kunden zusammenzuarbeiten.

Wie weit sind wir in der Robotik generell?

Wenn man die ganze Robotik anschaut, sind wir bereits sehr weit fortgeschritten. Ich denke aber, dass wir in Zukunft auch im Alltag Robotern begegnen werden. In 50 Jahren werden wir vielleicht zurückschauen und denken, dass wird damals noch in den Anfängen gesteckt haben.

Gastauftritt in «Akte X»

Der Roboter war auch in der amerikanischen Mystery-Fernsehserie «Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI» zu sehen. In der siebten Folgen der Staffel 11 spielt Anymal einen Roboter-Bösewicht in einem Lagerhaus. Für die Dreharbeiten flog ein Team von Anybotics für eine Woche nach Vancouver, Kanada. Weil in einer Szene die Gefahr bestand, dass der Roboter Schaden nehmen könnte, wurde dafür ein Stunt-Double eingesetzt. (Foto: Fox Broadcasting Co.)

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