Aktualisiert 08.12.2008 16:23

GlencoreSchweizer Rohstoffriese in Schieflage

Das gemessen am Umsatz grösste Schweizer Unternehmen hat Probleme. Doch im Gegensatz zu UBS und Co. macht dieser Umstand kaum Schlagzeilen. Der Grund: Der Zuger Rohstoffhändler Glencore ist fast noch verschwiegener als der Vatikan.

Glencore erwirtschaftete im Jahr 2007 mit geschätzten 52 000 Mitarbeitenden einen Umsatz von 142,3 Milliarden Schweizer Franken. Das 1974 von Marc Rich gegründete Unternehmen konzentrierte sich ursprünglich auf den physischen Handel mit Metallen, Mineralien und Erdöl. Durch Akquisitionen und Kooperationen entwickelte sich die Vertriebsgesellschaft zu einem der weltweit führenden Rohstoffkonzerne. 1994 verkaufte Marc Rich seine Anteile an das Management, die Gesellschaft wurde in Glencore umbenannt.

Das Unternehmen fördert und verarbeitet zahlreiche Industriemetalle, Kohle, Öl und Agrarprodukte. Der private Konzern befindet sich vollumfänglich im Besitz des Managements und führender Mitarbeiter.

Preise für Rohstoffe erodieren

Die Finanzkrise und die daraus folgende Angst um die Weltwirtschaft haben seit Ende Sommer zu einer Erosion der Rohstoffnotierungen geführt: Allein der Preis pro Fass Rohöl fiel von knapp 150 auf rund 40 Dollar. Die Rohstoffanalysten der Credit Suisse schrieben im November, dass Basismetalle den stärksten Bezug zur Realwirtschaft hätten und deshalb dem Wirtschaftabschwung stärker ausgesetzt seien als beispielsweise Gold und Rohöl. Deshalb prognostiziert die Bank für Basismetalle weitere Preisrückgänge.

Zweifelnde Schuldner

Glencore ist nicht kotiert und verfügt über keine Aktien, an deren Kurs man sieht, wie die Investoren die Aussichten einschätzen. Wie gross die Verunsicherung um Glencore ist, zeigen aber die Kosten für die CDS (Credit Default Swaps) des Unternehmens. Mit diesen Kreditderivaten können sich Schuldner gegen das Zahlungsausfallrisiko absichern: CDS könnte man auch als Versicherungsprämie für Kredite bezeichnen. Die CDS-Spreads von Glencore sind von rund 200 Basispunkten Ende August steil nach oben gesprungen – am Montag betrug der Spread 3325 Basispunkte. Auch die Kreditversicherungskosten anderer weltweit tätiger Bergbauunternehmen sind markant gestiegen, jedoch nicht auf das gleich hohe Niveau. Der CDS-Spread für den australischen Bergbauriesen BHP ist in diesem Zeitraum von 100 auf 321,7 Basispunkte geklettert. Jener der britischen Rio Tinto auf 1056,9. Skeptisch sind die Schuldner auch in Bezug auf Xstrata: Der CDS-Spread für den britisch-schweizerischen Bergbauriesen notiert auf 1964,6.

Probleme mit Xstrata und Russland

Glencore ist mit einem Anteil von 34,5 Prozent grösster Aktionär an Xstrata. Mit den gefallenen Rohstoffpreisen und wegen einer aggressiven Expansionsstrategie sind auch die Xstrata-Aktien unter die Räder gekommen: Nach einem Höchst Mitte Jahr von annähernd 90 Franken notieren die Valoren im Moment noch knapp über 10 Franken. Ein weiterer Problemherd könnten für Glencore die Aktivitäten in Russland sein. Seit Anfang 2007 hält Glencore einen Anteil von 10 Prozent an Rusal. Die Schweizer brachten ihren Aluminiumbereich in das Konglomerat des russischen Milliardärs Oleg Deripaska ein. Allgemein scheinen die russischen Oligarchen mit ihren verzweigten Konzerngebilden, die ihre Basis meist im Rohstoffbereich haben, unter Druck geraten zu sein.

Moody's weiss auch nicht viel

Ein Bericht der Rating-Agentur Moody's brachte im Oktober 2008 etwas Klarheit in das Konstrukt Glencore: Den Wert aller Anlagen und Beteiligungen schätzte Moody's auf 44 Milliarden Dollar. Der Betriebsgewinn 2007 wurde mit 6,3 Milliarden Dollar veranschlagt. Das Unternehmen aus Zug gibt ausser Bilanzsumme und Umsatz keine Daten bekannt. Die Geschäftszahlen liegen damit genauso im Dunkeln wie die Zukunft des Rohstoffkonzerns.

(scc/wg)

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