Aktualisiert 03.11.2014 16:53

Aktiv statt erholtSchweizer schlafen so wenig wie noch nie

Menschen in der Schweiz schlafen rund 40 Minuten weniger als 1983. Dies birgt Gefahren: Forscher warnen, dass Gesundheitsprobleme zunehmen könnten.

von
A. Hirschberg

Nach der Arbeit geht Christian oft ins Badminton oder Joggen. Danach trifft er sich mit Kollegen zum Znacht und lässt den Tag in einer Bar ausklingen. Wenn er um halb elf Uhr ins Bett geht, schaut er auf seinem Smartphone nach, was seine Freunde auf Facebook geschrieben haben. Um 23.00 Uhr schläft er ein und steht um 6.30 Uhr wieder auf. Damit entspricht Christian dem durchschnittlichen Schweizer, wie die Resultate einer neuen Studie der Universitäten Zürich und Basel zeigen.

Die vom Bundesamt für Umwelt und der Abteilung Lärm finanzierte und 2011 durchgeführte Umfrage ergab, dass Schweizer an Werktagen im Durchschnitt um 22.41 Uhr ins Bett gehen und um 23.03 Uhr einschlafen. Am Morgen erwachen sie um 6.27 Uhr und stehen zehn Minuten später auf. In einer gleichen Befragung aus dem Jahr 1983 gingen die Schweizer noch durchschnittlich 47 Minuten früher ins Bett, standen aber etwa zur selben Zeit auf.

Mehr soziale Aktivitäten am Abend

Anders verhält es sich, wenn man am nächsten Tag frei hat. Dann geht der Schweizer durchschnittlich um 23.29 Uhr ins Bett und steht um 8.27 Uhr auf. Alles in allem schläft er damit rund 40 Minuten weniger als noch vor 28 Jahren. An Werktagen liegt er rund 7,5 Stunden im Bett. Hat er frei, kommt er erst nach rund 8,5 Stunden aus den Federn.

Die Verfasser der Studie erklären dieses Phänomen mit der Veränderung der sozialen Aktivitäten am Abend. «Diese sind ausgeprägter als früher und finden später statt», sagt Christian Cajochen, Neurowissenschafter und Schlafforscher an der Uni Basel.

Blaues Licht der Bildschirme hält länger wach

Doch nicht nur das Ausgehverhalten wirkt sich auf die Schlafenszeiten aus. Ein weiterer Faktor sind laut Cajochen Smartphones und Tablets. «Heute gehen viele damit vor dem Einschlafen noch auf die sozialen Netzwerke.» Das halte die Leute wach, weil man einerseits nichts verpassen wolle.

Einen Einfluss auf unser Schlafverhalten hat auch das Licht der Bildschirme, wie einer weitere kürzlich veröffentlichte Studie Schweizer Universitäten zeigt. «Dieses mehrheitlich blaue Licht lässt die innere Uhr auf Tag umschalten und verhindert so Schläfrigkeit.»

Kinder, die zu wenig schlafen, werden dick

Immer weniger Schlaf kann gefährlich werden. Schlafen ist zwar ein komplexer biologischer Prozess, über den die Wissenschaft immer noch relativ wenig weiss. Forscher nehmen aber an, dass zahlreiche Krankheiten mit der Reduktion von Schlaf zunehmen. So geht man davon aus, dass dadurch die Immunleistung des Körpers abnimmt, zahlreiche Hormone aus dem Gleichgewicht geraten und Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Diabetes und Depressionen zunehmen.

Besonders in Studien mit Kindern konnte man nachweisen, dass Schulkinder, die zu wenig schlafen deutlich öfter zu dick sind, als jene, die genügend schlafen. Dasselbe gilt für die Zuckerkrankheit: Männer, die weniger als fünf Stunden schlafen und Frauen die weniger als sechs Stunden schlafen, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken.

Einige Zahlen der Studie:

Amerikaner 6.8 Stunden.

zwischen 50 und 64 weniger als 7 Stunden schläft.

kurz vor elf Uhr aus den Federn.

Frauen. Letztere gehen über fast alle Altersstufen verteilt früher zu Bett, stehen aber zu ähnlichen Zeiten auf wie die Männer. Im Schnitt brauchen Männer 6 bis 7 Stunden Schlaf, Frauen 7 bis 8 Stunden.

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