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Prozess in SpanienSchweizer schlitzt Polizist die Kehle auf

Nach einem Einbruch hat ein Schweizer einen spanischen Polizeibeamten beinahe getötet. Jetzt steht der ehemalige Leibwächter vor Gericht.

von
vro
Die Tat geschah in Ceuta, einer spanischen Stadt an der nordafrikanischen Küste.

Die Tat geschah in Ceuta, einer spanischen Stadt an der nordafrikanischen Küste.

Der Schweizer Y. Z. musste am Montag vor einem Gericht im spanischen Cádiz erscheinen. Er soll im September 2012 nach einem Einbruchdiebstahl einen Polizisten ausser Dienst in Ceuta, einer spanischen Exklave an der nordafrikanischen Küste, die Kehle aufgeschlitzt haben – dieser überlebte nur knapp, berichtet «El Pueblo de Ceuta». Bis heute leide er an den physischen und psychischen Folgen des Angriffs.

Der junge und kräftige Schweizer mit marokkanischen Wurzeln wohnte in einer Hotelanlage in Ceuta, in der sich auch die Bar befindet, in die der Einbruch verübt wurde. Der Polizist wohnte zusammen mit seiner Frau auf demselben Grundstück. In der Tatnacht wachte der Besitzer der Anlage auf und hörte aus der Bar Krach, sagt er vor Gericht. Er rief deshalb den Polizisten an und äusserte die Vermutung, dass es sich um einen Dieb handeln könnte.

Handy für Waffe gehalten

Als er nachsehen wollte, fand er die Türen der Bar sperrangelweit geöffnet, sagte der Polizist am Montag. Im Innern habe ein völliges Durcheinander geherrscht – es sah aus wie bei einem Einbruch. Als er in der Tür gestanden habe, habe sich Z. von hinten genähert. Der nichtsahnende Polizist habe ihm erklärt, dass er die Bar nicht betreten solle. Er habe bereits die Polizei informiert und nichts dürfe berührt werden.

Daraufhin wollte der Beamte mit einer Fernsteuerung eine Garage öffnen. In diesem Moment sei der Schweizer an ihn herangetreten und habe ihm den Hals aufgeschlitzt, berichtet er. Er verletzte sein Opfer zudem an der linken Hand, dem Bauch und im Lendenbereich. Z. versetzte dem Polizisten ausserdem einen Tritt, worauf einer seiner Hoden platzte.

Trotz der massiven Verletzungen war der Beamte noch imstande, seine Frau um Hilfe zu rufen. Sie solle ihm seine Waffe bringen. Die Frau kam tatsächlich zum Tatort, allerdings hielt sie keine Pistole, sondern ein Handy in der Hand. Z., der offenbar glaubte, sie sei bewaffnet, ergriff die Flucht.

Mit drei Messern bewaffnet

Mit Hilfe seiner Frau konnte er sich in die Wohnung des Besitzers der Anlage retten. Darin befanden sich auch die 82-jährige Mutter und die sechs Monate alte Tochter des Eigentümers. Da der schwer verletzte Beamte sich um deren Leben fürchtete, wies er sie an, die Türen zu verriegeln. Daraufhin brach er ohnmächtig zusammen.

Während seine Frau die Blutungen mit einem Handtuch zu stillen versuchte, traf die Polizei ein. Sie konnte den Schweizer in seinem schwer zugänglichen Versteck in der Nähe orten. Er sei mit drei Messern bewaffnet gewesen, eines davon habe er weggeworfen, sagten die Beamten am Montag vor Gericht.

In der Schweiz Schizophrenie diagnostiziert

Während der Verfolgung des Täters mussten die Polizisten zwei Schüsse in die Luft abfeuern, schreibt die Zeitung. Nach rund 20 Minuten ergab sich Z. schliesslich.

Seit seiner Tat sitzt der Schweizer hinter Gittern. Er war früher als Leibwächter tätig und wurde dabei unter anderem von Leuten des israelischen Geheimdiensts Mossad ausgebildet. Die Staatsanwaltschaft fordert für versuchte Tötung eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren für den Angeklagten. Ausserdem soll der Schweizer wegen des Einbruchs in die Bar weitere drei Jahre ins Gefängnis. Die Verteidigung hingegen plädiert auf Freispruch. Der Angeklagte erklärte vor Gericht, dass bei ihm in der Schweiz Schizophrenie diagnostiziert worden sei. Laut der Zeitung leidet der Schweizer zudem an manischen Depressionen und einer bipolaren Störung.

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