Aktualisiert 02.06.2018 08:33

Betteln und klauen

Schweizer schockieren Roma mit bösen Klischees

Menschen mit Roma-Wurzeln werden in der Schweiz oft Opfer von Vorurteilen. Sie fordern deshalb mehr Anerkennung.

von
B. Zanni
1 / 3
Roma würden betteln und stehlen: In der Schweiz leben 80 000 bis 100 000 Roma. Die meisten von ihnen sind laut der GfbV Schweizer Bürger. «Aber noch immer werden Vorurteile und Klischees unhinterfragt weitergegeben.»

Roma würden betteln und stehlen: In der Schweiz leben 80 000 bis 100 000 Roma. Die meisten von ihnen sind laut der GfbV Schweizer Bürger. «Aber noch immer werden Vorurteile und Klischees unhinterfragt weitergegeben.»

Andrearoad
SP-Nationalrätin Barbara Gysi macht sich dafür stark, dass Roma in der Schweiz als Minderheiten rechtlich anerkannt werden. «Der Schweizer Bevölkerung ist nicht bekannt, dass es Schweizer Roma gibt, was zu zahlreichen Vorurteilen führt.»

SP-Nationalrätin Barbara Gysi macht sich dafür stark, dass Roma in der Schweiz als Minderheiten rechtlich anerkannt werden. «Der Schweizer Bevölkerung ist nicht bekannt, dass es Schweizer Roma gibt, was zu zahlreichen Vorurteilen führt.»

Keystone/Lukas Lehmann
SVP-Nationalrat David Zuberbühler nimmt Schweizer mit Vorurteilen gegenüber Roma in Schutz. Dazu veranlassen würden sie negative Nachrichten. «Es ist leider Tatsache, dass sich sich immer wieder osteuropäische Roma-Banden als Kriminaltouristen entpuppen.»

SVP-Nationalrat David Zuberbühler nimmt Schweizer mit Vorurteilen gegenüber Roma in Schutz. Dazu veranlassen würden sie negative Nachrichten. «Es ist leider Tatsache, dass sich sich immer wieder osteuropäische Roma-Banden als Kriminaltouristen entpuppen.»

zvg

Als die Arbeitskollegen und Freunde erfuhren, dass sie Roma-Wurzeln hat, meinten einige: «Oh, da müssen wir aufpassen, dass bei uns zu Hause nichts wegkommt.» Die Reaktion habe sie «sehr schockiert», erzählt die Schweizer Romni. Ob sie Handlesen oder Kaffeesatzlesen könne, werde sie gefragt, erzählt eine weitere Frau. Roma seien «schmutzig, stinken, betteln und stehlen», glaubten Leute gemäss einer Romni. Auch gehänselt werde man, sagt ein Schweizer Rom: «Hey du Zigo, komm, spiel etwas vor oder sing mal was!», heisse es dann. Ein Rom kommt zum Schluss: «Als Roma in der Schweiz lebt man gut, solange man sich nicht geoutet hat.»

Die Stimmen stammen aus einem Video der Gesellschaft für bedrohte Völker GfbV. Es trägt die Botschaft: «Roma sind ein Teil der Schweiz. Wir fordern Respekt und Anerkennung, jetzt!».

Im Video erzählen Schweizer Roma von ihren Erfahrungen:

«Roma verschweigen Herkunft aus Angst»

In der Schweiz leben 80'000 bis 100'000 Roma. Die meisten von ihnen sind laut der GfbV Schweizer Bürger. «Aber noch immer werden Vorurteile und Klischees unhinterfragt weitergegeben», schreibt die GfbV. Rassistische Äusserungen gegen Roma in Politik und Öffentlichkeit nähmen zu. Auch halte die Polizei Roma oft willkürlich an und kontrolliere sie. Stéphane Laederich, Direktor der Rroma Foundation, präzisiert in der Zeitung «24 Heures»: Singende und bettelnde Roma kämen in den öffentlichen Verkehrsmitteln vor. «Diese machen in der Schweiz aber nur ein Prozent unserer Gemeinschaft aus.»

Auch Politiker sehen Handlungsbedarf. SP-Nationalrätin Barbara Gysi macht sich dafür stark, dass Roma in der Schweiz als Minderheit rechtlich anerkannt werden. «Der Schweizer Bevölkerung ist nicht bekannt, dass es Schweizer Roma gibt, was zu zahlreichen Vorurteilen führt.» Viele Schweizer Roma verschwiegen ihre Herkunft aus Angst vor negativen Reaktionen. «Sind sie als Minderheiten anerkannt, können sie ohne Angst dazu stehen, wer sie sind.» Auch werde auf diese Weise ermöglicht, sie schulisch und beruflich zu fördern.

«Es braucht schärfere Strafen»

SVP-Nationalrat David Zuberbühler nimmt Schweizer mit Vorurteilen gegenüber Roma in Schutz. Dazu veranlassen würden sie negative Nachrichten. «Es ist leider Tatsache, dass sich immer wieder osteuropäische Roma-Banden als Kriminaltouristen entpuppen.» Auch bekannt seien ausländische Roma-Banden, die Frauen auf den Strich und die Kinder zum Betteln schickten. «Leider bringen diese Menschen eine ganze Volksgruppe in Verruf zum Nachteil der hier ansässigen unbescholtenen Roma.» Um negative Klischees aus den Schweizer Köpfen zu verbannen, müssten in der Schweiz weniger Delikte von Roma verübt werden. «Die einzige Lösung dafür wären schärfere Strafen, insbesondere für Eltern, die ihre Kinder zu Einbrüchen und Diebstahl anstiften.»

Eine rechtliche Anerkennung der Roma als nationale Minderheit hält er für unnötig. «In unserem Land werden alle Leute anständig behandelt, insbesondere diejenigen, die unsere Rechte und Sitten beachten und sich zu integrieren versuchen.»

Am Internationalen Tag der Roma am 8. April kämpfen die GfbV und Roma-Organisationen für mehr Anerkennung. Am 6. April eröffneten sie in Bern die Debatte mit einem «Detox Dance» und einer Podiumsdiskussion.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.