Schlechter als Deutsche: Schweizer Schüler haben Mühe mit Rechtschreibung
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Schlechter als DeutscheSchweizer Schüler haben Mühe mit Rechtschreibung

Lesen können Schweizer Schüler gut. Bei der Rechtschreibung schneiden sie aber schlechter ab als Deutsche oder Österreicher. Das zeigt eine neue Studie.

von
qll
Schweizer Schüler sind in der Rechtschreibung schlechter als Deutsche und Österreicher.

Schweizer Schüler sind in der Rechtschreibung schlechter als Deutsche und Österreicher.

Keystone/AP/Jockel Finck

Die Pisa-Studie 2012 ergab, dass Schweizer und deutsche Kinder gleich gut lesen können, die österreichischen etwas weniger gut. Bei der Rechtschreibung sieht es aber gemäss einer neuen Studie anders aus. Dort schneiden die Schweizer Schüler deutlich schlechter ab als jene aus den beiden deutschsprachigen Nachbarländern.

Für die Studie wurde die Rechtschreibekompetenz von 1650 Primarschülern im deutschsprachigen Teil des Kantons Freiburg untersucht. Wie die «Aargauer Zeitung» schreibt, stützen sich die Logopädinnen des Regionalen Schuldienstes auf den neu normierten deutschen Rechtschreibetest «Hamburger Schreibprobe». Unter der Leitung von Professor Erich Hartmann analysierte die Uni Freiburg die Daten der 1650 Schüler.

Lautgetreu statt orthografisch korrekt

Wie die Zeitung schreibt, ist die Studie fast fertig, jedoch noch nicht veröffentlicht. Eine Bilanz könne aber bereits jetzt gezogen werden: «Beim Schreiben von Wörtern mit orthografischen Besonderheiten wie Dehnungen, Verdoppelungen oder ‹tz› schnitten die Freiburger Kinder bereits ab der 2. Klasse signifikant schwächer ab als die deutschen», sagt Hartmann. Auch in der 6. Klasse schnitten die Schweizer Schüler noch klar schwächer ab als die deutschen Schüler.

Gemäss der Studie schrieben von den Viert- bis Sechstklässlern 30 bis 45 Prozent noch stark lautgetreu statt orthografisch korrekt. Dieses Rechtschreibedefizit liege aber kaum an der Sprachaffinität der Schweizer Kinder. Denn beim lautgetreuen Schreiben, also bei Wörtern ohne Besonderheiten, übertrafen die Freiburger auf allen Klassenstufen die deutschen Kinder.

Sind Lehrmittel schuld?

Über den Grund für die schwächere Leistung bei der Rechtschreibung kann Caroline Sahli Lozano von der Pädagogischen Hochschule Bern nur mutmassen: «Möglicherweise sind die Rechtschreibelehrmittel eher auf die Schreibkreativität und -motivation fokussiert. Um diese nicht zu stören, wird die Rechtschreibung vielleicht weniger beachtet.»

Diese Ansicht teilt auch Hartmann, der die Leitung über die Studie hat: «Es liegt wohl primär am Unterricht und an den Lehrmitteln», sagt der Professor. «Wenn das lautorientierte Schreiben und das freie Schreiben im Vordergrund stehen, so geht dies auf Kosten der Orthografie.»

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