Aktualisiert 07.12.2010 15:40

Pisa-Studie

Schweizer Schüler rechnen sich auf Rang 3

Die Schweizer Schüler haben sich gegenüber den letzten Pisa-Untersuchungen leicht verbessert: Die besten Werte wurden in der Mathematik erzielt, beim Lesen und den Naturwissenschaften bleibt die Schweiz im vordersten Drittel.

von
fum

Gemäss der jüngsten Pisa-Studie haben die Schweizer Schüler ihre Hausaufgaben getan: Sie verbesserten sich gegenüber der letzten Studie leicht.

Mit 501 Punkten liegen sie bezüglich der Lesekompetenz vor Deutschland und über dem OECD-Schnitt von 480 Punkten. Gegenüber der Pisa-Untersuchung von 2000 verbesserte sich die Schweiz um sieben Punkte. Dies ergibt Rang 11 - den gleichen wie bei der letzten Untersuchung von 2006.

Besser sieht es bei den Mathematik-Kenntnissen aus: In diesem Bereich belegen die Schweizer Schüler mit 534 Punkten den dritten Rang - gleich hinter Korea, das zum ersten Mal die Spitzenposition besetzt, und Finnland. Gegenüber 2006 hat sich die Schweiz um einen Rang verbessert.

Auch bei den Naturwissenschaften haben die Schweizer Schüler eine respektable Position inne: Rang 10 mit 517 Punkten. Somit liegen sie gleich hinter Deutschland, aber noch vor Grossbritannien und den USA. Die Spitzenposition wird hier von Finnland gehalten, auf den weiteren Podestplätzen folgen Japan und Korea. 2006 war die Schweiz noch einen Rang schlechter klassiert.

Bezüglich der Lesekompetenz, dem Schwerpunkt der neusten Pisa-Studie, schneiden Mädchen weiterhin besser ab als Knaben. Der Unterschied wird aber kleiner. Bei den Schweizer 15-jährigen Jungen sank der Anteil mit schlechter Lesefähigkeit von 24,6 auf 22 Prozent, bei den Mädchen von 15,7 auf 11,7 Prozent. Unter den weiblichen Schülerinnen lesen zudem 68 Prozent zum Vergnügen, bei ihren männlichen Kollegen liegt der Anteil nur bei 44 Prozent.

Der Anteil derjenigen Schüler, deren Lesefähigkeit nur Primarschulniveau erreichte, sank gegenüber der Pisa-Studie von 2000. Damit gehört die Schweiz zu den wenigen OECD-Ländern, die zwischen 2000 und 2009 den Anteil der schwachen Leser statistisch signifikant reduzieren konnte.

Erstaunlicherweise gab es aber auch am anderen Ende der Skala einen Rückgang: Im Jahr 2009 konnten weniger Schweizer Schüler auf höchstem Niveau lesen als noch im Jahr 2000.

Ausländer haben aufgeholt

Verbessert haben sich vor allem die Leseleistungen der Jugendlichen mit Migrationshintergrund. In der Studie von 2000 lagen sie um 86 Punkte tiefer als jene der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund. Neu beträgt dieser Unterschied noch 48 Punkte. Das entspricht dem OECD-Mittel. Diese Veränderung ist umso bemerkenswerter, als im gleichen Zeitraum in der Schweiz der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund von 20.7 Prozent auf 23.5 Prozent ge­stiegen ist.

In allen 34 OECD-Ländern erreichen Schüler, welche mehr als ein Jahr vorschulischen Unterricht – wie zum Beispiel den Kindergarten – besucht hatten, im Lesen bessere Ergebnisse als diejenigen, die direkt eingeschult wurden.

470 000 Schüler geprüft

Für den jüngsten internationalen Bildungsvergleich analysierte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in 65 Staaten die Leistungen von 470 000 Schülern im Alter von 15 Jahren - in der Schweiz waren es 20 000 Jugendliche. Vertreten sind dabei alle Schularten, die 15-Jährige aufnehmen: also Gymnasien, Sekundar- und Realschulen sowie Privat- oder Sonderschulen. Die Schulen werden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt - und ebenso eine Gruppe von Jungen und Mädchen im passenden Alter.

Geprüft wurde in den Fächern Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften, wobei heuer Lesen besonders gewichtet wird - wie schon in der ersten Studie im Jahr 2000. Damit sind nun zum ersten Mal direkte Vergleiche möglich.

Positive Reaktion des Bundes

Das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) und die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) zeigten sich in einer Stellungnahme erfreut über das Abschneiden der Schweiz: Es könne davon ausgegangen werden, dass sich die besonderen Anstrengungen zur Leseförderung der vergangenen Jahre positiv ausgewirkt hätten.

Für EDK-Präsidentin Isabelle Chassot ist das Ergebnis ein Ansporn, an den Vorhaben zu arbeiten, welche für die weitere Entwicklung des Bildungssystems Schweiz notwendig seien.

Auch der Schweizerische Gewerbeverband ist «erfreut und erstaunt» über die Resultate der Pisa-Studie. Nach Feststellung des Verbandes haben sich die Fähigkeiten der Schulabgänger in den letzten Jahren allerdings nicht merklich verbessert.

Parteien ziehen unterschiedliche Schlüsse

Die SVP misst den Ergebnissen der jüngsten PISA-Studie keine grosse Bedeutung bei. «Wir nehmen sie zur Kenntnis», sagte SVP- Nationalrat Ulrich Schlüer, unter dessen Federführung die Partei jüngst eine Rückkehr zu vergangenen Bildungskonzepten gefordert hatte.

«Für uns sind die Klagen der Betroffenen entscheidend.» Und das seien die Lehrer sowie die Eltern, sagte Schlüer gegenüber der SDA.

Die SP ist mit den PISA-Resultaten zufrieden: Die Schweizer Ergebnisse zeigten, dass das hiesige Bildungswesen ist auf Kurs sei. Vor allem die vertiefte Sprachförderung habe sich bezahlt gemacht.

Ruedi Noser, FDP-Nationalrat und langjähriges Mitglied der Bildungskommission, zieht drei Schlüsse aus der jüngsten PISA- Studie. Erstens habe die Teilnahme an der ersten Studie überhaupt erst bewirkt, dass Schwachstellen entdeckt werden konnten.

Zweitens seien die Lehrer aufgrund der Ergebnisse der letzten Studie aus dem Jahr 2000 wohl sensibilisiert geworden, sagte Noser gegenüber der SDA. Und drittens mache das Ergebnis deutlich, dass die Kinder mit Migrationshintergrund nicht aus bildungsfernen Schichten kämen.

Die CVP wiederholt in einer schriftlichen Stellungnahme auf das Ergebnis der Studie ihre Forderung, die Schulen müssten sich auf den Erwerb und den Umgang mit der Sprache fokussieren. Weiter belegten die PISA-Resultate eindeutig, dass Frühförderung zentral sei.

Grosse Reformdebatte ausgelöst

Bei der ersten Pisa-Untersuchung 2000, an der 32 Länder teilgenommen hatten, waren die Schweizer Jugendlichen in der Mathematik gut, in Deutsch und Naturkunde dagegen nur mässig. Viele Schüler wiesen eine mangelhafte Lesefähigkeit auf. Die Schweiz belegte damals bei der Lesefähigkeit nur den 17. Platz.

Die PISA-Studien lösten in der Schweiz eine breite Debatte über Bildung und Schulreformen aus. Im Zentrum stehen die Harmonisierung des kantonal geregelten Schulsystems - Stichwort HarmoS - der frühere Schuleintritt, Frühenglisch und einheitliche gesetzliche Grundlagen für das Bildungswesen.

PISA geriet aber auch in die Kritik: Die Leistungsbewertungen trügen den Bedingungen in den einzelnen Ländern zu wenig Rechnung. Ursachen der unterschiedlichen Leistungen seien nicht nur die Schulsysteme, sondern auch der Ausländer-Anteil in den einzelnen Ländern. Dieser liegt beim Spitzenreiter Finnland bei 2,1 Prozent, in der Schweiz über 20 Prozent. (fum/sda)

Hat die Pisa-Studie etwas mit der italienischen Stadt zu tun?

Nein, Pisa ist die englische Abkürzung für «Programme for International Student Assessment» und ist ein Forschungsprojekt der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Pisa wird seit 2000 alle drei Jahre durchgeführt und will aufzeigen, wie gut die Jugendlichen am Ende der obligatorischen Schulzeit auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet sind.

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