Bildungsoffensive: «Schweizer Schüler sollen programmieren lernen»
Aktualisiert

Bildungsoffensive«Schweizer Schüler sollen programmieren lernen»

Damit die Schweiz nicht abgehängt wird, fordert Ex-Notenbanker Philipp Hildebrand, dass an Schulen neben dem Lesen auch Programmieren vermittelt wird.

von
S. Spaeth
Interlaken
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Philipp Hildebrand, Ex-Nationalbankpräsident und heutiger Vice Chairman des Vermögensverwalters  Blackrock, spricht am Swiss Economic Forum (SEF) über das Erfolgsmodell Schweiz und kritisiert das Schweizer Bildungssystem.

Philipp Hildebrand, Ex-Nationalbankpräsident und heutiger Vice Chairman des Vermögensverwalters Blackrock, spricht am Swiss Economic Forum (SEF) über das Erfolgsmodell Schweiz und kritisiert das Schweizer Bildungssystem.

Keystone/Marcel Bieri
Hildebrand fordert, dass an Schweizer Schulen neben dem Lesen und Schreiben auch das Programmieren gelehrt wird.

Hildebrand fordert, dass an Schweizer Schulen neben dem Lesen und Schreiben auch das Programmieren gelehrt wird.

Keystone/Marcel Bieri
Philipp Hildebrand im Gespräch mit SEF-Moderatorin Susanne Wille. Er verrät der Moderatorin, man müsse etwas bewahren, das losgelöst von Erfolg oder Misserfolg sei. «Die Identität darf nicht vollends mit dem Beruf verschmelzen», so Hildebrand.

Philipp Hildebrand im Gespräch mit SEF-Moderatorin Susanne Wille. Er verrät der Moderatorin, man müsse etwas bewahren, das losgelöst von Erfolg oder Misserfolg sei. «Die Identität darf nicht vollends mit dem Beruf verschmelzen», so Hildebrand.

Keystone/Marcel Bieri

Künftig werde es nicht nur Firmen, sondern ganze Länder geben, die technologisch überholt und abgehängt werden. Das sagte der ehemalige Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand am Donnerstag am Swiss Economic Forum (SEF). Damit der Schweiz das nicht passiert, plädierte der heutige Topmanager des Vermögensverwalters Blackrock für eine Bildungsoffensive: «An Schweizer Schulen soll neben dem Lesen und Schreiben auch das Programmieren gelehrt werden», so Hildebrand.

Der 52-jährige Ökonom, der mit der millionenschweren Unternehmerin Margarita Louis-Dreyfus im Frühjahr Zwillinge bekam, hat auch schulpflichtige Kinder aus einer früheren Beziehung. Er betonte darum, sich mit Schulstoff auszukennen: «Können Sie mir sagen, weshalb im Schweizer Lehrplan die Grundlagen des Programmierens nicht vorkommen?», fragte Hildebrand rhetorisch in Richtung des Publikums. Und fuhr fort: «Unser Lehrplan scheint aus der Zeit der ersten industriellen Revolution zu stammen.» Um für die laufende vierte industrielle Revolution gewappnet zu sein, brauche es aber mehr, so der Ökonom.

China als Vorbild für die Schweiz

In der Analogie des ehemaligen Nationalbank-Chefs ist das Programmieren vergleichbar mit dem Schreiben, während das Bedienen von Apps dem Lesen gleichkommt. Hildebrand betonte das rasante Tempo, in welchem sich die Technologie entwickelt: Die erste Smartphone-App sei erst 2007 entwickelt worden. «Wir erleben derzeit die grösste technische Revolution aller Zeiten.» Und die Schweiz müsse bei dieser Entwicklung vorne mit dabei sein. Hildebrand betonte, dass China in dieser Hinsicht viel richtig mache: «Die Chinesen sind sehr früh im Adaptieren der Technologie.»

Neben der Kritik am Schweizer Bildungssystem hatte Hildebrand den SEF-Gästen auch Positives zu berichten: «Das schweizerische Wirtschaftsmodell ist ein Erfolg. Wir haben uns als sicheren und offenen Hafen bewährt.» Seit zehn Jahren wachse die hiesige Wirtschaft schneller als der Durchschnitt der OECD-Länder. Ein wichtiger Grund dafür sei der hohe Exportanteil. Die Quote von 60 Prozent am Bruttoinlandprodukt (BIP) sei im internationalen Vergleich ein absoluter Spitzenwert und höher als beim Exportweltmeister Deutschland. Als Folge davon ist laut Hildebrand auch der Wohlstand in der Schweiz stärker gestiegen.

Hildebrands Erkenntnisse aus der Devisenaffäre Nach seiner Rede am Swiss Economic Forum hat sich Philipp Hildebrand auf persönliche Weise zur Devisenaffäre geäussert, die zu seinem Rücktritt als Nationalbankpräsident geführt hatte. Auf eine Frage von Moderatorin Susanne Wille gab Hildebrand zu, dass ihn die Affäre noch immer berühre, wenn auch nicht mehr allzu stark. Vielleicht lerne man aus Fehlern mehr als aus Erfolgen, so der Ex-Notenbanker. Zwar müsse man in einem solchen Amt alles geben, gleichzeitig müsse man aber auch etwas bewahren, das losgelöst von Erfolg oder Misserfolg sei. «Die Identität darf nicht vollends mit dem Beruf verschmelzen», so Hildebrand. (sda)

Hildebrands Erkenntnisse aus der Devisenaffäre Nach seiner Rede am Swiss Economic Forum hat sich Philipp Hildebrand auf persönliche Weise zur Devisenaffäre geäussert, die zu seinem Rücktritt als Nationalbankpräsident geführt hatte. Auf eine Frage von Moderatorin Susanne Wille gab Hildebrand zu, dass ihn die Affäre noch immer berühre, wenn auch nicht mehr allzu stark. Vielleicht lerne man aus Fehlern mehr als aus Erfolgen, so der Ex-Notenbanker. Zwar müsse man in einem solchen Amt alles geben, gleichzeitig müsse man aber auch etwas bewahren, das losgelöst von Erfolg oder Misserfolg sei. «Die Identität darf nicht vollends mit dem Beruf verschmelzen», so Hildebrand. (sda)

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