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Klassenreise nach BerlinSchweizer Schüler überfallen Paar

Schon wieder sind Schweizer Schüler auf einer Klassenfahrt in Deutschland kriminell geworden: Vier 18-jährige Berner haben in Berlin ein Pärchen verprügelt und überfallen.

von
kub

Es war am frühen Freitagmorgen im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg, als die vier Schweizer Schüler in der Belforter Strasse einen 38-Jährigen und dessen 27-jährige Freundin um Geld baten, schreibt der «Tagesspiegel». Den Mann stiessen sie Polizeiangaben zufolge von hinten zu Boden. Auch die Frau attackierten die Touristen. Darauf flohen sie. Dem Paar wurde das Handy und das Portemonnaie gestohlen. Wenig später nahm die Polizei einen der Schweizer fest. Die anderen wurden in einem Hostel verhaftet. Die Polizei in Berlin ermittelt wegen Raubes.

Ein Polizeisprecher in Berlin bestätigte gegenüber 20 Minuten Online den Vorfall. Bei den Schweizer Schülern handle es sich um Jugendliche aus dem Kanton Bern (Belp, Bremgarten und Muri). Alle seien jetzt auf freiem Fuss, müssten zu Hause aber mit dicker Post aus Berlin rechnen. Nähere Angaben über die Täter konnte der Polizeisprecher nicht machen. In der Millionenmetropole Berlin gebe es viele Raubüberfälle, darunter seien natürlich auch Schweizer als Täter auszumachen. Mit ironischem Unterton meinte der Polizeisprecher, die Schweizer seien aber die schlimmsten.

Münchner Schläger bei Deutschen präsent

Dieser subjektive Eindruck des Sprechers deckt sich mit den Talkbacks im «Tagesspiegel». Der Artikel löste bei den Lesern Empörung aus. Im Talkback wundert man sich über die Schweizer Schüler im Ausland: «Scheint ja ein Volkssport der Jugend dort zu sein, bei uns die Leute umzuhauen.» Oder: «Wieder mal so eine (lustige) Klassenfahrt. Man sollte die Institution der 'Schweizermacher' wieder aufleben lassen, mit anderer Zielrichtung. Nicht die Aussortierung unerwünschter 'Fremder' sollte hier das Ziel sein, sondern Lehrstunden 'wie benehme ich mich im Ausland, damit ich meinem Land keine Schande mache'.»

Der Fall erinnert in Ansätzen an den Fall München: In der Nacht vom 30. Juni 2009 verprügelten die Zürcher Schüler Mike B., Ivan Z. und Benji D. in München fünf zufällig ausgewählte Opfer. Sie wurden 2010 verurteilt (siehe Infografik).

Regeln vorgelegt

Der Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver sagte am Westschweizer Radio, dass die vier Schüler bis anhin nicht negativ aufgefallen seien. Ihr Verhalten in Berlin sei aber keinenfalls tolerierbar. Die Eltern der Schüler seien «sehr überrascht» gewesen.

Weiter sagte Pulver, dass der Klasse vor der Reise schriftlich Verhaltensregeln vorgelegt worden seien. «Alle Massnahmen, die nach dem Fall München eingeführt wurden, sind ergriffen worden.» Die Klasse sei in Berlin von zwei Lehrern begleitet worden.

Auch machte Pulver darauf aufmerksam, dass volljährigen Schülern nicht verboten werden könne, auszugehen. Die Diskussion, ob Klassenreisen überhaupt noch durchgeführt werden sollen, will der grüne Regierungsrat den Schulen überlassen. Er betonte, dass «99,9 Prozent aller Schülerinnen und Schüler» keine Probleme machten.

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