Atlantik-Trip während Corona: Schweizer Segler sitzt in Miami fest

Aktualisiert

Atlantik-Trip während CoronaSchweizer Segler sitzt in Miami fest

Als Profiskipper Beat Fankhauser auf hoher See war, breitete sich das Coronavirus auf der Welt aus. Nun ist der Schweizer in den USA gestrandet.

von
tam/heute.at
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Der Schweizer Beat Fankhauser ist Profiskipper, lebt in Mallorca und überstellt Segelyachten weltweit.

Der Schweizer Beat Fankhauser ist Profiskipper, lebt in Mallorca und überstellt Segelyachten weltweit.

Als sich die Corona-Pandemie in Europa und Amerika ausbreitete war er auf hoher See mit einer nagelneuen Yacht.

Als sich die Corona-Pandemie in Europa und Amerika ausbreitete war er auf hoher See mit einer nagelneuen Yacht.

Infos kamen per Satellitentelefon: «Wir hatten eine Ahnung davon, wie die Welt wohl aussehen würde», sagt der 50-Jährige.

Infos kamen per Satellitentelefon: «Wir hatten eine Ahnung davon, wie die Welt wohl aussehen würde», sagt der 50-Jährige.

Beat Fankhauser verbringt viel Zeit auf hoher See. Der gebürtige Schweizer, der auf Mallorca lebt, überstellt als Profiskipper weltweit Segelyachten. Allein im vergangenen Jahr segelte er ungefähr 20'000 Seemeilen.

Als sich die Corona-Pandemie im Februar und März ausbreitete, befand sich der 50-Jährige auf der Fahrt über den Atlantik von Tunesien nach Miami – und konnte sich nur ausdenken, wie die Welt bei der Ankunft aussehen würde.

Corona-Isolation auf Hoher See

«Wir bekamen Kurznachrichten über das Satellitentelefon», sagt der Profiskipper. Auch über grössere Entwicklungen und Änderungen aufgrund der Corona-Pandemie seien sie immer wieder stückchenweise informiert worden. «Wir hatten also ein grobes Bild, oder eher eine Ahnung davon, wie die Welt wohl aussehen würde.»

Das gesamte Ausmass der Pandemie sei der dreiköpfigen Crew aber erst am Tag der Ankunft auf den Bahamas – einem Zwischenstopp – bewusst geworden.

Sturm richtet Schäden an

Der Skipper war bereits am 15. Januar mit dem Flugzeug in Tunesien gelandet. Der Start mit einem nagelneuen, zwölf Meter langen Katamaran verzögerte sich allerdings aufgrund bürokratischer Probleme bis zum 1. Februar. «Die Freude über die Auslauferlaubnis wurde wenig später von einer unglaublichen Härteprobe überschattet», sagt er.

«Eine überraschende Sturmfront bescherte uns Wassereinbruch und Schäden an den Dichtungen der Fenster.» Bei einem Zwischenstopp in der sardinischen Hafenstadt Cagliari wurde das Boot nach Palma de Mallorca gebracht, um es in einer Charterbasis fit für die Überfahrt zu machen.

Ankunft einfach, Heimreise schwierig

Die Reise über den Atlantik ohne Land in Sicht dauerte dreieinhalb Wochen. «Wir hatten es mit Wechselwinden, Gewittern, hohen Wellen von allen Seiten und wechselnder Strömung zu tun», so Fankhauser. Nach einem Stopp auf den Bahamas ging es weiter ins 180 Seemeilen entfernte Miami.

Eine Quarantäne bei der Einreise sei weder auf den Bahamas noch in den USA Thema gewesen. «Wir waren schliesslich drei Wochen lang auf See», sagt der 50-Jährige. Aber es sei für ihn nun schwierig, die Heimreise anzutreten.

«Ich bleibe vorerst in Miami»

Fast alle internationalen Flughäfen in Amerika seien geschlossen, es gebe nur noch vereinzelt Flüge nach Europa und bei Ankunft sei ihm ohnehin Quarantäne sicher. Besonders bitter: «Als Schweizer Staatsbürger ist es fast unmöglich, meine Familie in Tirol – Eltern, Sohn und Geschwister – aufzusuchen.» Und noch schwieriger sei es, nach Hause in Mallorcas Hauptstadt Palma de Mallorca zu kommen.

Daher habe er sich entschieden, vorerst in Miami zu bleiben, bis sich die ganze Lage etwas entschärft habe, sagt Fankhauser, der nun seine 24. Atlantik-Überfahrt absolviert hat. «Genau so wie auf dem Meer heisst es jetzt Ruhe bewahren und abwarten.»

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