Aktualisiert 03.01.2018 19:04

Hoffnungsbarometer

Schweizer sehen 2018 in der Politik schwarz

Im privaten Bereich sind die Schweizer für 2018 optimistisch. Bei der Zukunft des Landes und der Welt sieht das anders aus.

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51 Prozent der Schweizer sehen laut dem Hoffnungsbarometer 2018 die nationale Politik pessimistisch.

51 Prozent der Schweizer sehen laut dem Hoffnungsbarometer 2018 die nationale Politik pessimistisch.

Keystone/Juerg Mueller
Bei der Wirtschaft sieht es leicht besser aus: Hier sind 35 pessimistisch, während 27 Prozent positiv eingestellt sind.

Bei der Wirtschaft sieht es leicht besser aus: Hier sind 35 pessimistisch, während 27 Prozent positiv eingestellt sind.

Keystone/Georgios Kefalas
Im Privatleben sind 72,4% der Schweizer optimistisch.

Im Privatleben sind 72,4% der Schweizer optimistisch.

Pexels

Das Schweizer Stimmvolk hat letztes Jahr zwei politische Grossreformen bachab geschickt: die der Altersvorsorge und die der Unternehmenssteuern. Auch für 2018 sind die Schweizer wenig zuversichtlich, was die nationale Politik angeht: 51,4 Prozent sehen diese laut dem Hoffnungsbarometer 2018 der Schweizerischen Vereinigung für Zukunftsforschung Swissfuture pessimistisch. Nur 16,5 Prozent sind optimistisch, der Rest ist unentschlossen.

Bei sozialen Themen sehen 58,3 Prozent schwarz, bei Klima und Umwelt 54,5 Prozent. Bei Wirtschaftsthemen sieht es etwas besser aus: Hier sind 35,3 Prozent pessimistisch, während 27,7 Prozent positiv eingestellt sind.

«Letztes Jahr waren die Schweizer zu diesen Themen noch leicht positiver eingestellt. Das ist ein weltweiter Trend, der auch in der Schweiz zu spüren ist», sagt Studienautor Andreas Krafft von der Universität St. Gallen. Ein Grund sei die instabile politische Lage, etwa durch den Konflikt zwischen Nordkorea und den USA. Auch beim Klimaschutz seien in internationalen Verhandlungen kaum Fortschritte erzielt worden. «Hier ist der Vertrauensverlust besonders hoch», sagt Krafft.

In der Schweiz sorge das Scheitern der Reformen für eine gewisse Ratlosigkeit. «Die Schweizer sehen keine Lösungen mehr für die Probleme der AHV, die steigenden Krankenkassenprämien oder die Armut in der Schweiz. Auch bei den sozialen Themen sind die Schweizer darum dieses Jahr negativer eingestellt.»

Im Privaten sind die Schweizer zuversichtlich

Die Börsenrally habe auch nicht zu mehr Vertrauen geführt. «Die meisten Menschen wissen, dass das Auf und Ab an der Börse nicht immer mit der realen wirtschaftlichen Situation zusammenhängt. Im Gegenteil: Steigende Börsenwerte werden oftmals mit Skepsis betrachtet.»

Im Gegensatz zu dem Pessimismus für das Land steht ein grosser Optimismus, was das Privatleben angeht. 72,4 Prozent gehen mit Zuversicht ins neue Jahr, während nur 14,4 Prozent negativ eingestellt sind.

Geht es nicht konkret um Politik oder Wirtschaft, hat die Mehrheit ein positives Menschen- und Weltbild. Mehr als 60 Prozent finden, die menschliche Natur sei grundsätzlich gut, und wenn man man genau hinschaue, sei die Welt voller guter Dinge.

«Das ist eine Bestätigung dafür, dass es den meisten Menschen in der Schweiz grundsätzlich immer noch sehr gut geht», sagt Krafft. Die Probleme, die man sehe, seien vor allem zukunftbezogen und würden das Leben im Hier und Jetzt eher wenig beeinflussen. «Ausserdem stellt man fest, dass es im Leben der Menschen um wichtigere Dinge geht, etwa Familie, Partnerschaft oder Ausgeglichenheit, die teils von den politischen und wirtschaftlichen Trends unabhängig sind.»

Glauben an sich selber

Als Hoffnungsträger fürs neue Jahr sehen die Schweizer vor allem einen ganz speziellen Menschen: sich selbst. An zweiter Stelle folgt der Partner, dann Familie und Freunde. Ausserhalb des privaten Umfelds hoffen die Schweizer auf die «Helden des Alltags» ohne grosse Namen, Mediziner und Lehrer. Schlecht schneiden Banker, Manager, der Chef und die Politiker ab.

«In der Schweiz wird immer wieder auf die Selbstverantwortung der einzelnen Person hingewiesen», sagt Krafft. Wenn das Umfeld und die Zukunft ungewisser und bedrohlicher würden, sei es eine natürliche Reaktion, zuerst einmal auf die eigenen Stärken und Fähigkeiten zu zählen. «Der Partner, die Angehörigen und Freunde werden erst dann wichtiger, wenn man sich selbst nicht mehr als stark und selbstbewusst empfindet.»

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