Reisestopp wegen Corona: Ein Jahr ohne Ferien – es drohen psychische Schäden
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Reisestopp wegen CoronaEin Jahr ohne Ferien – es drohen psychische Schäden

Im Corona-Jahr 2020 verreisten nur 0,6 Prozent der Schweizer an exotische Orte. Ein grosser Teil der Bevölkerung spürt eine riesige Sehnsucht nach der Ferne. Was macht das mit uns?

von
Raphael Knecht
Fabian Pöschl
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33 Prozent der Schweizer verzichteten laut einer Umfrage 2020 auf Ferien.

33 Prozent der Schweizer verzichteten laut einer Umfrage 2020 auf Ferien.

News Scout 
Ob Ozean oder die chinesische Mauer – die Ferne fehlt den Schweizern.

Ob Ozean oder die chinesische Mauer – die Ferne fehlt den Schweizern.

Pixabay
2019 blieben nur 16 Prozent ganz zuhause.

2019 blieben nur 16 Prozent ganz zuhause.

Jonas Güttler/dpa

Darum gehts

  • 33 Prozent der Schweizer fuhren im vergangenen Corona-Jahr nicht in die Ferien.

  • Doch die Sehnsucht nach Ferien im Ausland ist gross.

  • Das Reisedefizit kann die Menschen emotional belasten.

Die Corona-Krise dauert nun schon fast ein Jahr. Das Virus hat fast alles auf den Kopf gestellt – auch das Mobilitätsverhalten ist nicht mehr dasselbe. 33 Prozent der Schweizer fuhren im vergangenen Jahr nicht in die Ferien, wie eine repräsentative Umfrage des TCS ergab. Jeder dritte der rund 1300 Teilnehmer verzichtete 2020 also komplett auf die Ferien. 2019 waren es nur 16 Prozent, die ganz zuhause blieben.

Viele sehnen sich aber nach Ferien an exotischen Orten und idyllischen Stränden. Die Sehnsucht nach Ferien im Ausland ist gross, wie ein Sprecher von Kuoni bestätigt. «Wir spüren, dass die Kunden mit den Hufen scharren. Sie möchten auf andere Gedanken kommen und geplatzte Reisen nachholen», so der Sprecher. Kuoni erwarte einen grossen Nachholbedarf.

Emotionale Belastung

Das Reisedefizit kann die Menschen emotional belasten, sagt Wirtschaftspsychologe Christian Fichter von der Kalaidos Fachhochschule zu 20 Minuten: «Wer sich an die Ferien auf Mallorca gewöhnt hat und nun mit dem Maggiatal Vorliebe nehmen muss, nimmt das womöglich als Verlust war.» Auch junge Menschen, die 2020 erstmals die Welt erkunden wollten, können das jetzt nicht so tun, wie sie es gehofft hatten – und sind darum traurig.

Im Extremfall könnte eine langersehnte Reise, die ins Wasser fällt, für Menschen, die jetzt schon psychisch am Anschlag sind – weil sie etwa zu wenige soziale Kontakte haben, depressiv sind und zu viel Druck von der Arbeit ausgesetzt sind – gar der Auslöser für bleibende Schäden sein. Ebenfalls problematisch könnte es werden, wenn jemand sehr viele soziale Verbindungen ins Ausland hat und keinen Weg findet, die ohne Reisen zu pflegen.

«Weltmeister der Anpassung»

Für die meisten Menschen sei das Fernweh aber kein Grund zur Sorge, versichert Fichter. «Der Mensch kann sich anpassen – wir sind Weltmeister darin, das Beste daraus zu machen.» Der Erholungswert von Ferien sei zudem gar nicht vom Ort abhängig: «Theoretisch könnte man sich auch in der eigenen Wohnung gut erholen.»

Bedenklich findet Fichter hingegen, dass manche Schweizer gar nicht Ferien machen, weil sie ja eh nicht verreisen können. «Das sollte man nicht tun – wir brauchen alle gelegentlich eine Auszeit von der Arbeit.» Wichtig sei, dass man diese Zeit nutzt, um sich im Rahmen des Möglichen zu erholen.

Ferien in der Schweiz

Von den Schweizer Umfrageteilnehmern, die sich für Ferien entschieden haben, blieben 44 Prozent in der Schweiz. Das sind fast 20 Prozent mehr als vor Corona. Der grösste Teil des Rests entschied sich für Ferien in Europa. Der Anteil der Touristen, die eine Reise ausserhalb des Kontinents unternahmen, fiel dafür von 12 auf 0,6 Prozent. Die Ergebnisse sind Teil einer jährlichen Umfrage des Europabüros des Internationalen Automobilverbandes FIA. Die 1297 Antworten von Schweizer Einwohnern über 18 Jahren wurden vom TCS erhoben.

Wegen der grossen Reisesehnsucht dürfte es bald einen Reiseboom geben. Die Schweizer Reisebranche rechnet, teils schon diesen Sommer, mit dem grossen Boom. Ein Viertel gibt in einer Umfrage von «Travel Inside» an, dass es Mitte Jahr losgehen wird. Weitere 26 Prozent rechnen erst im Herbst mit einem Boom beim Auslandtourismus. Etwas weniger als die Hälfte der befragten Reisebüros glaubt hingegen, dass es 2021 noch nicht soweit sein wird.

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

Hast du oder jemand, den du kennst, eine Depression?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele, Onlineberatung für Kinder psychisch kranker Eltern

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung

1017 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Michael_derErste

16.02.2021, 17:43

ich war seit 20 jahren nicht mehr im Ausland und mir geht es sehr gut. Wieso sollte man einen psychischen Schaden deswegen haben? Ich bin sehr viel hier in der Natur unterwegs. Jetzt sogar mehr als vorher. Ich behaupte mir geht es besser als vor einem Jahr.

Das vereinte Volk wird niemals besiegt werden

16.02.2021, 13:45

Ein Jahr ohne Ferien bedeutet, dass Sie für die diesjährigen fur die Ferien mindestens 6.000 chf mehr in der Bank habe, covid-19 Ich liebe dich. Bill Gates, vielen Dank für das ganze Theater mit dem Covid-19-Virus.

lalilu83

16.02.2021, 11:57

Wer wegen sowas in eine Depri fällt hat echt keine Andern Probleme. Trauriges Leben wenns nur Spass machen kann wenn man reisen kann.