Aktualisiert 27.05.2016 11:42

Spanien

Schweizer Sektenanhänger attackiert TV-Crew

Die Attacke eines Schweizers auf ein Fernsehteam in Spanien macht Schlagzeilen. Beim Angreifer handelt es sich um einen Anhänger einer obskuren Sekte mit eigenem «Papst».

von
vro

Die palmarianisch-katholische Kirche hat weltweit rund 10'000 Mitglieder, die meisten davon in Spanien. Die Gemeinschaft hält Papst Paul VI. für den letzten gottgewollten Pontifex. Nach seinem Tod im Jahr 1978 stellte die Sekte ihren eigenen Gegenpapst. Dieser trat erst Ende April freiwillig von seinem Amt zurück – mit der Begründung, er habe «den Glauben verloren».

Sein Nachfolger ist der Schweizer Joseph Odermatt, der nun als Petrus III. als Papst regiert. Sein Vorgänger macht ihm seine ersten Wochen im Amt jedoch nicht einfach. Nach seinem Abgang liess er durchblicken, dass es sich bei Palmar de Troya, wie sich die Kirche nennt, eigentlich um eine Sekte handelt. Minderjährige würden missbraucht und Mitglieder finanziell ausgenutzt.

«Anständig sein!»

Ein Team des spanischen Fernsehsenders Antena3 wollte nun ein Mitglied vor der Kirche in Sevilla abfangen und zu den Vorwürfen interviewen. Ein Video zeigt, wie ein Auto vorfährt und ein Mann die Tür öffnet. Neben ihm sitzen eine Frau und ein Junge. Der 70-Jährige ist noch nicht einmal ausgestiegen, schon beginnt er mit Beschimpfungen gegen die Reporterin und ihren Kameramann.

Es handelt sich um einen Deutschschweizer, wie unschwer zu erkennen ist. Der Mann wechselt zwischen Spanisch, Deutsch und Schweizerdeutsch. «Fort mit Kamera», sagt er, nachdem er bereits selbst versucht hat, sie dem TV-Mitarbeiter zu entreissen. Mit erhobenem Zeigefinger fährt der Schweizer fort: «Nicht erlaubt!» Und: «Anständig sein!»

Zeugen unternehmen nichts

Der Mann wirkt extrem aggressiv, obwohl die Reporterin ihn noch zu beruhigen versucht. Sie erklärt, dass sie gehen wollen. Als sich der Kameramann abwendet, eskaliert die Situation. Offenbar versucht der Schweizer, die Kamera zu beschädigen, wie aus den Schreien der Reporterin geschlossen werden kann. Dann ist plötzlich ein lautes Kreischen zu hören, die Kamera zeigt nur noch verschwommene Bilder. Die Reporterin ruft immer wieder: «Aufhören, aufhören!»

Im Nachhinein erzählt die Frau, dass sie von dem Mann geschlagen und getreten worden sei. «Er schrie auf Deutsch, dieser 70-jährige Mann, und ich verstand nichts. Und er schrie weiter. Das war surreal.» Ausserdem seien etliche Zeugen – darunter ein Sicherheitsbeamter – danebengestanden, doch niemand habe eingegriffen. Die Schreie im Video stammten von einem Mädchen, das ebenfalls zusah.

In der Schweiz missioniert

In der Schweiz ist die palmarianisch-katholische Kirche ebenfalls aktiv. Mitglieder haben hier in der Vergangenheit missioniert. Bei Infosekta gingen immer wieder «besorgniserregende Anfragen» zur Gruppierung ein, wie es auf deren Website heisst. Die palmarianisch-katholische Kirche macht ihren Mitgliedern strenge Vorschriften – Frauen etwa dürfen keine Hosen tragen.

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