«Roofing»: Schweizer setzen für Selfies ihr Leben aufs Spiel
Aktualisiert

«Roofing»Schweizer setzen für Selfies ihr Leben aufs Spiel

Die Bilder, die Roofer schiessen, sind spektakulär, aber hochgefährlich. Nun riskieren auch Schweizer Jugendliche ihr Leben für den waghalsigen Trend.

von
Nicolas Saameli
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Roofing - ein gefährlicher Trend aus Russland - kommt nun auch in der Schweiz auf.

Roofing - ein gefährlicher Trend aus Russland - kommt nun auch in der Schweiz auf.

Screenshot Facebook
Jugendliche begeben sich für Bilder in unglaubliche Gefahren und posten diese auf den sozialen Netzwerken.

Jugendliche begeben sich für Bilder in unglaubliche Gefahren und posten diese auf den sozialen Netzwerken.

Screenshot Facebook
Der Sendemast von Sottens VD war bis anhin ein Mekka für die Schweizer Roofer. Im August wurde er abgerissen.

Der Sendemast von Sottens VD war bis anhin ein Mekka für die Schweizer Roofer. Im August wurde er abgerissen.

Leser-Reporter

Es war die Perspektivenlosigkeit der russischen Grossstädte, die den Nährboden für einen gefährlichen Trend gelegt hat: Jugendliche einer verlorenen Generation kletterten auf die höchsten Häuser Moskaus und dokumentierten ihre wagemutigen Aktionen mit Handy-Kameras.

In den sozialen Medien wurden die Roofer – wie sie sich nennen – schnell zu gefeierten Untergrundhelden. Unzählige Bilder und Videos verbreiteten sich viral und verschafften ihren Darstellern weltweit Ruhm und Anerkennung. Mit spektakulären Aktionen und surreal wirkenden Fotos erreichten sie über Youtube ein Millionenpublikum.

Roofing nun auch in der Schweiz

Nun hat der gefährliche Trend auch die Schweiz erreicht. Vor allem Jugendliche aus der Romandie verbreiten im Internet Bilder, für die sie unglaublich exponierte Stellen erklettert haben und dort manchmal tollkühne Kunststücke zeigen, ohne sich zu sichern.

«Wir suchen ganz klar nach der Gefahr», sagt der Schweizer Roofer O.G.* (21) aus Yverdon. Seine Motivation, die Häuser zu besteigen, sei vor allem der Kick. «Wenn man auf so einem Dach steht und das Adrenalin spürt, fühlt man sich so lebendig wie sonst nie», sagt er euphorisch. «Das übertrifft alles, was ich bisher erlebt habe.» Alleine sei er bei den Kletter-Aktionen nie: O.G. ist Teil einer zehnköpfigen Schweizer Roofing-Gruppe. «Wir sind aber nicht die Einzigen, die sich in der Schweiz für Roofing interessieren.»

Vor kurzem hat sich O.G. in der Szene einen Namen gemacht, als er den – inzwischen abgerissenen – 188 Meter hohen Sendemast von Sottens VD in Rekordgeschwindigkeit bestieg. Knapp 15 Minuten hat er dafür gebraucht, wie er erzählt. «Das der Turm in Sottens nun abgerissen wurde, finden wir sehr schade. Er war bisher eine Art Mekka für mich und meine Freunde.»

«Dieses Hobby kann strafrechtlich belangt werden»

Im Gegensatz zu O.G. ist man bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung alles andere als begeistert vom russischen Trend. Sprecher Rolf Moning: «Dass Roofing lebensgefährlich sein kann, versteht sich von selbst.» Er rate allen interessierten Jugendlichen deshalb dringend, das Roofing unbedingt zu unterlassen. Nicht zu vergessen sei auch der rechtliche Aspekt. «Roofer verschaffen sich für ihr Hobby oft Zugang zu einer verbotenen Örtlichkeit. Dafür kann man strafrechtlich belangt werden.»

Ein hohes Ziel für die Roofer könnte der Roche-Tower in Basel sein: Obwohl dieser sich noch in Bau befindet, ist er inzwischen schon das höchste Gebäude der Schweiz. Von Ersteigungsversuchen hat man bei der Roche aber noch nichts gehört. Eine Sprecherin sagt: «Der Rocheturm befindet sich auf dem abgesperrten Betriebsgelände. Er ist durch die Betriebssicherheit und die Baustellensecurity ausreichend geschützt.»

*Name der Redaktion bekannt

Durch spektakuläre Aktionen machen russische Roofer regelmässig auf sich aufmerksam. Hier zwei der Stars der Szene beim Erklettern des Shanghai Towers – dem zweithöchsten Gebäude der Welt.

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