Überforderte Halter: Schweizer setzen Leguane und Schlangen aus

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Überforderte HalterSchweizer setzen Leguane und Schlangen aus

In der Schweiz boomen exotische Haustiere. Hobbyhalter kaufen die Tiere oft unüberlegt – und setzen sie aus. Nun müssen Behörden Auffangstationen einrichten.

von
ced
Diese Boa constrictor wurde am Montag, 28. Juli 2014, am Zürcher Sihl-Ufer gefunden. Laut Tierschützerin Béatrice Kirn ist das kein Einzelfall.

Diese Boa constrictor wurde am Montag, 28. Juli 2014, am Zürcher Sihl-Ufer gefunden. Laut Tierschützerin Béatrice Kirn ist das kein Einzelfall.

Ein süsses Kätzchen oder ein niedlicher Hamster ist für viele Schweizer nicht mehr genug. «Leguane, Schlangen, Geckos und Echsen – oder auch einmal ein Giftspinne – liegen im Trend», sagt Béatrice Kirn vom Tierschutz beider Basel. Sie bemerke einen regelrechten Boom. «Das ist wie Extremsport – man sucht den Kick.»

Oft würden aber Aufwand und Kosten unterschätzt. Habe man das Tier erst einmal zu Hause, seien viele Hobbyhalter mit der Situation überfordert. Um die Wechselwarmblüter wieder loszuwerden, «setzen sie sie einfach aus», so Kirn zur «Sonntagszeitung».

«Ein grosses, zunehmendes Problem»

Reptilien werden häufig als pflegeleicht und verträglich für Allergiker angepriesen. Doch die Haltung ist laut Kirn anspruchsvoll: «Es braucht teure Terrarien, Wärmelampen und Sonnenbäder.» Weil das einigen schnell zu viel werde, müssen Polizei und Feuerwehr immer wieder ausrücken und herrenlose Tiere einsammeln. Da könne auch ab und zu eine Vogelspinne oder Python dabei sein. Die private Haltung von Reptilien und die Aussetzung der Tiere sei «ein grosses, zunehmendes Problem».

Um dem entgegenzuwirken, hat der Tierschutz beider Basel auf Wunsch des Veterinäramts im Januar eine Reptilien- und Amphibienstation eröffnet. Sogar in der Nacht können dort – über eine beheizbare und ausbruchssichere Tierklappe – Findlinge abgegeben werden. Die 15 Terrarien beherbergen, bereits eine Schwarze Witwe, einen Madagaskar-Leguan, einen Leopardengecko, Bartagamen, eine Kornnatter und eine Boa.

Auffangstationen sind gefragt

Michael Keller, Reptilienkenner und Geschäftsführer des Fachgeschäfts Zoo Keller in Breitenbach SO, betreibt ebenfalls eine Auffangstation für Reptilien. Diese führt er privat. Notfalls nimmt er Tiere laut «Sonntagszeitung» auch ohne Gründe und anonym entgegen und versucht dann, die Exoten weiterzuvermitteln. Das sei aber zunehmend schwieriger, da bei vielen seriösen Haltern der Platz knapp werde.

Auch am Zürcher Tierschutz geht der Exoten-Boom nicht vorbei. «Wir eröffnen dieses Jahr ein neues Tierheim und richten dort die erste Reptilienabteilung ein», sagt Nadja Brodmann, Geschäftsleiterin der Organisation. Das Pflegepersonal werde derzeit für die neuen Aufgaben geschult.

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