Einkaufstourismus: Schweizer shoppen lieber in Lörrach fremd
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EinkaufstourismusSchweizer shoppen lieber in Lörrach fremd

Nicht an allen Grenzübergängen ist das Plus an Einkaufstouristen gleich hoch. Regional kommt es zu grossen Unterschieden.

von
Valeska Blank
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Seit der Freigabe des Euro-Franken-Mindestkurses kaufen noch mehr Schweizer im grenznahen Deutschland ein. Im Bild das Einkaufszentrum Lago in Konstanz.

Seit der Freigabe des Euro-Franken-Mindestkurses kaufen noch mehr Schweizer im grenznahen Deutschland ein. Im Bild das Einkaufszentrum Lago in Konstanz.

Keystone/Ennio Leanza
Das führt dazu, dass die deutschen Zöllner deutlich mehr Ausfuhrbelege abstempeln müssen. Im Bezirk des Hauptzollamts Singen - im Bild der Zoll in Konstanz - war die Zunahme im ersten Quartal 2015 mit plus 10 Prozent aber viel tiefer als ...

Das führt dazu, dass die deutschen Zöllner deutlich mehr Ausfuhrbelege abstempeln müssen. Im Bezirk des Hauptzollamts Singen - im Bild der Zoll in Konstanz - war die Zunahme im ersten Quartal 2015 mit plus 10 Prozent aber viel tiefer als ...

Keystone/Martin Ruetschi
... im Grenzgebiet rund um Weil am Rhein und Lörrach.

... im Grenzgebiet rund um Weil am Rhein und Lörrach.

Keystone/Georgios Kefalas

Dass der Einkaufstourismus nach Deutschland im ersten Quartal zugenommen hat, ist wenig überraschend. Schliesslich ist das Fremdshoppen ennet der Grenze seit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses Mitte Januar für Schweizer Konsumenten noch günstiger geworden. Frappant ist aber: Die Zunahme ist bei den beiden wichtigsten Hauptzollämtern sehr unterschiedlich ausgefallen.

Das Hauptzollamt Singen meldet fürs erste Quartal 2015 eine Zunahme von gut 10 Prozent bei den Ausfuhrbescheinigungen. Diese «grünen Zettel», mit denen Schweizer die deutsche Mehrwertsteuer von 19 Prozent zurückfordern können, gelten als Gradmesser dafür, wie sich der Einkaufstourismus entwickelt hat. Insgesamt stempelten die Zöllner in diesem Grenzbezirk 2,758 Millionen Ausfuhrbescheinigungen ab.

Während der Anstieg am Grenzabschnitt zwischen Konstanz und Bad Säckingen angesichts der Wechselkurssituation als moderat eingestuft werden kann, präsentiert sich die Situation im Grossraum Basel anders: Am Hauptzollamt Lörrach wurden von Januar bis März 25 Prozent mehr Ausfuhrbescheinigungen abgestempelt als im Vorjahresquartal. Die Zahl der «grünen Zettel» nahm von 1,2 Millionen auf 1,5 Millionen zu.

«Basel hat mehr Potenzial»

Michael Hauck, Sprecher des Hauptzollamts Singen, ist von der stark unterschiedlichen Zunahme an den beiden Grenzabschnitten im ersten Quartal überrascht. «Normalerweise entwickeln sich die Zahlen in Singen und Lörrach etwa gleich», sagt er zu 20 Minuten. Warum die Zahlen so auseinanderklaffen, darüber könne nur spekuliert werden. Ein möglicher Grund sei, dass der Grenzabschnitt des Hauptzollamts Singen viel grösser und die absolute Zahl der Ausfuhrzettel damit schon viel höher sei als in Lörrach. «Auf einem tieferen Niveau ist das prozentuale Plus natürlich höher», so Hauck.

Eine andere Theorie hat Olaf Kather vom Handelsverband Südbaden. Er führt die stärkere Zunahme beim Einkaufstourismus im Grenzgebiet von Lörrach auf das städtische Umfeld und die dichtere Besiedlung zurück. «Das Potenzial im Grossraum Basel ist viel grösser – dort fahren die Menschen auch einmal ganz spontan über die Grenze und erledigen die Einkäufe des täglichen Bedarfs.»

Verleiht Tram Extra-Schub?

Andere Beobachter machen das neue Tram von Basel nach Weil am Rhein für das grössere Plus verantwortlich. Ob es dem Einkaufstourimus aber wirklich so starken Schub verleiht, sei schwierig zu beurteilen, sagt Mathias F. Böhm, Geschäftsführer von Pro Innerstadt Basel: «Andererseits hat es sicher nicht dabei geholfen, den Einkaufstourismus einzudämmen.»

Letztlich hätten aber nicht nur die Basler in den vergangenen Monaten für den starken Anstieg im Grenzgebiet rund um Lörrach gesorgt, sagt Antje Bendel vom Hauptzollamt Lörrach: «Die Einkäufer haben längere Wege auf sich genommen – wir haben viele Zürcher, Luzerner oder Solothurner Autokennzeichen gesehen.»

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