Sixday-Nights: Schweizer Sieg im Zürcher Hallenstadion
Aktualisiert

Sixday-NightsSchweizer Sieg im Zürcher Hallenstadion

Packendes Finale an den Sixday-Nights in Zürich: Fünf Runden vor Schluss entscheiden der Schweizer Silvan Dillier und sein belgischer Partner Iljo Keisse das Rennen im Hallenstadion für sich.

Zweiter 2011, Vierter 2012 und jetzt der Sieg: Der Aargauer Silvan Dillier feiert mit dem Belgier Iljo Keisse bei den Zürcher Sixday-Nights seinen grössten Triumph auf der Bahn.

Das Duo realisierte den entscheidenen Rundengewinn nur einen Kilometer (fünf Runden) vor dem Ende. Die Belgier mit Vorjahressieger Kenny de Ketele und seinem Partner Jasper de Buyst, die vor der Finaljagd punktemässig im Vorteil waren, konnten den letzten der vielen Angriffe nicht mehr kontern. Dillier: «Für einen Bahnfahrer ist dieser Sieg gewiss so schön wie für einen Schweizer Strassenprofi, wenn er die Tour de Suisse gewinnt.»

Auf dem dritten Rang landeten die spanischen Vize-Weltmeister David Muntaner/Albert Torres vor dem überraschenden Schweizer Nachwuchspaar Stefan Küng/Thiéry Schir. Die zu Beginn der auf vier Tage verkürzten Sixday-Nights als Topfavoriten gehandelten Franco Marvulli, der gesundheitlich angeschlagen war, und Tristan Marguet landeten mit 16 Runden Rückstand auf dem neunten Rang.

Die dritte Nacht:

Die Nacht auf Samstag bei den Zürcher Sixday-Nights war geprägt von einem Weltrekord von Tristan Marguet und schweren Stürzen mit den Opfern Jan Keller und Roger Kluge.

Zuerst war es Tristan Marguet, der die Fans im Zürcher Hallenstadion entzückte. Mit 9,836 Sekunden über 200 Meter (73,200 km!) verbesserte der 26-jährige Westschweizer seine Bestmarke aus dem Vorjahr um neun Hundertstel. Ein Trost für ihn, der mit dem gesundheitlich angeschlagenen Bahn- und WG-Partner Franco Marvulli nichts mehr mit dem Gesamtsieg zu tun hat.

Dillier/Keisse mit guter Ausgangslage

Diesen peilt am letzten Abend Silvan Dillier mit seinem belgischen Partner Iljo Keisse an. Der 23-jährige Aargauer und das belgische Team mit Vorjahressieger Kenny de Ketele und Japser de Buyst dürften den Gesamtsieg unter sich ausmachen, da sie dank Punktgewinnen bald mit Rundenvorsprung vor drei weiteren Paaren in die Finalnacht steigen.

Dillier überstand in der letzten Américaine in der Nacht auf Samstag, die vom erstaunlichen Nachwuchspaar Stefan Küng/Thiéry Schir gewonnen wurde, einen Sturz unverletzt. Ganz im Gegensatz zu zwei anderen Profis: Roger Kluge hat sich an der Schulter verletzt; noch schlimmer scheint es den Zürcher Oberländer Jan Keller erwischt zu haben. Er musste weit nach Mitternacht mit der Bahre aus der Halle getragen und ins Spital überführt werden.

Zürich. Sixday-Nights. Américaine (125 Runden = 25 km):

1. Stefan Küng/Thiéry Schir (Sz) 20 Punkte.

2. David Muntaner/Albert Torres (Sp) 12.

3. eine Runde zurück: Kenny de Ketele/Jasper de Buyst (Be) 10.

Rundenzeitfahren (200 m):

1. Franco Marvulli/Tristan Marguet (Sz) 9,836 Sekunden (73,200 km/h; Weltrekord, bisher 9,927).

Gesamtwertung:

1. De Ketele/De Buyst 198 Punkte.

2. Silvan Dillier/Iljo Keisse (Sz/Be) 193.

3. Muntaner/Torres 146.

4. Küng/Schir 135.

5. Roger Kluge/Leif Lampater (De) 111.

6. eine Runde zurück: Morgan Kneisky/Vivien Brisse (Fr) 83.

9. vier Runden zurück: Marvulli/Marguet 129.

11. neun runden zurück: Gaël Suter/Kilian Moser (Sz) 59.

12. dreizehn Runden zurück: Cyrille Thiéry/Jan Keller (Sz) 36.

Steher. 4. Etappe (100 Runden = 20 km):

1. Marcel Barth (De, Schrittmacher Helmut Baur/De).

2. Mario Birrer (Sz, Thomas Baur/De).

3. Giuseppe Atzeni (Sz, André Dippel/De).

Gesamtwertung:

1. Atzeni 11 Rangpunkte.

2. Barth 12.

3. Thomas Maag (Sz, René Aebi/Sz) 11.

Die zweite Nacht:

Die zwei Runden Rückstand vom Vorabend konnten der 35-jährige Zürcher und sein welscher WG-Partner Tristan Marguet (26) in der ersten Hauptprüfung am Donnerstag über 100 Runden nicht korrigieren, blieben als Siebte gar ohne Wertung in den Punktesprints. Marvulli, der im nächsten Februar in Kopenhagen sein letztes Sechstagerennen fährt, kennt auch den Grund für die Baisse.

Er habe Anfang der Woche zwei Tage im Bett gelegen und letzte Woche bei einem Spitaluntersuch feststellen müssen, dass seine Blutwerte extrem tief seien. «Mir fehlt in den Jagden einfach der Druck in den Beinen», sagt der Publikumsliebling, der sich deshalb mit kleineren Brötchen begnügen muss wie etwa heute beim Sieg im Teamzeitfahren.

Während Marvulli nicht mehr an seinen fünften Triumph in der Oerlikoner Halle glaubt, können aus Schweizer Sicht Silvan Dillier (mit seinem belgischen Partner Iljo Keisse) und das Nachwuchs-Duo Stefan Küng/Théry Schir, das die 200-Runden-Américaine mit Rundenvorsprung für sich entscheiden konnte, die Kohlen aus dem Feuer holen. Sie liegen als Zweite beziehungsweise Vierte rundengleich mit den belgischen Leadern Kenny De Ketele und Jasper De Buyst in aussichtsreicher Position. Marvulli/Marguet stehen mit vier Runden Rückstand nur auf Rang 8.

Bei den Stehern gabs den zweiten Schweizer Etappensieg durch Peter Jörg (mit Schrittmacher Felix Weiss), der auch die Führung im Gesamtklassement übernahm. Bei den Amateuren führen die Holländer Didier Caspers/Melvin van Zijl, in der gleichen Runde befinden sich auch noch die Schweizer Frank Pasche/Lukas Spengler (3.) und die Brüder Pascal und Silvan Dieterich (6.).

Zürich. Sixday-Nights. Américaine (100 Runden = 20 km):

1. Stefan Küng/Théry Schir (Sz), 20 Punkte. 2. eine Runde zurück: Silvan Dillier/Iljo Keisse (Sz/Be), 12. 3. Morgan Kneisky/Vivien Brisse (Fr), 10. - Ferner: 7. Franco Marvulli/Tristan Marguet (Sz), 0. 11. Gaël Moser/Kilian Suter, 0. 12. Cyrille Thièry/Jan Keller, 0.

Teamzeitfahren: 1. Marvulli/Marguet 22,096. 2. Kenny De Ketele/Jasper De Buyst (Be) 22,371. 3. Dillier/Keisse 22,690.

Gesamtwertung (Stand 00.05 Uhr): 1. De Ketele/De Buyst 134. 2. Dillier/Keisse 125. 3. eine Runde zurück: David Muntaner/Albert Torres (Sp) 102. 4. Roger Kluge/Leif Lampater (De) 77. 5. drei Runden zurück: Küng/Schir 77. 6. Grasmann/Graf 43. 7. Kneisky/Brisse 41. 8. vier Runden zurück: Marvulli/Marguet 81. 9. fünf Runden zurück: Hester/Morkov 40. 10. Thièry/Keller 26.

Die erste Nacht:

Nach dem ersten Abend der Sixday-Nights in Zürich liegen die Favoriten Franco Marvulli und Tristan Marguet nur auf Rang 7 mit zwei Runden Rückstand. Vier Teams sind rundengleich an der Spitze.

Der 35-jährige Marvulli, der auf Ende Winter seinen Rücktritt angekündigt hat, befindet sich bei seinem Zürcher Abschiedsrennen schon in Rücklage. Mit seinem 26-jährigen Partner, mit dem er auch privat zusammen in einer Wohngemeinschaft lebt, verlor schon in der Eröffnungs-Américaine über 100 Runden eine Runde auf die Sieger Silvan Dillier/Iljo Keisse (Sz/Be).

In der Hauptprüfung über 200 Runden, die nach Mitternacht zu Ende gegangen ist, waren zwei weitere Rundenverluste auf die Sieger, die spanischen Vize-Weltmeister David Muntaner/Albert Torres, hinzugekommen. In der Gesamtwertung schaute damit nach der ersten Nacht nur Rang 7 heraus mit zwei Runden Rückstand.

Vier Paare liegen bei der auf vier Tage verkürzten Sixday-Nights in der gleichen Runde. Vorjahressieger Kenny De Ketele hat dabei mit seinem belgischen Landsmann Jasper De Buyst am meisten Punkte erobert (70). Dahinter liegen Dillier/Keisse mit 53 Zählern vor Muntaner/Torres (44) und den Deutschen Roger Kluge/Leif Lampater (31). (si)

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