«Bücklinge»: Schweizer sind gegen männliche Professorinnen
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«Bücklinge»Schweizer sind gegen männliche Professorinnen

An der Uni Leipzig sollen männliche Dozenten Professorinnen heissen. Das geht selbst Schweizer Feministinnen zu weit – und lässt Männer toben.

von
sth
Wo der Herr Professor noch Professor heisst: Universität in der Schweiz.

Wo der Herr Professor noch Professor heisst: Universität in der Schweiz.

Die Universität Leipzig will ihre Professoren entmannen: Laut einer Anpassung der Grundordnung der Hochschule sollen zukünftig ausschliesslich weibliche Personenbezeichnungen verwendet werden. Ist in einem offiziellen Papier der Uni von «Professorinnen» die Rede, ist damit auch das männliche Lehrpersonal gemeint. In der Schweiz kommt das Vorgehen zum Teil gut an. Nachmachen will es den Leipzigern allerdings vorerst niemand.

«Die Idee finde ich originell», sagt Helen Issler von Alliance F in Bern. Sie findet gut, dass der Professorinnen-Titel für männliche Dozenten zur Diskussion anregt. «Es kratzt natürlich am männlichen Ego. Doch so denken Männer mal darüber nach, wie es sich anfühlt, sprachlich ‹unterschlagen› zu werden.»

Weiter gehen will Issler aber nicht. «In der Schweiz sollten Dozenten nicht Professorinnen heissen. Die Sprache sollte die heutige Wirklichkeit abbilden, in welcher Mann und Frau alle Rollen und Berufe ausüben können.»

Sie plädiert, wie auch der Männerverantwortliche der Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann, Edgar Frey, für Doppelnennungen oder geschlechtsneutrale Formen. «Formulierungen wie ‹Studierende› oder ‹Dozierende› eigenen sich», sagt Frey.

Gleichberechtigung? Die haben wir doch schon

«Absurde Verweiblichung der Sprache»

Kein Verständnis für die sprachlichen Neuerungen an der deutschen Universität zeigt der Präsident von IG Antifeminismus, Urs Bleiker. «Ich frage mich: Wie kann man sich diese Anmassungen bieten lassen als Professor? Die Professoren von Leipzig machen den Bückling.» Er sieht in der Änderung eine «absurde Verweiblichung der Sprache.» Noch hofft Bleiker, dass die Idee in der Schweiz nicht Fuss fasst. «Politik und Bevölkerung sind gefordert, dass es nicht soweit kommt. Hochschulen sind Hochburgen des Unsinns», so der Antifeminist.

Die Universitäten sehen indes keinen Handlungsbedarf es bei der sprachlichen Gleichstellung den Leipzigern gleichzutun. Doris Wastl-Walter von der Uni Bern sagt: «Wir wollen nicht Gleiches mit Gleichem vergelten.»

Auch in Basel will man von einer Anpassung an die weibliche Form absehen: «Das führt nicht zu einer Gleichstellung», sagt Universitäts-Sprecher Matthias Geering. Dem Ausdruck «Professorenschaft» gehe zwar die sprachliche Eleganz ab, er sei jedoch als geschlechtsunabhängige Bezeichnung zu präferieren, so Geering.

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