Aktualisiert 17.03.2020 14:59

MarrakeschGestrandete werden in die Schweiz geholt

In Marokko wurden sämtliche Flüge unerwartet gestrichen. Nach einer Intervention des EDA werden nun gestrandete Schweizer mit Spezialflügen ausgeflogen.

von
kat

In Marokko wurden sämtliche Flüge aus dem und ins Ausland gestrichen. Am Flughafen von Marrakesch herrscht Chaos. (Video: Leser-Reporter)

Hunderte Reisende aus der Schweiz, die in Marokko feststecken, können ab Dienstag ausreisen. Fünf Flüge von Marrakesch in die Schweiz können nun durchgeführt werden. In den nächsten Tagen sollen weitere Flüge folgen.

Bisher hätten die Touristen wegen fehlender Fluggenehmigungen nicht aus Marokko ausfliegen können, sagte Peter Lenz, Chef des Krisenmanagement-Zentrums im Aussendepartement EDA, am Dienstagnachmittag vor den Medien in Bern. Die Blockade habe diplomatische Schritte erfordert, die nun Wirkung gezeigt hätten.

Bund hilft, wenn nötig

Buchung und Kosten gingen zu Lasten der Reisenden. Grundsätzlich bestehe kein Recht auf eine organisierte Ausreise aus Krisensituationen. Der Bund könne Hilfe und subsidiäre Unterstützung leisten.

Situationen wie in Marokko würden regelmässig geprüft. Sollte sich herausstellen, dass es für Touristen irgendwo auf der Welt nicht mehr möglich sei, auf dem Landweg oder eigene Faust auszureisen, werde das EDA solche Lagen eingehend prüfen und allenfalls Massnahmen ergreifen.

Touristen protestierten am Flughafen

Marokko hat wegen des Coronavirus bis auf weiteres Flüge von und in etwa 20 Länder, darunter auch die Schweiz, aussetzen lassen. In der Folge sind Tausende von Touristen an den Flughäfen gestrandet, darunter auch Ardian Krasniqi aus Freiburg. An dem Tag, an dem er mit seinem Kollegen den Rückflug in die Schweiz antreten wollte, erhielt er von einer guten Freundin eine Instagram-Story, die die Ausnahmesituation am Flughafen Marrakesch aufzeigte.

Am Flughafen angekommen, trafen sie auf zahlreiche erschöpfte und gereizte Touristen. Viele skandierten Protestparolen. «Sie waren offensichtlich mit ihrer Geduld am Ende», so Krasniqi. «Und wir selbst kommen auch nicht vom Fleck, die Flüge wurden gestrichen, die Gates sind geschlossen», erzählte er 20 Minuten.

Er und sein Kollege trafen schliesslich auf zwei Luzernerinnen, die im selben Boot sitzen. Gemeinsam versuchten sie eine Lösung zu finden.

Keine Informationen

Drei Nächte blieben die Schweizer in einem Hotel. Das EDA teilte ihnen vor wenigen Tagen mit, dass Auskünfte über die Fluggesellschaften oder den Reiseveranstalter erteilt würden. «Das bringt uns nichts, wir haben selbstständig über Easyjet gebucht, doch auch von dieser Seite haben wir bislang nichts gehört», so Krasniqi.

Auch der Versuch, im Schweizer Konsulat mit jemandem in Kontakt zu treten, sei zunächst gescheitert. Am Telefon sei man erneut darauf hingewiesen worden, sich mit dem Reiseveranstalter in Verbindung zu setzen. «Auch die Fähren fahren nicht. Wir wissen einfach nicht weiter.»

Wie Easyjet auf Anfrage schrieb, sei der Flugplan der Fluggesellschaft wegen der Reisebeschränkungen der marokkanischen Regierung beeinträchtigt. «Easyjet wird eine Reihe von Rettungsflügen durchführen, um den Passagieren den Rückflug nach Hause zu ermöglichen», so Easyjet. Alle betroffenen Passagiere würden per E-Mail oder SMS informiert.

Betroffene Länder

Neben der Schweiz sind Dänemark, Griechenland, Schweden, Norwegen, Österreich, die Türkei, der Libanon, Ägypten, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman, Jordanien, Tunesien, Senegal, Mauretanien, Niger, Mali, Tschad, Kanada und Brasilien von der Massnahme betroffen, wie das Aussenministerium in einer Pressemitteilung mitteilte.

Die marokkanischen Behörden hatten zuvor bereits die Flugverbindungen nach Frankreich, Algerien, Spanien, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Portugal und Italien eingestellt.

Überall sitzen Reisende fest

Mit dem Problem stehen die Schweizer in Marokko nicht alleine da. Auch an anderen Orten sind Reisende gestrandet. So meldete sich beispielsweise eine Leser-Reporterin, die auf dem Kreuzfahrtschiff Celebrity Eclipse in Chile festsitzt.

Auf dem Schiffe gäbe es offenbar keinen Krankheitsfall, dennoch sei der Hafen von San Antonio für alle Kreuzfahrtschiffe geschlossen. Man sei dabei, mit der Regierung eine Lösung zu erarbeiten, heisst es seitens Celebrity Cruises.

(kat/sda)

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