Aktualisiert 19.03.2020 18:58

CoronavirusSchweizer sitzen zu Hunderten im Ausland fest

In den letzten Tagen stellten immer mehr Länder den Flugverkehr von und in die Schweiz ein. Touristen kämpfen um ihre Heimreise.

von
juu/hüt

In Marokko wurden sämtliche Flüge aus dem und ins Ausland gestrichen. Am Flughafen von Marrakesch herrscht Chaos. (Video: Leser-Reporter)

Der Bund hat am Montag Schweizer, die sich derzeit im Ausland aufhalten, aufgefordert, in ihr Land zurückzukehren. Zuzuwarten habe zur Folge, dass man eingeschlossen werden könnte, sagt Hans-Peter Lenz vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) in einer Pressekonferenz. Hunderte Schweizer sitzen etwa in Marokko fest, das EDA stehe in engem Kontakt mit den Behörden, um ihre Rückkehr zu erleichtern.

Dazu seien diplomatische Schritte notwendig gewesen. Am Dienstag könnten fünf Flüge von Marrakesch in die Schweiz durchgeführt werden, diese Woche sollen weitere folgen. Unter den Gestrandeten ist auch Ardian Krasniqi aus Freiburg. Er und sein Kollege trafen am Montag schliesslich auf zwei Luzernerinnen, die das gleiche Problem hatten. Gemeinsam versuchten sie eine Lösung zu finden. «Wir stehen in engem Kontakt mit unseren Familien, sie helfen uns, nach Alternativen zu suchen», sagte er zu 20 Minuten.

Ausgangssperre in Gran Canaria

Immer mehr Länder stellten in den letzten Tagen den Flugverkehr ein oder annullierten Flüge in die Schweiz oder Europa. Davon betroffen ist etwa der 22-jährige Thierry. Wie er zu 20 Minuten sagt, sitzt er derzeit mit seiner Freundin und seinen Eltern in einem Hotel in Gran Canaria fest.

«Diesen Freitag wollten wir die Rückreise antreten. Am Montag haben wir allerdings erfahren, dass unser Flug annulliert wurde», so der 22-Jährige. Daraufhin habe die Familie das EDA, das Reisebüro, die Reiseversicherung und die Fluggesellschaft kontaktiert. «Doch keiner konnte uns wirklich helfen.»

Laut Thierry sollen sowohl der Flughafen als auch das Hotel am Samstag schliessen. Bereits jetzt herrsche auf ganz Gran Canaria eine Ausgangssperre. «Zurzeit dürfen wir uns auch nur im Zimmer aufhalten. Jetzt konnten wir uns selbstständig Plätze in einem Flieger vom Mittwoch sichern. Wir hoffen nun, dass alles klappt», sagt der 22-Jährige.

«Wir waren stundenlang in der Warteschleife»

Auch in Thailand werden Flüge in die Schweiz annulliert, wie etwa eine 30-jährige Schweizerin sagt. «Ich bin mit meinem Freund und zwei Kolleginnen für drei Wochen in Hua Hin in Thailand. Wir hätten eigentlich diesen Samstag ab Bangkok zurückfliegen müssen, aber auf einmal stand da, dass der Flug gecancelt ist.» Um das Problem zu lösen, habe sie stundenlang in der Warteschleife der Fluggesellschaft gehangen. «Die momentane Situation ist sehr stressig für uns. Glücklicherweise konnte uns die Mutter meines Freundes von der Schweiz aus einen Flug am darauffolgenden Tag buchen. Wir hoffen nun, dass dies definitiv ist.»

Kurzzeitig hätten die vier auch diskutiert, ob sie direkt alle Koffer packen und zum Flughafen fahren sollten. «Aber wie wäre es dann weitergegangen? Stehen wir in einer Menschentraube rum und begeben uns somit mehr in Gefahr als sonst? Wir hoffen nun alle, dass der Flug am Sonntag verbindlich ist. Sonst müssten wir verlängern, und da wir auch Verpflichtungen zu Hause haben, wäre das schrecklich», so die 30-Jährige.

«Wir setzen alle Hebel in Bewegung»

Doch wie verhält man sich am besten, wenn man in einem Urlaubsland eingeschlossen ist? Gegenüber 20 Minuten betont das EDA: «Betroffene sollen Kontakt aufnehmen mit der Fluggesellschaft, mit ihrem Reisebüro und/oder der Reiseversicherung, um eine andere Reisemöglichkeit zu finden.» Zudem hat das Departement Kenntnis von Fällen weltweit: «Als Folge der Covid-19-Krise stehen viele Schweizer Touristen auf der ganzen Welt – in einigen Ländern zu Hunderten – vor der Herausforderung, in die Schweiz zurückzukehren», sagt ein Sprecher.

Auch Reiseunternehmen unterstützen die Massnahme der sofortigen Rückkehr: «Wenn ein Kunde früher in die Schweiz zurückkehren will, bemühen wir uns natürlich, die gewünschte Umbuchung vorzunehmen. Für Fälle, bei denen die gebuchte Flugverbindung gar nicht mehr besteht, sind wir daran, Lösungen zu finden – wie zum Beispiel einen Rückflug via ein anderes Land», sagt Bianca Gähweiler, Kommunikationsleiterin der Hotelplan-Gruppe. Kunden sollen sich am besten per E-Mail an die Filiale wenden, bei der sie gebucht haben. Die Telefonleitungen seien derzeit überlastet.

Ähnlich klingt es auch bei den Anbietern TUI und Kuoni: «Unsere Kunden an einem Ferienziel dürfen darauf vertrauen, dass wir alle verfügbaren Hebel in Bewegung setzen, die für sie bestmögliche Lösung zu finden. Wir gehen proaktiv auf sie zu» , sagt etwa Kuoni-Sprecher Markus Flick.

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