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Maximaltempo 30 km/hSchweizer Skigebiete setzen auf Langsamkeit

In der Schweiz gibt es immer mehr Langsam-Skipisten. Die einen sehen darin eine Möglichkeit, Unfälle zu verhüten, andere freuen sich am entspannten Gleiten. Gleich vier «Slow Slopes» bietet Zermatt an.

Grindelwald machte mit den Langsam-Pisten vor sieben Jahren den Anfang.

Grindelwald machte mit den Langsam-Pisten vor sieben Jahren den Anfang.

Ski fahren muss nicht immer rasantes Tempo bedeuten. Immer stärker in Mode sind Pisten für Langsamfahrer – mit englischen Namen wie «Slow Slope» oder «Slow Ski». Beim Angebot handelt es sich aber keineswegs um herkömmliche kurze, flache Anfängerhügel. Meist sind es «blaue» Pisten. Die «Zone 30«-Piste von Grindelwald-First ist zwei Kilometer lang.

Grindelwald machte mit den Langsam-Pisten vor sieben Jahren den Anfang. 2010 riefen dann Seilbahnen Schweiz, die Suva und das Büro für Unfallverhütung (BfU) ein Pilotprojekt ins Leben. Heute gibt es acht Schweizer Skistationen, die mindestens eine Langsam-Piste anbieten, wie Andreas Keller, Sprecher von Seilbahnen Schweiz, sagt. Ein Dutzend weitere haben Interesse angemeldet.

Familen, Skischulen und ältere Fahrer

Vor allem Skischulen und Familien schätzen die langsamen Pisten, wie es aus verschiedenen Skistationen auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA heisst. Auch ältere Menschen nutzten sie gern, sagt der Grindelwaldner Pistenchef Andreas Heim. Sie können zwar gut Ski fahren, wollen aber ungestört im eigenen Rhythmus den Berg hinunterfahren.

Der Walliser Skiort Thyon gehört zu jenen, die das Pilotprojekt nutzten, um eine Langsampiste zu markieren. Das Bedürfnis habe man bei den Gästen gespürt, sagt Laurent Vaucher vom lokalen Seilbahn-Unternehmen.

Weniger Unfälle

Gleich vier Langsampisten bietet Zermatt an. Der Nobelskiort interessierte sich vor allem wegen der Unfallverhütung für das Projekt. Die Resultate liessen nicht auf sich warten: «Es gab tatsächlich weniger Zusammenstösse auf den Pisten», sagt Ryan Imboden von Zermatt Bergbahnen.

Der Sicherheitsaspekt ist denn auch bedeutend. Gemäss einer Untersuchung von Observatorium Sport und Bewegung Schweiz verletzen sich jährlich rund 66 000 Skifahrende und Snowboarder. 34 000 davon sind vom Arbeitgeber versichert. Dies bedeutet laut Schätzungen der Suva Kosten von 243 Millionen Franken. Seit langem kämpft die Suva denn auch für Temporeduktionen auf den Pisten.

Diesen Winter legt sie in ihrer Kampagne den Akzent auf einen Mentalitätswandel. Sie lädt die Skifahrenden zum Fondue-Essen mitten auf der Piste ein und macht damit deutlich, dass es vergnüglich ist, entspannt zu Tal zu fahren.

Trotz positiven Rückmeldungen und präventiver Wirkung: Die Skistationen planen keine Ausweitung ihres Langsam-Pisten-Angebots. Die meisten erachten eine derartige Piste als ausreichend. Es ist ein Mehrwert, kein Verkaufsargument.

«Ski der Seele»

Während in der Schweiz die Prävention im Vordergrund steht, ist dies auf der italienischen Seite der Alpen anders. Das Skigebiet Breuil-Cervinia, das mit Zermatt verbunden ist, bietet seit zwei Jahren - neben herkömmlichen Pisten - eine «neue Interpretation des Skisports» an, wie es auf der Website heisst: «Slow Ski - Ski der Seele, der entspannt und regeneriert».

Die Langsam-Piste unterhalb des Matterhorns verläuft in einem Abschnitt, der geprägt ist von skulpturartigen Felssäulen, die zu meditativen Pausen anregen. Das Erlebnis lasse sich mit dem Bergwandern vergleichen, nur bergab, sagt Walter Galli, Sprecher des Skigebiets. (sda)

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