Olympia 2022: Nicolas Huber in hautengem Morphsuit wird zum China-Star
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«OMG, du bist so süss!»Schweizer Snowboarder wird in hautengem Morphsuit zum China-Star

Der Schweizer Snowboarder Nicolas Huber konnte noch nicht für eine Olympiamedaille sorgen. Dafür gehen seine Videos in China viral. Er bekommt viel Fan-Liebe und hat nun zwei eigene Social-Media-Managerinnen im Olympia-Land.

von
Nils Hänggi
(aus Peking)

Auch mit solchen Videos wird Nicolas Huber in China bekannt.

Instagram

Darum gehts

Social-Media-Star in China werden? Das schafft nicht jeder. Der Schweizer Olympia-Snowboarder Nicolas Huber schon. Der 27-Jährige, der im Snowboard Slopestyle auf bittere Art und Weise nach zwei Stürzen beim letzten Sprung in der Quali scheiterte, geht derzeit mit seinen Videos in China viral. Und wie! Seine kurzen Clips haben schon Millionen Menschen gesehen. Der Schweizer ist der neue Social-Media-Hype im Reich der Mitte. 

Gegenüber 20 Minuten erzählt Huber: «Ich habe nie damit gerechnet, ich muss auch überall, wo ich hingehe, Unterschriften machen und Fotos mit den Chinesinnen und Chinesen machen. Es ist unglaublich. Wirklich.» So richtig fassen könne er es eigentlich nicht. Angefangen hat das Ganze, als Huber nach seiner Ankunft in China positiv auf Corona getestet und in ein Isolationshotel gebracht wurde.

Im Hotelzimmer postete Huber Videos in einem roten, hautengen Morphsuit, zeigte, wie er von den Menschen mit Ganzkörper-Schutzanzügen eskortiert wurde. Chinesinnen und Chinesen wurden auf die Clips aufmerksam und posteten sie auf Weibo, dem grössten chinesischen Kurznachrichtendienst. «Wenn etwas in China viral geht, sehen es halt gleich so viele Menschen», so Huber und lacht. 

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Seine Videos gehen in China viral.

Seine Videos gehen in China viral.

Twitter
Huber erzählt: «Oft sind es nicht so lange Messages. In den meisten stehen Sachen wie: ‹OMG, du bist so süss, du bist ein Superstar!›»

Huber erzählt: «Oft sind es nicht so lange Messages. In den meisten stehen Sachen wie: ‹OMG, du bist so süss, du bist ein Superstar!›»

Twitter
Der 27-Jährige, der im Snowboard Slopestyle auf bittere Art und Weise nach zwei Stürzen beim letzten Sprung in der Quali scheiterte, kann das Ganze noch nicht ganz fassen. 

Der 27-Jährige, der im Snowboard Slopestyle auf bittere Art und Weise nach zwei Stürzen beim letzten Sprung in der Quali scheiterte, kann das Ganze noch nicht ganz fassen. 

Getty Images

«Oft sind es nicht so lange Messages»

«Ich bekomme unglaublich viele Fan-Nachrichten, ich kann gar nicht mehr alle beantworten. Anfangs probierte ich es noch, doch es wurde mega schnell zu viel», so der Schweizer Snowboarder, der noch im Snowboard Big Air antritt (Quali am Montag). «Ich müsste pro Tag zwei bis drei Stunden am Handy sein, um alle Nachrichten zu beantworten. Und ich probiere ja, weniger am Natel zu sein.» 

Was bekommt er denn für Nachrichten? Huber erzählt: «Oft sind es nicht so lange Messages. In den meisten stehen Sachen wie: ‹OMG, du bist so süss, du bist ein Superstar!› Oder: ‹Ich habe deine Videos gesehen, du bist so cool!›» Und auch, wenn man sich bei den Freiwilligen in den Olympiaorten umhört, stellt man fest: Huber, er ist wirklich ein Social-Media-Star in China.

Sobald sie feststellen, dass jemand aus der Schweiz kommt, ist die Begeisterung gross. «Kennst du Nicolas? Ich finde seine Videos so witzig», fragt eine. Eine andere meint: «Er ist so nice, er muss eine so nette Person sein!» Und: Huber hat bereits mehreren chinesischen Medien Interviews gegeben. Auch will nun ein chinesischer TV-Sender eine Dokumentation über den Schweizer drehen. 

Präsenz auch nach Olympia in China ausbauen

Der 27-Jährige will den China-Hype nun für sich nutzen. Auf Weibo hat er bereits einen Account auf chinesischer Sprache erstellt. Hat er so schnell die fremde Sprache gelernt? Huber lacht, schüttelt den Kopf. «Nein, nein», sagt er. Er habe im olympischen Dorf zwei junge Frauen kennengelernt, die als Freiwillige im Dorf arbeiten. «Sie sind für meinen Weibo-Account zuständig. Ich habe ihnen gesagt, was ich sagen will, und sie übersetzen es mir und erstellen die Posts.» Er ergänzt: «Ich habe jetzt zwei chinesische Social-Media-Managerinnen!»

Das ist aber noch nicht alles. Zusammen mit seinem Manager überlegt sich Huber, gemeinsam mit einer Agentur seine Präsenz auch nach Olympia in China weiter aufzubauen. Mittlerweile ist das aber Zukunftsmusik. Erstmals steht am Montag (Schweizer Zeit) – wie erwähnt – die Quali im Snowboard Big Air an. Huber: «Mein grösstes Ziel ist es, in den Final zu kommen. An mehr will ich gerade nicht denken.» Am Montagmorgen (Schweizer Zeit) ist klar: Seine chinesischen Fans müssen tapfer sein, Huber verpasste den Finaleinzug. 

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