Aktualisiert 21.11.2013 06:10

Fleischpause

Schweizer Soldaten sollen Vegi-Tag einlegen

Gemüseburger statt Steak: Nach der norwegischen Armee soll auch das Schweizer Militär einen Vegi-Tag einführen. Dies fordern Politiker aus dem links-grünen Lager.

von
J. Büchi

Am Montag ist in der norwegischen Armee Vegi-Tag: Wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtete, werden den Soldaten zum Wochenstart künftig keine Fleischgerichte mehr angeboten. Dadurch sollen jedes Jahr 150 Tonnen Fleisch gespart werden. Zudem soll die Fleischpause positive Auswirkungen auf die Umwelt haben.

Für Chantal Galladé, SP-Nationalrätin und Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats, ist klar: Jetzt muss auch die Schweizer Armee nachziehen: «Ich habe diesen Vorschlag vor längerer Zeit einmal in VBS-Kreisen deponiert.» Dort sei die Idee nicht prinzipiell auf Ablehnung gestossen – sie sei danach aber wieder etwas in Vergessenheit geraten. «Jetzt, wo die norwegische Armee mit gutem Beispiel vorangeht, wäre der richtige Zeitpunkt für die Schweiz, sich gleich anzuschliessen.»

Das fordert auch der grüne Nationalrat Bastien Girod: «Wenn es in unserem Militär noch keinen Tag gibt, an dem man vegetarisch isst, muss das dringend eingeführt werden!» Jeden Tag Fleisch zu essen, sei nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch ungesund und «schlicht nicht mehr zeitgemäss»: Heute würden sich selbst Sportler vegetarisch oder gar vegan ernähren. «Es kann nicht sein, dass man diesen Lebensstil in der Schweizer Armee komplett ausblendet.»

«Am nächsten Tag ein Bio-Poulet»

Die Jungen Grünen schliessen sich der Forderung an. Er habe im Militär jeweils zweimal pro Tag Fleisch vorgesetzt bekommen, sagt Co-Präsident Andreas Lustenberger. «Ich glaube nicht, dass es bei den Soldaten auf Ablehnung stossen würde, wenn man ab und zu vegetarisch kochen würde.» Von den Vorteilen eines Vegi-Tags ist er überzeugt. Nicht nur, dass damit der CO2-Ausstoss reduziert werden könnte. Auch aufs Budget würden sich fleischlose Menüs auswirken, so Lustenberger: «Wenn am Vegi-Tag etwas Geld gespart werden kann, reicht es am nächsten Tag dann vielleicht auch für ein Bio-Poulet.»

Dass sich ein Vegi-Tag positiv auf die Sparanstrengungen von Verteidigungsminister Ueli Maurer auswirken würde, glaubt auch der Grüne Balthasar Glättli – «auch wenn sicher nicht so viel gespart werden könnte, wie der Gripen an unnötigen Mitteln verschlingt.» Glättli plädiert jedoch nicht für einen fixen Vegi-Tag im Sinne einer Vorschrift. Vielmehr müssten die Armeeköche dazu angeregt werden, regelmässig fleischlos zu kochen: «Das können nicht nur Menüs aus der asiatischen Küche sein, es gibt ja typische Schweizer Gerichte, wie etwa Älplermagronen.»

Für den grünliberalen Nationalrat Thomas Maier ist die Qualität des Essens entscheidend: «Ich habe im Militär selber so viel schlechtes Fleisch gegessen. Wenn man stattdessen ab und zu ein hochwertiges Vegi-Menü auftischen würde, wäre allen gedient.» Er finde es gut, wenn man den Leuten ins Bewusstsein rufe, «dass man nicht jeden Tag Fleisch essen muss». Das Verordnen eines Vegi-Tags gehe ihm aber zu weit.

«Ich bin ein Fleischtiger»

Gegen Vorschriften ist – ganz liberal – auch FDP-Nationalrat Andrea Caroni. Eine vegetarische Alternative zu den Menüs wäre für ihn zwar begrüssenswert. Aber: «Ich bin ein Fleischtiger und würde auch im Militär nicht auf Fleisch verzichten wollen.»

Eine komplette Abfuhr erteilt SVP-Nationalrat Walter Wobmann dem Konzept: «Was die norwegische Armee am Montag zum Zmittag isst, ist mir ziemlich wurscht», freut er sich über sein Wortspiel – und doppelt gleich noch nach: «Bei mir gibt es heute jedenfalls Wurst.»

Viel mehr als ein müdes Lächeln hat man auch beim Schweizerischen Offiziersverband nicht übrig für die Idee. Dies sei sicher kein Thema, das in der Armee derzeit Priorität habe, sagt Generalsekretär Daniel Slongo. Die Verpflegung sei Sache der einzelnen Kompanien.

Untauglich, weil Vegi

Beim Verteidigungsdepartement heisst es auf Anfrage, ein fester Wochentag mit rein vegetarischer Verpflegung sei in der Schweizer Armee nicht denkbar. Heute beinhalte eine Hauptmahlzeit immer eine Fleischkomponente – wobei darauf geachtet werde, dass sich auch Vegetarier so verpflegen können, dass ihnen keine «gesundheitlichen Engpässe im Bereich der Nährstoffzufuhr» entstehen. Auch Sparpotenzial sehe er keines, sagt Armeesprecher Christoph Brunner. Der Verpflegungskredit pro Tag und Kopf liege nämlich fix bei 8.50 Franken.

Wer Vegetarier oder Veganer ist, kann in der Schweizer Armee unter Umständen sogar für untauglich befunden werden. Ein entsprechendes Kriterium befindet sich im «Nosologia Militaris», dem als intern klassifizierten Reglement für die Beurteilung der Diensttauglichkeit. Wie oft die Essgewohnheiten eines Mannes jedoch zum Ausschluss aus der Armee führen, kann Brunner aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht beantworten.

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