Frankenhausse: Schweizer sollen daheim Ferien machen
Aktualisiert

FrankenhausseSchweizer sollen daheim Ferien machen

Der starke Franken schadet dem Tourismus: Ausländische Gäste bleiben aus und Schweizer ziehts in die Ferne. Letztere sollen nun zum Bleiben bewegt werden.

von
Balz Bruppacher
Schweizerinnen und Schweizer sollen dazu bewegt werden, ihre Ferien hierzulande zu geniessen. Im Bild: Das Panorama vom Stockhorn.

Schweizerinnen und Schweizer sollen dazu bewegt werden, ihre Ferien hierzulande zu geniessen. Im Bild: Das Panorama vom Stockhorn.

Im Tourismus gilt die Faustregel, dass die Zahl der Übernachtungen um 0,5 Prozent sinkt, wenn der Kurs des Frankens um ein Prozent steigt. Auf Grund der Kurse von Anfang letzter Woche muss der Ferien- und Freizeittourismus deshalb mit einem Rückgang von drei bis fünf Prozent rechnen, wie Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus, den Geschäftspartnern und Mitgliedern der Vermarktungsorganisation schrieb. Optimistischer ist er beim Geschäftstourismus, der sich wegen der guten Konjunktur positiv entwickeln sollte. Nur ein leichter Rückgang sei beim Binnenmarkttourismus zu erwarten.

Beim Binnenmarkt, also bei den Gästen aus dem eigenen Land, setzt eine der Massnahmen an, die Schmid vorschlägt, um den Einbruch bei den ausländischen Touristen abzufedern. Der Heimmarkt, dem normalerweise eine stabilisierende Rolle zukomme, dürfe auch deshalb nicht vernachlässigt werden, weil die Verlockungen für Auslandreisen bei den aktuellen Wechselkursen besonders gross seien, heisst es im Brief, der 20 Minuten Online vorliegt. Die umfassende Bearbeitung des Marktes Schweiz inklusive Ausschöpfung des Stammkundenpotenzials sei deshalb besonders angezeigt. Schweiz Tourismus erwägt nun eine Marketingoffensive in Koordination mit der Branche.

Ausserhalb des Euro-Raums werben

Schmid empfiehlt den Tourismusunternehmen je nach ihrem individuellen Gästemix eine Reihe von weiteren Massnahmen. Dazu gehören Kostensenkungen und eine Diversifikation der Risiken in Märkte, die weniger oder nicht von der Frankenaufwertung betroffen sind, wie zum Beispiel China, Indien, die Golfstaaten, Russland und Australien. Weiter gelte es, die Markt- und Vermarktungspräsenz zu steigern und attraktive Angebote für die Vor- und Nachsaison zu lancieren.

Auch eine faktische Preissenkung in Form von fixen Europreisen wird als mögliche Massnahme erwähnt. Solche Angebote, wie sie bereits da und dort zum Eurokurs von 1,50 Franken gemacht werden, werden von Schweiz Tourismus als kreative Marketingmassnahme zur Förderung der Auslastung in der Nebensaison betrachtet. Die Konkurrenzfähigkeit definiere sich allerdings nicht allein über den Preis, heisst es in dem Schreiben. Eine überdurchschnittliche Leistung, Innovationen und ein Top-Service seien vielmehr ebenso gefragt.

Schweiz Tourismus selber will alles unternehmen, um im Marketing den Erlebniswert und nicht den Preis in den Vordergrund zu stellen. Dabei hofft man auch auf zusätzliche Mittel vom Bund. Ohne diesen Wunsch direkt anzusprechen, erinnert Schmid in dem Brief an die besonders schwierige Lage des Tourismus. Erstens profitiere die Branche kaum von günstigeren Importpreisen. Zweitens sei man wegen der attraktiven Angebote für Auslandreisen auch im Heimmarkt betroffen. Und drittens könne der Tourismus seinen Produktionsstandort nicht wie andere Exportstandorte ins günstigere Ausland verlagern.

Deine Meinung