Gastfeindschaft: Schweizer sollen freundlicher werden
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GastfeindschaftSchweizer sollen freundlicher werden

Schweizer sind unfreundlich zu Touristen: Laut einer Online-Umfrage steht die Schweiz in puncto Gastfreundschaft auf dem letzten Platz. Freundlichkeitskurse sollen dies ändern.

von
blu

Dass die Schweizer ein eher unfreundliches Volk sind, mag für viele nichts Neues sein. Dies bestätigt auch eine Online-Umfrage des Hotelbewertungsportals Zoover: Von 23 europäischen Ländern ist die Schweiz in puncto Gastfreundschaft auf dem letzten Platz. Die schlechte Platzierung macht Handlungsbedarf deutlich.

Das Problem wollen Zentralschweizer Touristiker nun in Angriff nehmen. Geplant ist ein Programm, das die Gastfreundschaft der Schweiz verbessern soll. Eine der Massnahmen sind die Luzerner «Friendly Hosts»: 25 Damen und Herren, meist (Früh-)Pensionierte und Mütter, arbeiten ehrenamtlich als Stadtführer in Luzern. Sie helfen Touristen aus aller Welt, sich in der Stadt zurechtzufinden. Sie verteilen Stadtpläne und geben Insidertipps. Dies sollen sie im Rahmen des Programms nun in der ganzen Zentralschweiz tun.

Was ist Gastfreundschaft?

Das am Programm beteiligte Institut für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern macht dies an wissenschaftlichen Aspekten fest - und zwar mit typisch schweizerischer Genauigkeit. Dabei gilt es erst einmal herauszufinden, was denn Gastfreundschaft genau bedeutet. «Es geht darum, die einzelnen Ebenen und Dimensionen der Gastfreundschaft zu identifizieren», heisst es im Programm-Prospekt.

Ein weiterer Schritt ist die Sensibilisierung der Bevölkerung. In Workshops sollen sich die Teilnehmer einen Nachmittag lang mit dem Thema intensiv befassen und sich am Ende dazu verpflichten, einen persönlichen Beitrag an die Gastfreundschaft zu leisten. Zum Schluss müssen sie ihr Unternehmen beispielsweise in Selbst-Checks zur Gastfreundschaft testen.

Was die Zentralschweizer erst versuchen, machen andere schon lange: Engadin St.Moritz Tourismus führt seit zwei Jahren kostenfreie Herzlichkeits-Workshops an - im Sinne des Allegra-Prinzips, was so viel heissen soll: A: Augenkontakt halten, L: Immer freundlich lächeln, L: Lass mich dir helfen, E: Erwartungen übertreffen, G: Gerne ja, R: Rückfragen und A: Auf Wiedersehen und bis zum nächsten Mal. «Von Spitalbelegschaften, über Hotelangestellte, bis zu Bus-Chauffeuren und Restaurantmitarbeitern, in 53 Workshops haben wir 1800 Personen geschult», wie Eva Reinecke von der Tourismusorganisation auf Anfrage mitteilt.

Oscar der Gastfreundschaft

Ein fast schon alter Hund im Bereich der Gastfreundschafts-Schulung ist Jürg Balsiger, Direktor der Stanserhorn-Bahn: «Seit gut zehn Jahren werden unsere Mitarbeiter konzeptionell auf Gastfreundschaft getrimmt - mit grossem Erfolg.» Pro Saison erhielten sie rund 200 positiv Rückmeldungen. Das wichtigste sei die Einstellung: «Wir achten bereits bei der Auswahl von neuen Angestellten darauf, strahlende, positiv-denkende und konstruktive Persönlichkeiten einzustellen.» Später werde dann in saisonalen Schulungen die positive Sprache, Ausstrahlung und Körperhaltung geschult.

Schweiz Tourismus ist ebenfalls bestrebt, noch freundlicher mit den Gästen umzugehen und zeichnete dieses Jahr erstmals die 100 gastfreundlichsten Hotels der Schweiz mit dem Prix Bienvenu aus. Der Gastfreundlichkeits-Oscar wird den Hotels verliehen, die auf Bewertungsplattformen die besten Beurteilungen in Bezug auf Aufmerksamkeit, Herzlichkeit, Empathie und Hilfsbereitschaft des Personals erhielten. Wie kommt es also, dass die Schweiz trotz all dieser Massnahmen so schlecht abschneidet?

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