Preissturz: Schweizer sollen mehr Schweinefleisch essen
Aktualisiert

PreissturzSchweizer sollen mehr Schweinefleisch essen

Schweizer Schweineproduzenten ächzen unter akutem Preisdruck. Nun soll der Konsum angeheizt und das schlechte Image von Schweinefleisch behoben werden.

von
V. Blank
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Die Preise für Schlachtschweine sind wegen eines Überangebots ins Rutschen geraten.

Die Preise für Schlachtschweine sind wegen eines Überangebots ins Rutschen geraten.

Keystone/Sigi Tischler
Insgesamt assen die Schweizer im Jahr 2014  52,4 Kilo Fleisch pro Person.

Insgesamt assen die Schweizer im Jahr 2014 52,4 Kilo Fleisch pro Person.

Thomas Lohnes/ddp
Der Konsum von Schweinefleisch stagniert seit Jahren. Der Pro-Kopf-Konsum betrug im Jahr 2014 23,66 Kilo.

Der Konsum von Schweinefleisch stagniert seit Jahren. Der Pro-Kopf-Konsum betrug im Jahr 2014 23,66 Kilo.

Harald Tittel

Die Schweizer Schweineproduzenten haben an mehreren Fronten gleichzeitig zu kämpfen. So leiden sie unter dem akuten Preissturz bei Schlachtschweinen. Haben die Landwirte vergangenen Sommer 400 Franken pro Tier erhalten, sind es derzeit noch 270 Franken. «Das heisst, dass die Produzenten über 100 Franken Verlust pro Tier machen und quasi Eintritt zahlen müssen, wenn sie den Stall betreten», sagt Adrian Schütz von der Geschäftsstelle des Schweinezucht- und

Schweineproduzentenverbands Suisseporcs.

Zudem macht den Schweinebauern das schlechte Image ihres Produkts zu schaffen. Schweinefleisch haftet der Makel an, im Vergleich zu Poulet oder Rind ungesund zu sein. Es gilt beispielsweise als fettiger als andere Fleischsorten und wird darum oft als Dickmacher gehandelt.

Schweizer kaufen Koteletts im Ausland

Auf die Preise drückt, dass derzeit ein leichtes Überangebot an Schlachtschweinen herrscht. «Da der Markt sehr sensibel reagiert, reichen nur ein paar Schweine zu viel, und die Käufer üben schon Preisdruck auf die gesamte Schweineproduktion aus», sagt Schütz. Das höhere Angebot kann nicht durch höheren Konsum kompensiert werden. Schweinefleisch ist zwar das beliebteste Fleisch der Schweizer, doch die Tendenz beim Pro-Kopf-Konsum zeigt gemäss dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst leicht nach unten. Im Jahr 2014 wurden in der Schweiz 23,66 Kilo Schweinefleisch pro Person gegessen. Im Jahr 2000 waren es noch 25,43 Kilo gewesen.

Einen weiteren Strich durch die Rechnung macht den Schweinebauern der Einkaufstourismus. Weil die Preise für Kotelett, Schinken oder Schweinefilet im grenznahen Ausland deutlich tiefer sind, zieht es nach wie vor viele Schweizer Konsumenten nach Deutschland oder Österreich zum Fleischeinkauf. «Das schadet den Anstrengungen der Schweizer Produzenten, die das Tierwohl über alles stellen», so Schütz. Die Produktionsweise im Ausland unterscheide sich gegenüber der Tierhaltung in der Schweiz deutlich.

Kampagne soll zum Konsum animieren

Produzenten und Fleischverbände wollen der Abwärtstendenz nicht tatenlos zusehen. Ansetzen wollen sie vor allem beim Konsumenten. «In unseren Nachbarländern ist der Pro-Kopf-Konsum beim Schweinefleisch viel höher, darum gibt es noch viel Potenzial», sagt Schütz. Der Verband Suisseporcs unterstützt seit Kurzem gemeinsam mit der Fleisch-Branchenorga­ni­sa­tion Proviande eine Image-Kampagne, die die Qualität des Schweizer Schweinefleischs aufzeigen soll. So werden etwa in Filialen des bäuerlichen Detailhändlers Landi Werbeaktionen durchgeführt, die den Konsumenten die Vorteile von Schweinefleisch direkt am Verkaufspunkt nahebringen sollen.

Entgegen der verbreiteten Meinung sei Schweizer Schweinefleisch beispielsweise ausgesprochen fettarm und extrem eiweissreich, so Schütz. «Es würde den Produzenten enorm helfen, wenn die Schweizer wieder mehr einheimisches Schweinefleisch essen würden.» Für die Konsumenten hat der Preiszerfall positive Auswirkungen: Schweinefleisch wird günstiger. Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt die Migros, die Preise gesenkt zu haben. Auch Coop gibt die tieferen Einkaufspreise weiter und senkt etwa die Preise bei Hinterschinken, Schweinsbraten oder Cordon bleu.

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