Wo sind unsere Hits?: Schweizer Songs schaffen es nicht in die Top Ten
Aktualisiert

Wo sind unsere Hits?Schweizer Songs schaffen es nicht in die Top Ten

Es wird kein guter Jahrgang für den Schweizer Pop: In diesem Jahr hat es erst ein einziger Song von heimischen Künstlern in die Top Ten der Hitparade geschafft.

von
Martin Fischer
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Das war ein Schweizer Hit! 2015 waren Lo & Leduc mit ihrem von Dodo produzierten Song «Jung verdammt» über mehrere Wochen in den Top Ten der Single-Charts vertreten.

Das war ein Schweizer Hit! 2015 waren Lo & Leduc mit ihrem von Dodo produzierten Song «Jung verdammt» über mehrere Wochen in den Top Ten der Single-Charts vertreten.

Maximilian Lederer
2016 hat sich noch kein Song aus hiesigem Schaffen so richtig durchgesetzt. Einzig Remady und Manu-L schafften es mit dem Phil-Collins-Cover «Another Day In Paradise» unter die besten Zehn. Für eine Woche waren sie auf Platz vier.

2016 hat sich noch kein Song aus hiesigem Schaffen so richtig durchgesetzt. Einzig Remady und Manu-L schafften es mit dem Phil-Collins-Cover «Another Day In Paradise» unter die besten Zehn. Für eine Woche waren sie auf Platz vier.

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Ein kleiner Exkurs durch die vergangenen fünfzehn Jahre Schweizer Pop. Es folgt eine Liste mit allen Schweizer Nummer-eins-Songs seit dem Jahr 2000. Der bisher letzte einheimische Chart-Topper war im Dezember das Migros-Star-Ensemble mit dem Weihnachtssong «Ensemble».

Ein kleiner Exkurs durch die vergangenen fünfzehn Jahre Schweizer Pop. Es folgt eine Liste mit allen Schweizer Nummer-eins-Songs seit dem Jahr 2000. Der bisher letzte einheimische Chart-Topper war im Dezember das Migros-Star-Ensemble mit dem Weihnachtssong «Ensemble».

Screenshot Youtube

Singles von Schweizer Künstlern haben es in den Charts immer schwieriger als Alben: In Sachen Hits halten sich hiesige Musikhörer klar an internationale Werte. Dennoch schaffen es regelmässig einzelne Schweizer Songs in die obersten Hitparaden-Höhen.

So hallt vom letzten Jahr noch Lo & Leducs Überhit «Jung verdammt» nach, der sich Anfang 2015 mehrere Monate in den Top Ten festkrallte – und sich im nationalen Musikbewusstsein verankerte. Auch DJ Antoine bekam mit «Holiday» viel Radiospielzeit und stiess bis auf Platz acht der Charts vor.

Erst ein Schweizer Song in den Top Ten

Und auch wenns knapp nicht für die Top Ten gereicht hat: Dodos «Hippie Bus» sammelte auf Youtube über eine Million Plays. «Waiting» von Nickless wurde ebenso zum omnipräsenten Hit und bei den Swiss Music Awards zum besten Schweizer Song des vergangenen Jahres gekürt.

Und 2016? Noch hat kein Song richtig eingeschlagen. Einzige Schweizer Top-Ten-Nummer: Remady und Manu-L waren im Januar mit «Another Day in Paradise» eine Woche auf Platz vier, bevor sie auf die 17 und nochmals eine Woche später sogar auf Platz 43 abstürzten. Trauffer dominierte eine Weile die Albumcharts, seine Singles aber blieben immer in der unteren Hälfte der Top 100.

Schweizer Musik ist auf Spotify zu wenig präsent

Der Solothurner Rapper Manillio hat im April mit «Monbijou» sein Majordebüt lanciert. Der Song ist äusserst tanz- und mitsingtauglich und wurde auf Youtube seit März hitverdächtige 300'000 mal angehört. In den Charts ging es trotzdem nicht höher als auf die 37.

Hitproduzent Roman Camenzind hat dafür eine pragmatische Erklärung: «Mittlerweile spielt Spotify die entscheidende Rolle bei den Hitparaden. Leider findet Schweizer Musik jedoch bei Spotify nicht statt, da auf Spotify im Gegensatz zu iTunes keine Schweizer Inhalte promotet werden.» Seit Juli 2014 werden Streams in den Schweizer Single-Charts berücksichtigt.

Eigene Flächen und Banner auf Streaming-Portalen nötig

Das heisst: Schweizer Releases müssten auch auf den grossen Streaming-Portalen präsenter sein, in entsprechenden Playlists oder ganz einfach – mittels Werbung. «Bei iTunes war derselbe Effekt zu beobachten während der ersten zwei Jahre, bevor Schweizer Musik eigene Flächen und Banner bekommen hat», sagt Camenzind.

Die Charts sind ja auch nichts anderes als eine Rangliste der kommerziell erfolgreichsten Lieder. Und da sind Schweizer Songs des Jahrgangs 2016 (noch) schlecht vertreten. Das bedauert auch Hitparaden-Moderator Michel Birri von SRF: «Ich bin ein grosser Fan von Schweizer Musik und fände es schön, mehr davon in der Hitparade spielen zu können. Aktuell finde ich zum Beispiel ‹Angelina› von Dabu Fantastic echt hitverdächtig.»

Alle Schweizer Nummer-eins-Hits der letzten 15 Jahre sehen Sie in der Bildstrecke.

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