Trotz Facebook und Co: Schweizer sorgen sich um Daten im Internet
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Trotz Facebook und CoSchweizer sorgen sich um Daten im Internet

Der Datenschutz ist den Schweizern wichtig: Drei Viertel sorgen sich um ihre Daten im Internet. Interessanterweise sorgen sich die 15- bis 34-Jährigen am meisten – was ungefähr jene Altersgruppe sein dürfte, die sich auf Facebook und Co. tummelt.

26 Prozent der Befragten erachten es als sehr wichtig, 52 Prozent als wichtig, was mit ihren Daten im Internet geschieht. Am bedeutendsten ist der Internet-Schutz den 15- bis 34-Jährigen.

Dies geht aus der ersten repräsentativen Umfrage zum «Datenschutz in der Schweiz» hervor, die von Privatim, der Vereinigung der schweizerischen Datenschutzbeauftragten, zum 3. Europäischen Datenschutztag vom 28. Januar in Auftrag gegeben wurde. Insgesamt wurden im Januar von DemoScope telefonisch 1006 Personen in allen Schweizer Regionen befragt.

Klar weniger Vertrauen in Privatunternehmen

22 Prozent finden es sehr wichtig und 69 Prozent wichtig, dass Unternehmen und Verwaltungen persönliche Daten schützen. Den Deutschschweizern (92 Prozent) ist der Datenschutz wichtiger als den Romands (85 Prozent).

Mehr als vier von fünf Befragte vertrauen öffentlichen Stellen (Polizei 87 Prozent, Spitäler 82 Prozent, Einwohnerämter 81 Prozent), dass sie persönliche Daten richtig verwenden. Dagegen kommen Privatunternehmen deutlich schlechter weg.

Mehr als die Hälfte (54 Prozent) misstraut bezüglich Datenschutz den Telecom-Firmen; auch hier gab es einen Unterschied zwischen Deutschschweiz (60 Prozent) und Romandie (50 Prozent). 44 Prozent misstrauen den Kreditkartenfirmen, 22 Prozent den Krankenkassen.

15 Prozent nennen konkreten Missbrauch

Generell erachtet knapp ein Fünftel (18 Prozent) den Datenschutz als ungenügend, 15 Prozent geben an, von Datenmissbrauch betroffen gewesen zu sein, was die Datenschützer als «beunruhigend» erachten. Laut Privatim-Präsident Bruno Baeriswyl, Datenschutzbeauftragter des Kantons Zürich, beschweren sich Betroffene vor allem über die Weitergabe ihrer Daten.

Die Umfrage widerlege, dass sich die Bevölkerung nicht um ihre persönlichen Daten sorge und Eingriffe in die Privatsphäre weiter zulasse, so das Fazit von Baeriswyl. Der zum Ausdruck gekommene Wunsch nach Datenschutz sei für ihn überraschend, ebenso das grundsätzliche Vertrauen speziell in die öffentlchen Institutionen.

Gleichzeitig bestehe aber eine deutliche Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach gutem Schutz und einer Sorglosigkeit insbesondere beim Umgang mit privaten Daten im Internet, so Baeriswyl. Als Beispiel nannte er Social-Networks wie Facebook oder MySpace.

Datenschützer zu wenig bekannt

Weil Datenschutz der Bevölkerung aber wichtig sei, werde mehr Transparenz und Wissen zu den Informations- und Kommunikationstechnologien künftig zur Forderung nach verbessertem Datenschutz führen, gibt sich Baeriswyl überzeugt. Für diese Aufgabe sehen die Datenschützer Handlungsbedarf bei sich selber.

So ergab die Studie, dass sich bei einem konkreten Missbrauch nur ein Viertel an die kantonalen Datenschutzbeauftragten wenden würde, die meisten nannten «Polizei» (40 Prozent) oder «Missbrauchs-Verursacher» (35 Prozent). Die öffentlichen Datenschützer müssen ihre Ombudsamm-Funktion besser bekannt machen, forderte der Privatim-Präsident.

(sda)

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