Aktualisiert 08.08.2010 21:30

Rekord

Schweizer sparen so viel Geld wie noch nie

Die Schweizer füttern ihre Sparschweine dieses Jahr mit mehr Geld als je zuvor. Reicher werden dabei aber nur die Reichen. Die Armen bleiben auf ihren Schulden sitzen.

von
hal

Die Sparwut packt die Schweiz: Laut der Konjunkturforschungsstelle der ETH (Kof) legen die Eidgenossen in diesem Jahr 12,2 Prozent ihres verfügbaren Einkommens auf die Seite. Zwischen 1990 und 2008 sparten die Schweizer nur 6,5 bis 10 Prozent ihres Lohnes – nach Abzug der Steuern, AHV-Beiträge oder Krankenkassenprämien. Grund für den Rekord: Die Leute wollen sich mit einem gefüllten Sparbüchlein für die nächste Krise absichern, sagt Kof-Chef Jan-Egbert Sturm zur «SonntagsZeitung». «Geldrücklagen werden als Beruhigungspille betrachtet, entsprechend steigt das Sparen aus dem Vorsichtsmotiv.» Nötig hätten die Schweizer das «Angstsparen» jedoch nicht: Die Schweiz hat die Krise verhältnismässig gut gemeistert, hat wenige Arbeitslose und es winken Lohnerhöhungen.

Sowieso kein Thema ist Sparen für die Ärmsten: «Bei unseren Klienten merken wir nichts von der Sparwut», sagt Mario Roncoroni von der Berner Schuldenberatung. Im Gegenteil: In der Krise stieg die Zahl der verschuldeten Personen stark an. «Wenn das obere Segment spart, zahlt das untere höchstens Schulden für Miete oder Krankenkasse ab – sofern es nun überhaupt wieder etwas Luft im Budget hat», so Roncoroni. Die Folge: Die Vermögensschere klafft weiter auseinander.

Fehler gefunden?Jetzt melden.