Wegen Ian Thorpe: Schweizer Spitäler bangen um ihren Ruf
Aktualisiert

Wegen Ian ThorpeSchweizer Spitäler bangen um ihren Ruf

Die Behandlung reicher Ausländer bedeutet für Schweizer Spitäler ein Milliardengeschäft. Der angebliche Bakterienbefall des Schwimmers Ian Thorpe schadet ihrem Image.

von
Laura Frommberg
Ian Thorpe im Jahr 2011: An Schwimmwettkämpfen wird er nie wieder teilnehmen.

Ian Thorpe im Jahr 2011: An Schwimmwettkämpfen wird er nie wieder teilnehmen.

Für Ian Thorpe bedeutet es wohl das Ende seiner imposanten Karriere: Der Schwimmstar und fünffache Olympiasieger liegt mit einer gefährlichen Infektion in einem Spital in Sydney. Wie so viele Prominente hatte er sich zuvor in der Schweiz behandeln lassen. Berichten zufolge hat er sich dort Bakterien eingefangen und ist daran erkrankt. Offenbar aber hat sich Thorpe die Infektion bei einem Eingriff in Australien zugezogen, sagte sein Manager in einem Interview.

Trotzdem macht die Thorpe-Meldung Schweizer Kliniken zu schaffen: Die Spitäler, die sich auf gut zahlende und anspruchsvolle Patienten aus dem Ausland spezialisiert haben, müssen nun den Imageschaden begrenzen. «Die Gefahr einer Rufschädigung besteht», sagt etwa Gesundheitsökonom Heinz Locher zu 20 Minuten. «Nun muss die Branche proaktiv auf den Fall reagieren.» Denn die helvetische Medizin geniesst einen hervorragenden Ruf. Jedes Jahr lassen sich deswegen rund 40'000 Ausländer hierzulande behandeln. Ex-Beatle George Harrison bekämpfte hier seinen Krebs, Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi liess sich nach einer Attacke gegen ihn im Tessin die Narben aus dem Gesicht entfernen.

Ein eigener Markt

Der Medizintourismus ist in der Schweiz inzwischen ein richtiger und zukunftsträchtiger Markt. Laut dem Bundesamt für Statistik belaufen sich die Ausgaben von Medizintouristen in der Schweiz auf rund eine Milliarde Franken. Das eröffnet auch neuen Unternehmen Chancen. So hat sich etwa die Firma Swixmed in Zürich darauf spezialisiert, die Aufenthalte für die Ausländer zu organisieren. Dazu gehört nicht nur das Finden des passenden Spezialisten, sondern auch Abholung am Flughafen, Begleitung beim Shopping und allenfalls die Hilfe bei der Visum-Beschaffung. «Schweizer Ärzte geniessen einen exzellenten internationalen Ruf», bewirbt Swixmed die Dienste auf der Website. Man habe zu allen den besten Draht.

Marketing gefragt

Um das Marketing kümmert sich auch die Organisation Swisshealth, die von den parastaatlichen Organisationen Schweiz Tourismus und Switzerland Global Enterprise gegründet wurde. 40 Spitäler – sowohl privat als auch öffentlich – zahlen jährlich einen grössenabhängigen Beitrag und finanzieren den Verein auf diese Weise. Er wirbt dafür für sie um Kunden. «Es kann schon sein, dass der ein oder andere potenzielle Kunde nun merkt, dass die Schweiz nicht perfekt ist», so ein Sprecher des Vereins zu 20 Minuten. Konkrete Kommunikationsmassnahmen im Fall Thorpe habe man aber noch nicht geplant.

Gerade wegen der internationalen Verbreitung der Meldung über Ian Thorpe sei das aber nötig, so Gesundheitsökonom Locher. «Sicher kann so ein Fall immer und überall vorkommen und das Risiko ist äusserst selten», erklärt er. Aber das müsse man den potenziellen Kunden eben klarmachen. Und genau das sei die Aufgabe von Swisshealth.

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