Internationaler Vergleich: Schweizer Spitäler müssen hygienischer werden

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Internationaler VergleichSchweizer Spitäler müssen hygienischer werden

Die Infektionsraten in Schweizer Spitälern sind im Ländervergleich überdurchschnittlich hoch. Zu diesem Schluss kommt der Bundesrat.

von
pat
Schweizer Spitäler müssen nachbessern.

Schweizer Spitäler müssen nachbessern.

In der Schweiz ist das Risiko, dass sich Wunden nach einer Operation infizieren, höher als in der EU. Zu diesem Schluss kommt der Bundesrat. So ist es in seiner Antwort auf eine Frage von SP-Nationalrat Thomas Hardegger zu lesen, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet.

Der Bundesrat berief sich dabei auf Zahlen, die Swissnoso erhoben hat. Diese misst für den Verein von Schweizer Spitälern und Kliniken ANQ die Anzahl Infektionen nach Eingriffen im Spital. Swissnoso hat die Schweizer Spitäler in einer Studie einem internationalen Vergleich unterzogen. Darin schneidet die Schweiz schlecht ab. Mit anderen Worten: Die Infektionsraten liegen nach vielen Operationen über dem Schnitt von acht EU-Staaten.

So kam es in der Schweiz nach Eingriffen am Dickdarm in 12,8 Prozent der Fälle zu Infektionen. In der EU sind es hingegen 9,7 Prozent aller Fälle. Auch bei Herzoperationen liegt die Rate über dem Schnitt: In hiesigen Spitälern leiden 5,4 Prozent an einer postoperativen Entzündung in der EU sind es nur 3,3 Prozent.

Spitäler verrechnen Behandlungen bei Infektionen

Hardegger erstaunt das nicht: «Das war zu erwarten. Andere Länder nehmen ihre Spitäler viel stärker in die Pflicht. In der Schweiz hingegen haben wir unsinnige Anreize», so der Nationalrat zur «Schweiz am Sonntag». In Deutschland herrsche ein sehr strenges Hygiene-Gesetz und in Frankreich müssten Spitäler zahlen, wenn sie hohe Infektionsraten ausweisen.

Anders in der Schweiz: Müssten sich Patienten wegen einer Spitalinfektion behandeln lassen, würden die Spitäler die Leistung gar zusätzlich verrechnen.

Der Dachverband der Schweizerischen Patientenstellen glaubt nicht daran, dass die Schweiz im Ländervergleich schlecht da steht. «Wir kontrollieren gründlicher und kommen so auf höhere Raten», so Hygiene-Expertin Corinne Stutz zur Zeitung. Sie stimmt dennoch bei, dass sich die Schweiz verbessern müsse. Denn viele Infektionen könnten vermieden werden, sagt sie.

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