Lawinen oder Felssturz: Schweizer Start-up schützt vor Katastrophen
Aktualisiert

Lawinen oder FelssturzSchweizer Start-up schützt vor Katastrophen

Naturkatastrophen fordern in einem Bergland wie der Schweiz immer wieder Menschenleben. Eine Firma aus Zürich möchte dies verhindern.

von
K. Wolfensberger
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Die Zürcher Firma Geopraevent überwacht die Natur, um etwaige Katastrophen zu verhindern. Auch im Ausland: Eine mit Funk angebundene Kamerastation überwacht den Gletscher am Mount Kazbeg (5033 m) in Georgien. Die Station steht auf ca. 3500m ü. M. nahe der russischen Grenze.

Die Zürcher Firma Geopraevent überwacht die Natur, um etwaige Katastrophen zu verhindern. Auch im Ausland: Eine mit Funk angebundene Kamerastation überwacht den Gletscher am Mount Kazbeg (5033 m) in Georgien. Die Station steht auf ca. 3500m ü. M. nahe der russischen Grenze.

Geopraevent
Für die Inspektion des Geländes und die Installation der Anlage stand ein Helikopter des Typs «MI-8» bereit.

Für die Inspektion des Geländes und die Installation der Anlage stand ein Helikopter des Typs «MI-8» bereit.

Geopraevent
Vom Gletscher unter dem Gipfel des Mt. Kazbeg (5033m) waren mehrere Millionen Kubikmeter Eis und Fels abgestürzt und hatten die über 10 Kilometer entfernte wichtigste Verbindungsstrasse nach Russland bis zu 20 m tief verschüttet. Deshalb mussten die Schweizer den Georgiern eine Überwachungsanlage liefern.

Vom Gletscher unter dem Gipfel des Mt. Kazbeg (5033m) waren mehrere Millionen Kubikmeter Eis und Fels abgestürzt und hatten die über 10 Kilometer entfernte wichtigste Verbindungsstrasse nach Russland bis zu 20 m tief verschüttet. Deshalb mussten die Schweizer den Georgiern eine Überwachungsanlage liefern.

Geopraevent

Noch fehlt in vielen Skigebieten der Schnee, das Weihnachtsfest dürfte grün statt weiss werden. Die Tourismusregionen haben vorgesorgt und wie die Jahre zuvor schon die Schneekanonen hervor geholt. Fällt der Schnee dann im Januar oder Februar endlich, sorgt dies nicht nur für Freude. Es drohen Lawinen, die im schlimmsten Fall sogar Menschenleben gefährden können.

Dass dies nicht geschieht, dafür möchte die Firma Geopraevent aus Zürich sorgen. Für das vor vier Jahren in Zürich gegründete Start-up arbeiten primär Elektroingenieure und Software-Entwickler. Geschäftsführer Lorenz Meier hat an der ETH Zürich Physik studiert. Mit ihrem Wissen entwickeln, bauen, installieren und betreiben die Wissenschaftler gegenwärtig etwa 60 Mess- und Überwachungssysteme für Naturkatastrophen – nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Ausland.

System am Eiger eingesetzt

Als beispielsweise letzten August am Eiger innert 24 Stunden 20'000 Kubikmeter Eis vom Gletscher abbrachen, war die Firma Geopraevent ebenfalls mit von der Partie. Im Auftrag der Jungfraubahnen hatte die Firma ein Frühwarn- und Alarmsystem installiert. Das System besteht aus einem Lawinenradar, Webcams und einem interferometischen Radar, der das Fliessverhalten des Gletschers rund um die Uhr genaustens messen kann – und im Notfall einen Alarm auslöst.

Dank des Warnsystems wurde etwa zehn Tage vor dem Abbruch bemerkt, dass sich die Geschwindigkeit des Gletschers markant veränderte – von den üblichen 5 auf mehr als 60 Zentimeter Bewegung pro Tag. Aufgrund dieser Daten wurde dann ein gefährdeter Bereich bei der Station Eigergletscher gesperrt, darunter auch mehrere Wanderwege. Dank der Massnahmen, die aufgrund der Überwachung von Geopraevent getroffen wurden, hielten sich zum Zeitpunkt des Abbruchs keine Personen im gefährdeten Bereich auf.

20 Minuten hatte noch vor dem Gletscherabbruch ein Video von der Szenerie oberhalb von Grindelwald gedreht.

Eigergletscher

Wegen des drohenden Gletscherabbruchs am Eiger stehen Ausflügler derzeit vor einem geschlossenen Wanderweg. Doch nicht alle halten sich an die Absperrung.

Beim Bau von Alarmsystemen wie demjenigen auf dem Eiger setzt Geopraevent auf sogenannte Fernerkundungsmethoden. Lorenz Meier erklärt: «So können wir über mehrere Kilometer hinweg Gletscher oder Felswände überwachen.» Dabei sei wichtig, dass die Anlagen auch bei schlechtem Wetter wie Nebel, Regen oder Schneefall funktionierten. Zum Einsatz kommen daher keine Kameras oder Laser, sondern spezielle Radaranlagen, die permanent laufen. Denn: «Ein Gletscher bricht auch bei schlechtem Wetter ab», so Meier.

Am Eiger und andernorts misst Geopraevent aber nicht nur die Geschwindigkeit des Gletschers, sondern überwacht mit einem eigenen Lawinenradar auch die Schneemassen, die auf dem Berg liegen. «Geht eine Lawine los, können wir reagieren und automatisierte Gegenmassnahmen wie Strassensperrungen ergreifen», so Meier. In Zermatt, wo Geopraevent auch einen Lawinenradar betreibt, werden im Fall eines Lawinenabgangs innert wenigen Sekunden sofort mithilfe von fünf Ampeln und vier Barrieren die gefährdeten Strassenabschnitte gesperrt.

Engagement im Ausland

Stolz ist das Jungunternehmen aus Zürich aber auch auf seine Verpflichtungen im Ausland: So überwacht es beispielsweise den Gletscher des georgischen Mount Kazbeg (5033 Meter über Meer) mit einer per Funk angebundenen Kamerastation. Die Inspektion des Geländes und die Installation der Anlage wurden mit einem russischen Militärhelikopter durchgeführt. Grund für den Bau der Anlage war ein Eis- und Felssturz, der die wichtige Verbindungsstrasse von Georgien nach Russland 2014 verschüttet hatte.

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