Witty – Schweizer Startup entwickelt Autokorrektur für gegenderte Sprache
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WittySchweizer Startup entwickelt Autokorrektur für gegenderte Sprache

Wer Texte verfasst, benutzt häufig unbewusst Begriffe, die gewisse Personengruppen ausschliessen oder beleidigen. Um dies zu vermeiden, hat ein Schweizer Startup eine Korrekturhilfe entwickelt, die solche Begriffe erkennt.

von
Dominique Zeier
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Ein Schweizer Startup hat sich der inklusiven Sprache angenommen. 

Ein Schweizer Startup hat sich der inklusiven Sprache angenommen.

Witty
Mit der Autokorrektur von Witty soll man unbewusste Bias vermeiden können.

Mit der Autokorrektur von Witty soll man unbewusste Bias vermeiden können.

Witty
Nadia Fischer ist Co-Gründerin des Unternehmens.

Nadia Fischer ist Co-Gründerin des Unternehmens.

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Darum gehts

  • Ein Schweizer Startup will es möglich machen, gendergerechter zu schreiben.

  • Dafür wurde eine automatische Rechtschreibkorrektur entwickelt.

  • Diese überprüft beim Schreiben direkt, ob der Text stereotypische Begriffe enthält.

  • Anschliessend werden Alternativen vorgeschlagen, die möglichst viele Menschen ansprechen sollen.

«In unserer heutigen Kommunikation verstecken sich noch immer viele Stereotypen, die zahlreiche Menschen ausschliessen oder gar diskriminieren», so Nadia Fischer, CEO und Co-Gründerin des Schweizer Startups Witty. Dies geschehe meist unbewusst, führe aber dazu, dass Menschen aus gewissen sozialen Gruppen ausgeschlossen oder beleidigt werden.

«Die Idee kam mir und Co-Gründer Lukas Kahwe Smith, weil wir beide aus der Tech-Branche stammen und uns aufgefallen ist, dass, die Sprache dort besonders einseitig ist. Oft werden nur die Bedürfnisse gewisser gesellschaftlicher Gruppen beachtet.» Daher setzten sich die beiden Gründer zusammen und erarbeiteten ein Konzept, dessen Ziel es war, nicht die unterrepräsentierten Gruppen zu ändern, sondern die Firmen, die diese Gruppen ausschliessen. «Wir verwenden heutzutage oft noch Ausdrücke und Begriffe aus dem 18. Jahrhundert. Das kann man zum Beispiel gut bei Stellenanzeigen sehen, die laut Studien meistens Männer mehr ansprechen als Frauen», erklärt Fischer.

Unbewusst verwendete Begriffe

Daher habe sie zusammen mit Kahwe Smith die Software für Witty entwickelt, die Ausdrücke erkennt, die bestimmte Gruppen von Menschen ausgrenzen. Sie markiert im analysierten Text in Echtzeit solche Ausdrücke und schlägt auch gleich Alternativen vor, die man verwenden könnte. Dahinter steckt eine künstliche Intelligenz, die mittels Computerlinguistik die Texte zu interpretieren gelernt hat. Die Dimensionen, die dabei beachtet werden, sind der ethnische Hintergrund, die Hautfarbe, das Geschlecht, die sexuelle Identität, die sexuelle Orientierung, die körperlichen und geistigen Fähigkeiten, das Alter, sozioökonomische Unterschiede, religiöse Überzeugungen, Bildung und Kultur.

«Meist werden ausschliessende oder beleidigende Begriffe nicht absichtlich verwendet, sondern das geschieht unbewusst. Wenn man in einem Unternehmen zum Beispiel von einer Blacklist und einer Whitelist spricht, ist man sich wohl nicht bewusst, dass dahinter rassistische Ursprünge stecken, die die Farben Schwarz und Weiss etwas Schlechtem bzw. etwas Gutem zuschreiben», erklärt Fischer.

Positive Erfahrung

Natürlich gebe es auch Personen, denen die Arbeit von Witty nicht gefällt. «Bei jedem gesellschaftlichen Wandel gibt es Gegenwind, das war schon bei der Digitalisierung so», lässt sich Fischer aber nicht entmutigen. Grösstenteils habe sie sehr positive Erfahrungen mit Unternehmen und Kundinnen und Kunden gemacht.

In diversen Studien habe sich gezeigt, dass Diversität und Inklusion zu mehr Innovation und höherer wirtschaftlichen Leistung führen, so Fischer. «Je inklusiver ein Text ist, umso mehr Menschen fühlen sich angesprochen.» Witty kann im Internetbrowser installiert werden. Für Privatpersonen ist die Nutzung auf Deutsch und Englisch kostenlos. Das Startup hat kürzlich die erste Finanzierungsrunde in Höhe von 700’000 Euro abgeschlossen. Damit will das Unternehmen auch nach Deutschland und Österreich expandieren.

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, aufgrund der Geschlechtsidentität diskriminiert?

Hier findest du Hilfe:

Gleichstellungsgesetz.ch, Datenbank der Fälle aus Deutschschweizer Kantonen

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann

Digital-Push

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