04.06.2020 06:22

Einreisesperre in China

Schweizer wegen Corona auf Trauminsel gefangen

Seit vier Monaten leben der Auslandschweizer Tom Allemann (55) und seine chinesische Freundin wie Robinson Crusoe auf den Malediven. Der Lockdown holte sie ein.

von
Daniel Waldmeier

Darum gehts

  • Weil China ihn nicht mehr einreisen lässt, lebt der Auslandschweizer Thomas Allemann seit vier Monaten auf den Malediven.
  • Er und seine Freundin sind wohl noch die einzigen Touristen auf der lokalen Insel.
  • Die Preise sind wegen Corona im Keller. Pro Nacht bezahlt das Paar 18 Franken.
  • Nur auf den Cocktail müssen sie verzichten.

Eigentlich wollten sie über das chinesische Neujahr nur eine Woche lang auf den Malediven tauchen. Ende Januar flogen Thomas Allemann, der seit 2012 in China lebt, und seine chinesische Freundin Emma Wang (32) von Peking via Dubai auf die Malediven. In der ersten Woche waren sie mit einer Gruppe von 20 Tauchern auf einem Schiff. Als sich die Corona-Lage in China zuspitzte, entschieden sie sich, ihre Ferien zu verlängern.

Inzwischen sind sie seit vier Monaten auf den Malediven. Seit Ende Februar sind die beiden auf dem wenig touristischen Fuvahmulah, der drittgrössten Insel der Malediven, gestrandet. Hier wachsen Bananen, die Insel mit den rund 12’000 Bewohnern hat zudem zwei Binnenseen mit Süsswasser. Corona gebe es nicht auf der Insel. Sie seien die einzigen Touristen, die geblieben seien, sagt der 55-Jährige im Skype-Interview.

Rückkehrflüge hoben ohne ihn ab

Die Flugverbindungen wurden nach und nach gestrichen. «Seit Ende März lässt China auch keine Ausländer mehr einreisen, es sei denn, sie bekleiden einen hohen Posten in der Wirtschaft oder Forschung», sagt Allemann.

Der Westschweizer hat ein Haus mit Garten gemietet, 200 Meter vom Traumstrand entfernt. Pro Nacht bezahlt er für das doppelstöckige Haus nur 18 Franken, einen Corona-Spezialpreis, wie er sagt. Zum Coiffeur kann er für einen Dollar. Die Lebenshaltungskosten beliefen sich auf rund 1200 Franken pro Monat für beide, sagt Allemann.

Auf die Rückkehrflüge, welche die Schweizer Botschaft in Sri Lanka anbot, verzichtete er ebenfalls – inzwischen gibt es keine mehr. «Die Botschaft machte einen super Job. Ich wollte meine Freundin aber nicht zurücklassen.» Bereut hat er es keine Sekunde. «Ich bin selbstständig und ich muss keine Familie ernähren.»

Sogar Emmi-Joghurts gibt es

Um 9 Uhr steht das Paar auf. Während sie Fitness macht, arbeitet er etwa drei Stunden lang im Homeoffice. Er hat kleinere Projekte im Zusammenhang mit den Olympischen Winterspielen. Zudem gibt er Englischlektionen.

Für den Rest des Tages hat er frei. Langweilig wird es ihm nicht auf der Insel: «Wir haben einen Töff, gehen schnorcheln, und bald kann man auch wieder tauchen.» Es gebe fantastische Grossfische, etwa Tigerhaie. Manchmal geht er an den Strand, um die Wellenreiter zu beobachten.» Oder sie gehen mit Einheimischen fischen. «Wir ziehen herrliche Thunfische raus.»

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Gestrandet im Paradies: Tom Allemann (55) und Emma Wang (32).

Gestrandet im Paradies: Tom Allemann (55) und Emma Wang (32).

Nach dem Homeoffice gehts an den Strand.

Nach dem Homeoffice gehts an den Strand.

Auch schöne Sonnenuntergänge gehören dazu.

Auch schöne Sonnenuntergänge gehören dazu.

Überhaupt fehle es auf der Insel an nichts. «Es gibt Kokosnüsse, Bananen, Mangos.» Wöchentlich komme ein Schiff vorbei, das Lebensmittel liefere. «Es gibt sogar Lindt-Schoggi und Emmi-Joghurts, sagt der Lausanner mit Deutschschweizer Eltern.

Alkohol ist verboten

Nach dem Ramadan würden sie auch von der lokalen Bevölkerung eingeladen. Eine Piña colada oder ein kühles Bier am Strand ist auf der muslimisch geprägten Insel aber tabu. «Ab und zu hätte ich schon Lust auf ein Bierchen. Ich habe seit drei Monaten keinen Alkohol mehr getrunken. Das ist fast das Härteste.»

Wie lange es noch dauert, bis er wieder nach China kann oder muss, weiss Allemann nicht. Vielleicht werde es Herbst. Es sei eine positive Lebenserfahrung, mit den Einheimischen zu leben. Das Geld gehe ihm so schnell nicht aus, sagt der Lebemann. Und: «Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.»

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107 Kommentare
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bonez mc

04.06.2020, 10:18

Beste Leben

Toni

04.06.2020, 10:18

Auch in der Schweiz kann man mit genügend Geld sehr paradiesisch Leben..

Carlo

04.06.2020, 10:07

Möchte aber nicht während der Regenzeit auf den Malediven sein. Tropischer Regen für Wochen, kein Tauchen, alles feucht und sehr langweilig.