Schweiz-Albaner: Schweizer Studenten mobilisieren für Wahlen im Kosovo
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Schweiz-AlbanerSchweizer Studenten mobilisieren für Wahlen im Kosovo

Im Kosovo kommt es im Februar zu Neuwahlen – doch die Teilnahme für die ausländische Community ist kompliziert. Schweizer Studenten kämpfen nun für die Stimmen in der Diaspora.

von
Dafina Eshrefi
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ETH-Student Eleonit Smajli (23) hat sich mit sieben weiteren Studierenden zusammengeschlossen mit dem Ziel möglichst viele wahlberechtigte Kosovaren im Ausland zu mobilisieren.

ETH-Student Eleonit Smajli (23) hat sich mit sieben weiteren Studierenden zusammengeschlossen mit dem Ziel möglichst viele wahlberechtigte Kosovaren im Ausland zu mobilisieren.

Privat
Die schweiz-albanisch Studierenden haben die überparteiliche Nonprofit-Organisation «Du me votu!» gegründet, um Ausland-Kosovaren die Registrierung für die Wahl im Kosovo zu erleichtern.

Die schweiz-albanisch Studierenden haben die überparteiliche Nonprofit-Organisation «Du me votu!» gegründet, um Ausland-Kosovaren die Registrierung für die Wahl im Kosovo zu erleichtern.

Du me votu!
Als die Hürden für die Registrierung zur Wahl für Ausland-Kosovaren bekanntgegeben wurden, reagierten schweiz-albanische Studierende mit einer Müll-Aktion vor dem kosovarischen Konsulat in Genf.

Als die Hürden für die Registrierung zur Wahl für Ausland-Kosovaren bekanntgegeben wurden, reagierten schweiz-albanische Studierende mit einer Müll-Aktion vor dem kosovarischen Konsulat in Genf.

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Darum geht es

  • Im Kosovo kommt es Mitte Februar zu Neuwahlen. Dafür können sich Ausland-Kosovaren derzeit registrieren.

  • Schweizer Studenten stört das komplizierte Registrierungsverfahren. Sie gründeten deshalb eine Organisation und eine entsprechende Webseite, um dies zu vereinfachen.

  • Unter Schweiz-Albanern herrscht «Euphorie», berichtet ein Aktivist. Viele möchten sich an der Wahl beteiligen.

Kosovo wählt – wieder einmal: Am 14. Februar wird über die Regierung im jüngsten Staat Europas entschieden. Für viele Schweiz-Kosovaren ist dies die einzige Möglichkeit das politische Geschehen in ihrer alten Heimat mitzubestimmen.

Stimmberechtigte ausserhalb Kosovos müssen sich aber während einer festgelegten Frist vorab registrieren lassen, um wählen zu dürfen. «Wir kennen es aus unserem eigenen Umfeld: Viele würden sehr gerne ihre Stimme abgeben, aber die Hürden und das komplizierte Registrierungsverfahren entmutigt sie», sagt ETH-Student Eleonit Smajli (23). Um der Diaspora die Beteiligung an der bevorstehenden Wahl zu vereinfachen, haben sich er und sieben weitere Schweizer und ausländische Studenten mit kosovoalbanischem Hintergrund zusammengeschlossen: Sie gründeten die überparteiliche Nonprofit-Organisation «Du me votu!», was aus dem Albanischen übersetzt «Ich will wählen!» bedeutet.

Grosser Teil der Bevölkerung lebt ausserhalb der Heimat

Ihre Plattform bietet eine Anleitung, wie man sich aus dem Ausland als Wähler registrieren lassen kann. Denn: «Die Regierung verkompliziert das Verfahren unnötig», sagt Smajli. Laut ihm leben rund 800’000 stimmberechtigte Bürgerinnen und Bürger ausserhalb der Heimat, das entspreche immerhin fast einem Drittel der Gesamtbevölkerung Kosovos. «Wir Ausland-Kosovaren können die Wahl im Kosovo entscheiden, liesse man uns nur wählen

Wer kann wählen?

Wer sich für die Wahlen im Kosovo registrieren möchte, muss volljährig sein und mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllen und dieses auch mit Dokumenten belegen können:

  • Kosovarische Staatsbürgerschaft

  • Ein Elternteil besitzt kosovarische Staatsbürgerschaft

  • Geburtsort im Kosovo

  • Geburtsort eines Elternteils liegt im Kosovo

Für Ausland-Kosovaren ist es derzeit nicht möglich, wie in anderen Ländern üblich, ihre Stimme bei der zuständigen Botschaft direkt einzugeben.

Die Wahlregistrierung ist noch bis am 21. Januar, 18 Uhr möglich.

Mit dem Einreichen der nötigen Unterlagen ist die Registrierung für die Wahl aber noch nicht rechtskräftig: Zusätzlich dazu muss ein Anruf der kosovarischen Regierung entgegengenommen werden. Meist erfolgt dieser zwischen 18 und 20 Uhr, teilweise mit unterdrückter Nummer. Damit wolle man die Bürger identifizieren lassen, heisst es laut kosovarischen Medien. Verpasst man den Anruf, kann man nicht wählen.

Dafür hagelt es Kritik: «Alles Schikane, um die Diaspora von der Wahl möglichst auszuschliessen, da diese mehrheitlich die linksnationale Partei Vetevendosje wählt!», sagt eine anonyme Quelle aus Regierungskreisen zu 20 Minuten. «Es sieht stark nach einer Verzweiflungstat der alten Garde aus», sagt auch SP-Co-Präsident Cédric Wermuth. Offenbar wolle diese einen Regierungswechsel im Kosovo möglichst verhindern. «Ich bin überzeugt, das wird ihnen nicht gelingen! Sie schneiden sich damit ins eigene Fleisch.»

Über 25’000 Registrierungen

Das grosse Interesse der kosovo-albanischen Diaspora an den Wahlen spürt auch der politische «Vetëvendosje»-Aktivist Shemsi Shema: «Es herrscht eine riesige Euphorie! Nicht nur bei uns in der Schweiz, sondern auch in Deutschland und Österreich», sagt der Berner. «Die Leute möchten sich unbedingt an der Wahl beteiligen und eine neue Ära der Politik im Kosovo einläuten.»

Dies zeigt sich auch am Erfolg der «Du me votu!»-Plattform der Schweizer Studierenden: Diese hat mittlerweile über 25’000 Registrierungen verzeichnet, sagt Smajli: «Am Dienstag ist unsere Internetseite zwischenzeitlich abgestürzt, weil sie so viele Menschen gleichzeitig besuchten.»

Warum Neuwahlen?

Seit der Unabhängigkeitserklärung Kosovos vor 12 Jahren ist es noch keiner Regierung gelungen die reguläre Mandatsdauer von vier Jahren zu halten. Vor einem Jahr wurde die Regierung des linksnationalen populären Albin Kurti (Vetëvendosje, auf Deutsch «Selbstbestimmung») gewählt. Durch ein Misstrauensvotum wurde er nach nur zwei Monaten Amtszeit im März 2020 gestürzt. Im Juni kam Avdullah Hoti (LDK) an die Macht – ohne Zustimmung des Volkes. Seine Wahl wurde Ende 2020 vom Verfassungsgericht aber für ungültig erklärt: Ein wegen Betrugs verurteilter Parlamentarier hatte illegal an der Wahl teilgenommen und für Hotis Partei gestimmt.

Nun hofft der linksnationale Politiker Albin Kurti auf seine Wiederwahl. Er und die Vetëvendosje-Bewegung ist laut Experten sehr beliebt, insbesondere bei jungen Kosovaren.

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