Hochspannung: Schweizer Superkabel hilft bei Stromtransport
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HochspannungSchweizer Superkabel hilft bei Stromtransport

Ein neues Kabelsystem von ABB soll den Stromtransport auf der Langstrecke effizienter und billiger machen. Der Konzern will damit von der Energiewende profitieren.

von
Fabian Lindegger

Der Technologiekonzern ABB hat kürzlich das nach eigenen Angaben weltweit leistungsstärkste Hochspannungs-Gleichstromkabelsystem präsentiert. «Die Forschung an diesem Kabel hat sechs Jahre gedauert», sagt ABB-Sprecher Antonio Ligi zu 20 Minuten. Zwei der neuen Kabel reichen aus, um den Strombedarf von Paris zu decken. Bisher war die Spannung solcher Kabel auf 320 Kilovolt (kV) beschränkt. ABB sei es nun gelungen, diese auf 525 kV zu steigern. Damit erhöht sich die übertragbare Leistung um 64 Prozent.

Zudem sei auch die Übertragungsdistanz auf 1500 Kilometer gesteigert worden und die Übertragungsverluste würden weniger als 5 Prozent betragen, wie ABB mitteilt. Mit den bisherigen Kabel konnte der Strom nur rund 1000 Kilometer transportiert werden und die Verluste betragen heute im Schnitt rund 6 Prozent. Dank dem neuen Kabel kann also künftig Strom billiger über weite Distanzen transportiert werden.

Wichtig für erneuerbare Energien

«Wenn in Zukunft mehr Strom aus entfernt gelegenen Offshore-Windparks oder grossen Solaranlagen im Süden zum Verbraucher transportiert wird, dann braucht es eine erhöhte Transportkapazität», beschreibt Christian Franck, Professor am Institut für Elektrische Energieübertragung und Hochspannungstechnik an der ETH Zürich, das Marktpotenzial. ABB hofft denn auch, mit dem neuen Kabel vom Wachstum im Bereich der erneuerbaren Energien profitieren zu können.

Ebenfalls von Bedeutung sei, dass sich das Kabel unterirdisch und unter Wasser einsetzen lässt: «In vielen Ländern sind neue Freileitungen gesellschaftlich nicht akzeptiert und es ist sehr schwierig geworden, dafür eine Bewilligung zu erhalten», sagt Franck. Unterirdische Stromübertragung hingegen sei eher akzeptiert und für Offshore-Windparks gäbe es gar keine Alternative zu einem Unterseekabel, sagt Franck weiter.

Grosses Potenzial in Europa

ABB hofft deshalb, dass dank dem neuen Kabel neue Projekte umgesetzt werden, die sich mit den bisherigen Mitteln nicht wirtschaftlich realisieren lassen. Zum Beispiel weil nur noch ein statt wie bisher zwei Kabel verlegt werden müssten.

In Europa existieren aufgrund der Förderung von alternativen Energien und der vielerorts in die Jahr gekommenen Stromnetze viele Projekte für Gleichstromtrassen. In Deutschland ist etwa eine rund 800 Kilometer lange Hochspannungsleitung geplant, die den Strom aus den Windparks der Nord- und Ostsee in die wirtschaftlichen Zentren im Süden des Landes bringen soll. Gegen das Projekt, das vor allem den Bau von neuen 320-kV-Freileitungen vorsieht, regt sich allerdings grosser Widerstand in der Bevölkerung. Von verschiedener Seite sind deshalb unterirdische Hochspannungsleitungen gefordert worden.

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