Aktualisiert 01.02.2011 11:31

«Schweizer Talente»Schweizer Susan Boyle hat geschwindelt

Zuerst behauptete die singende Bus-Chauffeuse Maya Wirz, sie habe kein Gesangsdiplom. Doch nun gibt es Belege für das Gegenteil.

von
Marlies Seifert und Bettina Bendiner

In der ersten Show von «Die grössten Schweizer Talente» am 29. Januar räumte sie ab: Die Liestaler Buschauffeuse Maya Wirz rührte Jury und Publikum mit ihrem Gesang zu Tränen – genau wie damals Susan Boyle in der britischen Version der Talentshow. Davon, dass ihre Stimme durch professionellen Unterricht geschult wurde, ist in der Fernseh-Show keine Rede. Dass sie Gesangsstunden nahm und noch immer nimmt, bestreitet Wirz aber nicht: «Ich habe verschiedene Kurse am Konservatorium belegt», sagte sie am Sonntagabend am Telefon zu 20 Minuten Online. «Ganz ohne Ausbildung kann man gar nicht so singen», meinte sie.

Vor dem TV-Auftritt die Biografie verändert

Auf die Frage, ob sie denn auch ein Gesangsdiplom besitze, antwortete Wirz jedoch mit einem klaren «Nein, ich habe keinen Abschluss und kein Diplom». Auch auf der Homepage des Ensemble Classico, in dem Wirz singt, ist von keinem Gesangsabschluss die Rede. «Ich nahm immer wieder bei verschiedenen Lehrern Gesangsunterricht», steht dort nur. Bis vor Kurzem war das noch anders: In der Biografie der Hobbysängerin auf derselben Homepage wurde eine lange Liste mit errungenen Gesangsdiplomen aufgeführt: «Von 1981-1992 besuchte ich diverse Gesangsakademien wie die Musikakademie Basel, Opernstudio Basel mit Diplom, Opernstudio Biel mit Diplomabschluss, Meisterkurse in Deutschland, Italien und Österreich folgten», heisst es dort. Und schliesslich schreibt Wirz sogar: «1994 erwarb ich das Solistendiplom am Konservatorium mit Auszeichnung.» Seit dem 28. Januar sind diese Einträge verschwunden.

Geflunkert hat Wirz auf jeden Fall

Warum steht die 49-Jährige jetzt nicht mehr zu ihrer Ausbildung? Vielleicht, damit der Aschenputtel-Zauber, der schon ihrem grosses Vorbild Susan Boyle zum grossen Erfolg verhalf, nicht verfliegt? Geschwindelt hat Wirz auf jeden Fall: Entweder in dem Eintrag auf der Homepage des Ensemble Classico – oder aber gegenüber 20 Minuten Online. Das SF wusste von Wirz' Gesangsausbildung: «In ihren Bewerbungsunterlagen schrieb sie, sie nehme seit dem 16. Lebensjahr Unterricht und habe eine professionelle Ausbildung durchlaufen, die jedoch immer wieder unterbrochen wurde», sagt Pressesprecher Martin Reichlin auf Anfrage von 20 Minuten Online. Wirz habe klar gesagt, dass sie eine Opernkarriere angestrebt habe, ihr es aber nie gelungen sei, ihr Ziel zu erreichen.

Dabei stand Wirz bereits auf den Brettern, die die Welt bedeuten: Das konnten die Gäste am «Abend der Sinne» vom Samstag, 29. November 2009 auf ihrer Menükarte nachlesen. Beim Galadiner sorgte das «Trio Musicale» mit Wirz und zwei Musiker-Kollegen für den Ohrenschmaus zwischen Parmaschinken und rosa gebratener Kalbsbrust. Im Programmheft zählt die Busschauffeuse ihre zahlreichen Engagements in «Bern, Basel, Biel, am Musiktheater Aargau und an den Städtischen Bühnen in Freiburg im Breisgau (D)» auf. Beim international anerkannten Belvedere-Wettbewerb für Sänger, hat sie es laut Broschüre sogar ins Halbfinal geschafft.

Den grössten Coup landete Wirz jedoch Mitte der 90er-Jahre: Zwischen 1995 und 1997 gehörte sie zum Ensemble bei «The Phantom Of The Opera» im Musical-Theater Basel. Den Wunsch, auf einer grossen Bühne zu singen, hat sie sich spätestens damit erfüllt. Im Saal finden rund 1600 Leute Platz und die Phantom-Vorstellungen waren anfangs ausverkauft. 1997 wurde das Musical mit einem Paukenschlag abgesetzt, die rund 350 Mitarbeiter gekündigt. 150 von ihnen demonstrierten damals vor dem Arbeitsamt Basel, wollten für ihre Jobs kämpfen. Im Menü-Zettel des Galadiners umschreibt Wirz diese Phase elegant: «Bedingt durch eine musikalische Neuausrichtung wurde sie freischaffende Künstlerin.» Seit da steuert die Sängerin mit sicherer Hand Verkehrsbusse.

Sehen Sie die Stellungnahme von Maya Wirz im Videointerview.

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