Missstände: Schweizer Tierschutz prangert Olma an
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MissständeSchweizer Tierschutz prangert Olma an

Zwangsstreicheln, Stress für Mutterkühe und viel zu kleine Käfige: Die Olma-Messen kommen in einem Bericht des Schweizer Tierschutzes gar nicht gut weg.

von
tso
Der Tierschutz prangert insbesondere die Haustierausstellung Animalia an.

Der Tierschutz prangert insbesondere die Haustierausstellung Animalia an.

Die meisten Missstände sieht der Schweizer Tierschutz STS bei der Kleintierausstellung «Animalia», die von den Olma-Messen veranstaltet wird. Für sie würden die Tiere stundenlang in winzigen Käfigen «herangekarrt», wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Während der Ausstellung selbst seien die Platzverhältnisse auch nicht besser: Ein fünf Meter langer Tigerpython etwa hat gerade mal etwas mehr als sechs Quadratmeter. Vorgeschrieben wäre laut STS die doppelte Fläche. Zudem würden an der Animalia auch Qualzuchten für die schönsten Hunde prämiert. Dieser Beauty-Contest für Hunde und Katzen sei für die Tiere «entwürdigend und absurd». Und trotz Verboten des kynologischen Vereins Schweiz würden Hunde vor der Präsentation mit Spray und Puder behandelt.

Rolf Brun, Abteilungsleiter für Fachmessen bei der Olma sagt: «Die Tierschützer setzen andere Standards als das Tierschutzgesetz, das wir einhalten.» Die Würde des Tiers werde nicht verletzt, auch wenn der STS dies anders sehe. Künftig auf Hundeausstellungen zu verzichten, stünde nicht zur Diskussion. «Diese Tiere sind die Präsentationen gewohnt werden gut gepflegt.» Schliesslich hätten auch die Züchter ein Interesse am Wohlergehen ihrer Tiere.

Die Liste geht weiter: Die Kleintiere, allen voran die Meerschweinchen, hätten im Streichelzoo als Spielzeug für Kinder weder Ruhepausen noch Rückzugsmöglichkeit. Laut Tierschützern besonders bedenklich: Nur wenige Meter neben dem Streichelzoo informiert IG Meerschweinchen darüber, dass die Nager keine Streicheltiere sind.

«In den Familien werden Meerschweinchen auch gestreichelt», so Brun. Wieder verweist er auf die unterschiedlichen Standards von Tierschutzgesetz und Tierschützern. Die Beobachtungen des STS will er dennoch nicht beiseite schieben: «Den im STS-Bericht erwähnten Ausstellern haben wir die sie betreffenden Auszüge zukommen lassen.» Abschliessend sagt er: «Solche Messen bedeuten immer eine Belastung für die Tiere. Diese halten wir aber für tolerierbar.»

Trächtige Kühe unter Stress

Auch an der Nutztierausstellung, also der eigentlichen Olma, verortet der STS viel zu beengte Platzverhältnisse. Laut Bericht werden dort zudem trächtige Kühe für das Publikum ausgestellt – ein riesiger Stress für die werdenden Mutterkühe. Der STS schreibt: «Die Stalleinrichtungen für die mehrere Tage dauernde Ausstellung entsprechen teilweise nicht einmal den Minimalanforderungen der Tierschutzverordnung, welche die Grenze zur Tierquälerei definieren.»

Die Genossenschaft Olma Messen verteidigt sich: «Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen deutlich, dass, sich die Kühe an der Olma wohlfühlen», so Kathrin Meyerhans, Abteilungsleiterin Publikumsmessen, gegenüber der «NZZ am Sonntag». Nie habe es während der Olma eine Totgeburt gegeben. Auch das Veterinäramt widerspricht den Darstellungen des STS: Die Stallungen genügten den Anforderungen.

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