Publiziert

FerienplanungSchweizer Touristen meiden Terror-Orte

Ob Paris oder Ägypten: Terroranschläge finden oft an beliebten Ferienorten statt. Reiseanbieter streichen deshalb gewisse Destinationen aus dem Angebot.

von
K. Wolfensberger

Terroranschläge wie derjenige in Paris treffen auch die Wirtschaft der betroffenen Länder stark. Keine Branche erleidet dabei unmittelbar einen so grossen Schaden wie der Tourismus. Besonders hart trifft der Terror derzeit deshalb die nordafrikanischen Länder Ägypten und Tunesien. Der Schweizer Reiseanbieter Hotelplan Suisse hat am Montag bekannt gegeben, seine Charterflüge in die Badeorte Sharm al-Sheikh sowie Hurghada von Mitte Januar bis Anfang März einzustellen. Die betroffenen Passagiere würden heute informiert.

Hotelplans Badeferien-Chef Tim Bachmann nennt Travelnews.ch den Grund: «Die Buchungseinbrüche seit dem Anschlag auf der Sinai-Halbinsel sind massiv.» Im Gespräch mit 20 Minuten präzisiert Hotelplan-Suisse-Mediensprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir und liefert eine konkrete Zahl. Rund 50 Prozent weniger Buchungen habe Hotelplan dieses Jahr im Vergleich zum Vorjahr erhalten. Dabei seien die ägyptischen Badeorte eine typische Winterdestination für Leute, die vor dem kalten Wetter in der Schweiz flüchten möchten.

Auch Tunesien betroffen

Ein weiterer nordafrikanischer Staat, der mit dem Terror zu kämpfen hat, ist Tunesien. Im Fall der tunesischen Ferieninsel Djerba, eher eine typische Sommer- und Herbstdestination, habe der Buchungsrückgang im Herbst 2015 im Vergleich zur Vorjahresperiode etwa 40 Prozent betragen, so Huguenin-dit-Lenoir zu 20 Minuten.

Konkurrent TUI Suisse spürt den Rückgang primär im Fall von Sharm al-Sheikh. Man habe daher entschieden, von Ende November bis Ende Januar die Destination aus dem Programm zu nehmen und den Kunden eine Alternative anzubieten, sagt TUI Suisse-CEO Martin Wittwer zu 20 Minuten. Beliebt seien die Kanarischen Inseln, die Kapverden, aber auch weiter entfernte Destinationen wie Thailand, die Dominikanische Republik oder Kuba. Bei Hotelplan Suisse sind als Alternativen ausserdem Zypern, Griechenland oder die USA hoch im Kurs.

Entfernung und Attraktivität

Wie stark Touristen sich beim Buchen von Terroranschlägen tatsächlich beeinflussen lassen, hängt aber von verschiedenen Faktoren ab, erklärt Urs Wagenseil, Leiter Tourismus am Institut für Tourismuswirtschaft (ITW) an der Hochschule Luzern. Ein Beispiel: Je näher ein Anschlag geographisch war, desto grösser sei die Berichterstattung und desto grösser auch der Einfluss auf das Buchungsverhalten. So schocke die Schweizer ein Anschlag in Paris viel stärker als ein Anschlag in China, bei dem man allenfalls noch nie von der betroffenen Stadt gehört habe. Auch die Herkunft der Opfer sei ein wichtiger Faktor. Stammen viele Opfer aus der Schweiz, beeinflusse das einen stärker.

Ob sich eine Tourismusdestination schnell von einem Terroranschlag erholt und die Gäste zurückkehren, liege primär an der touristischen Attraktivität des Ort selbst. Eine Stadt wie Paris mit Museen wie dem Louvre oder dem Eiffelturm habe so viel zu bieten, dass die Leute schnell zurückkämen. Schwieriger sei dies bei einem Badeort à la Hurghada. Dieser habe primär Badestrände zu bieten. «Das gibt es auch in Ländern wie Spanien und Italien oder in Übersee und es ist kein ausreichendes Alleinstellungsmerkmal», so Wagenseil.

Swiss sieht sich nicht bedroht

Swiss-Chef Harry Hohmeister rechnet trotz vermehrter Unsicherheit durch Terrorismus nicht mit Gewinn-Einbrüchen. «Mobilität ist Teil der Globalisierung», sagt Hohmeister. Zwar hätte es nach den Anschlägen in New York 2001 oder den Anschlägen in Paris vor wenigen Wochen kurzfristig einen Einbruch gegeben bei der Nachfrage. Doch das Flugzeug als Transportmittel sei nicht mehr wegzudenken, denn nicht nur Unternehmen, sondern auch ganze Familien seien über grosse Distanzen verstreut. «Wie will man sich noch sehen, wenn man nicht ins Flugzeug steigt?», so Hohmeister. (SDA)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.