Gefährliches Souvenir: Schweizer Touristen mit Super-Keim infiziert

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Gefährliches SouvenirSchweizer Touristen mit Super-Keim infiziert

Eine Indien-Reise ist schön, aber nicht ungefährlich: Dort lauern multiresistente Bakterien, die die Touristen hinterher in die Schweiz mitbringen.

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Viele Personen, die von einer Indien-Reise in die Schweiz zurückkehren, haben multiresistente Bakterien im Darm.

Viele Personen, die von einer Indien-Reise in die Schweiz zurückkehren, haben multiresistente Bakterien im Darm.

AP/Gurinder Osan
Das geht aus einer Analyse von Forschern der Universität Bern hervor.

Das geht aus einer Analyse von Forschern der Universität Bern hervor.

Colourbox.com/Viktor Gmyria [viktorus]
Für seine Studie hat das Team um Andrea Endimiani vor und nach einer Indien-Reise den Stuhl von 38 Schweizerinnen und Schweizern untersucht. Das Resultat lässt aufhorchen.

Für seine Studie hat das Team um Andrea Endimiani vor und nach einer Indien-Reise den Stuhl von 38 Schweizerinnen und Schweizern untersucht. Das Resultat lässt aufhorchen.

Keystone/Ennio Leanza

Bevor man in die Ferien geht, hat man Besseres zu tun, als seinen Stuhl untersuchen zu lassen. Doch genau das taten 38 Schweizerinnen und Schweizer vor ihrer Indien-Reise – im Dienste der Forschung. Die Ausscheidungen wurden von Mikrobiologen des Instituts für Infektionskrankheiten an der Universität Bern jeweils vor Antritt der Reise und nach der Rückkehr der Probanden untersucht.

Ergebnis: 76 Prozent von ihnen kamen mit Bakterien im Darm zurück, die gegen die gängigen Anitibotika resistent sind. 39 Prozent dieser Indien-Reisenden litten nach ihrer Rückkehr an Reise-Durchfall und zusätzlichen Symptomen.

Resistenzförderndes Gen entdeckt

Noch schwerwiegender ist allerdings, dass im Stuhlgang von elf Prozent dieser 38 Indien-Reisenden Bakterienstämme festgestellt wurden, die auch gegen das Antibiotikum Colistin resistent sind. Es ist das einzige Antibiotikum, das derzeit gegen multiresistente Bakterien eingesetzt werden kann.

Doch damit nicht genug: Einer dieser Colistin-resistenten Bakterienstämme trug das sogenannte mcr-1-Gen in sich, das die Colistin-Resistenz in anderen Darmbakterien in Mensch und Tier fördern und ausbreiten kann. Molekulare Analysen ergaben, dass die Schweizer Indien-Reisenden diese lebensgefährlichen Bakterien durch die Umwelt oder durch die Nahrungskette in Indien aufgenommen hatten.

Sorge vor Ausbreitung in der Schweiz

Für die Forscher um Andrea Endimiani ist deshalb klar, dass die Ansteckung mit Colistin-resistenten Bakterien sorgfältig beobachtet werden muss. Es gehe darum, die Ausbreitung von solch unbehandelbaren Super-Keimen in der Schweiz zu verhindern.

Die Forscher empfehlen deshalb, rasch spezifische und engmaschige Monitoringprogramme einzuführen, um unerwartete Krankheitsausbrüche wegen Darmbakterien mit dem mcr-1-Gen zu verhindern. Weltweite Programme wären das Beste, sagt Endimiani auf Anfrage, doch auch Länderprogramme wären gut. Er verbringe seine Ferien lieber in Italien als in Indien.

Weltweit 700'000 Todesfälle

Dem Institut für Infektionskrankheiten angegliedert ist das Schweizerische Zentrum für Antibiotikaresistenzen (Anresis). Es ist nach Angaben der Uni Bern führend bei der Untersuchung und Bekämpfung von Super-Keimen oder «Superbugs», wie diese auf Englisch genannt werden.

Die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation WHO, Margaret Chan, bezeichnete die zunehmende Antibiotika-Resistenz im vergangenen November als «globale Gesundheitskrise». Weltweit sterben nach WHO-Angaben pro Jahr rund 700'000 Menschen, weil Antibiotika gegen bestimmte Bakterien nicht mehr wirken. (fee/sda)

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