29.10.2016 12:21

Schriftsteller-BoomSchweizer träumen vom Durchbruch als Autor

Die Zahl der Menschen, die ein eigenes Buch veröffentlichen, wächst stetig. Darunter sind aber auch solche, die ihr Talent überschätzen.

von
B. Zanni
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Die Engländerin Joanne K. Rowling landete mit ihren Büchern über den Zauberlehrling Harry Potter mehrere Bestseller. Die Bücher von Autoren wie ihr ...

Die Engländerin Joanne K. Rowling landete mit ihren Büchern über den Zauberlehrling Harry Potter mehrere Bestseller. Die Bücher von Autoren wie ihr ...

AP/Joel Ryan
... oder Stephenie Meyer (zweite von rechts), Verfasserin der Twilight Saga, inspiriert manche Hobby-Schriftsteller, um selber zur Feder zu greifen.

... oder Stephenie Meyer (zweite von rechts), Verfasserin der Twilight Saga, inspiriert manche Hobby-Schriftsteller, um selber zur Feder zu greifen.

Matt Sayles
Stefan Bachmann schrieb mit 16 Jahren seinen ersten Roman «The Peculiar». Der Fantasy-Roman wurde in den USA ein Bestseller und in sieben Sprachen übersetzt.  Das Buch handelt von einer Welt aus Hexen, Feen und Gnomen und Teenager Bartholomew Kettle.

Stefan Bachmann schrieb mit 16 Jahren seinen ersten Roman «The Peculiar». Der Fantasy-Roman wurde in den USA ein Bestseller und in sieben Sprachen übersetzt. Das Buch handelt von einer Welt aus Hexen, Feen und Gnomen und Teenager Bartholomew Kettle.

Keystone/Ayse Yavas

Immer mehr Schweizer träumen von einer erfolgreichen Karriere als Schriftsteller und nehmen sich Bestseller-Autoren wie Harry-Potter-Erfinderin Joanne K. Rowling als Vorbild. Self-Publishing-Verlage haben grossen Andrang. «Die Zahl der Schweizer Autoren wächst jährlich im zweistelligen Bereich», sagt Thorsten Simon, Pressesprecher von Books on Demand BOD. Ähnlich sieht es bei Swiboo.ch aus. «Dieses Jahr veröffentlichen wir im Vergleich zu 2015 fast doppelt so viele Bücher für den Handel», sagt Geschäftsführer Benjamin Zumsteg.

Auch kleine Verlage spüren den Trend. Die IL-Verlag GmbH erhält jede Woche rund drei Manuskripte. Früher war es ein Manuskript pro Monat.

«Sie glauben, einmal berühmt zu werden»

Unter den Hobby-Autoren befinden sich Menschen vom Büroangestellten über Schüler bis zu Pfarrern. Ebenso vielfältig sind die Genres: Romane, Lebensgeschichten, Sachbücher, Gedichtbände, Kochbücher.

Was für Menschen stecken hinter den Titeln wie «Carnivora», «Ver-rückte Geschichten» oder «Tote Täter»? «Einige Autoren träumen davon, mit ihrer Geschichte, die ihnen am Herzen liegt, erfolgreich zu werden», sagt Benjamin Zumsteg. Auch Fritz Frey, Geschäftsführer des IL-Verlags, stellt fest: «Die einen denken, sie könnten irgendwann einmal berühmt werden. Andere wollen nur ein eigenes Buch in den Händen halten.» BOD zieht laut Simon vor allem auch junge Schreiber an. «Viele Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren schreiben Fantasy-Literatur.» Dazu inspiriert habe sie Fanfiction wie «Harry Potter», «Herr der Ringe» oder «Twilight».

«Hingepfuschte Manuskripte»

In den Self-Publishing-Verlagen bezahlen die Autoren die Produktion ihrer Bücher aus der eigenen Tasche (siehe Box). «Unsere Strategie ist, dass jeder sein Buch realisieren kann», sagt Zumsteg. Auch BOD veröffentlicht jedes Buch, solange es nicht gegen Gesetze verstösst. Simon: «Viele Autoren veröffentlichen direkt bei uns, weil sie hier die komplette Kontrolle über ihr Buch haben.»

Aber auch etliche Absagen grosser Verlage können laut den Geschäftsführern vorausgehen. Dass nicht jeder zum Schriftsteller geboren ist, bemerken kleine Verlage, die sorgsame Auswahlen treffen. «Es gibt Leute, die uns hingepfuschte Manuskripte schicken, aus denen wir dann ein Buch zaubern sollten», sagt Frey vom IL-Verlag. Teilweise seien die Texte auf dem Niveau eines Primarschülers.

Arrogante Verfasser

Solche Verfasser schrieben den Verlag oft auch arrogant an. Frey: «Da steht dann etwa: ‹Meine Damen und Herren. Jetzt erhalten Sie den Roman, auf den Sie schon lange gewartet haben.›» Einige Kunden machten auch Druck. «Jemand wollte uns einklagen, weil wir angeblich zu wenig unternommen hatten, um sein Buch über einen Nachbarschaftsstreit zu vermarkten.»

Auch die Self-Publishing-Verlage stellen fest, dass manche Kunden ihren Text überschätzen. Zumsteg: «Wir hatten schon Anfragen von Kunden, die ihr Buch gleich in vier Sprachen übersetzen und auf der ganzen Welt vertreiben lassen wollten.»

Autorenverband übt Kritik

Eine Mutter war laut Zumsteg zudem überzeugt, dass aus der Abschlussarbeit ihrer Tochter ein Bestseller wird. «Nachdem sie auf meinen Rat hin 50 fremde Menschen gefragt hatte, ob diese gleicher Meinung seien, setzte sie die Auflage mit Widerwillen von 1000 auf 100 herab.» Besonders in Erinnerung bleibt ihm auch eine Marktfahrerin, die ein Buch über Engel geschrieben hatte und 1000 Exemplare drucken wollte. «Sie glaubte, dass man das Buch durch seine speziellen Schwingungen nicht mehr werde hergeben wollen.»

Der Verband Autorinnen und Autoren der Schweiz (AdS) beobachtet den Trend kritisch. «Wir raten davon ab, dass ein Autor für die Publikation seines Werks bezahlt», sagt Geschäftsführerin Nicole Pfister. Teil des professionellen verlegerischen Prinzips sei es nämlich, dass ein Verlag die geleistete Arbeit eines Autors auf eigene Kosten veröffentlicht. «Will man im Literaturbetrieb ernst genommen werden, führt dies heute nach wie vor meist nur über den Weg des klassischen Verlags.» Die Öffentlichkeit nehme Werke von Selbstbezahlverlagen in der Regel kaum wahr.

Haben Sie ein eigenes Buch geschrieben oder vor, sich als Autor zu betätigen? Dann schreiben Sie uns und erzählen Sie uns davon:

Mit 25 Franken Buchautor werden

Books on Demand veröffentlicht und vertreibt für 25 Franken ein komplettes Buch. «Den Autoren empfehlen wir jeweils, ihr Manuskript so professionell wie möglich einzureichen», sagt Pressesprecher Thorsten Simon.

Bei Swiboo.ch kann der Autor ein fertiges Buch mit ISBN-Nummer ab rund 3000 Franken produzieren lassen. Laut Geschäftsführer Benjamin Zumsteg ist je nach Ausführung, Umfang, Korrektorats- und Grafikaufwand ein bis zu fünfstelliger Betrag möglich.

Beim IL-Verlag ist die Produktion eines Titels mit 100 bis 500 Auflagen kostenlos. Der Autor erhält zwei Gratisexemplare und bezieht eine von ihm frei bestimmbare Anzahl kostenpflichtiger Exemplare zu zwei Dritteln des Bruttoverkaufspreises zum eigenen Gebrauch oder Verkauf.

Wie verkaufen sich die Bücher?

«Pro Monat verkaufen wir einige Hundert Bücher», sagt Benjamin Zumsteg, Geschäftsführer von Swiboo.ch. Verglichen mit den rund 10'000 Neuerscheinungen pro Jahr im deutschsprachigen Raum sei dies heute schon ein sehr zufriedenstellendes Resultat.

«Ein Ergebnis unserer Umfrage zeigt, dass über die Hälfte der Autoren sehr zufrieden ist mit dem Verkauf ihrer Bücher», sagt Thorsten Simon, Pressesprecher von Books on Demand BOD. Die Zahlen pro verkauftes Buch lägen jeweils im drei- bis vierstelligen Bereich. «Viele Leser können sich mit den Büchern identifizieren, weil die Autoren Themen wie Fettleibigkeit oder überwundene Krankheiten sehr authentisch erzählen.»

Der IL-Verlag verkauft laut Geschäftsführer Fritz Frey im Schnitt im Handel 80 bis 160 Bücher von Hobby-Autoren. «Das reicht nicht zur Deckung der Produktionskosten.» Verkaufe der Verlag weniger als 250 Bücher eines Titels, müssten sie diesen querfinanzieren durch Bücher aus dem Verkauf von Titeln bekannterer Autoren, die sich gut verkaufen.

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