Es fehlen Chauffeure – LKW-Fahrer «aus Afrika» sollen in der Schweiz Güter transportieren
Aktualisiert

Es fehlen ChauffeureLKW-Fahrer «aus Afrika» sollen in der Schweiz Güter transportieren

In der Schweiz fehlen über 3000 Lastwagenfahrer und -fahrerinnen. Das wirkt sich auf die Verfügbarkeit von Waren und Gütern aus.

von
Jonas Bucher
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Der Schweiz fehlen 3000 Fahrerinnen und Fahrer.

Der Schweiz fehlen 3000 Fahrerinnen und Fahrer.

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Arbeitskräfte werden bisher aus Europa rekrutiert. Jedoch fehlt es auch dort an Chauffeurinnen und Chauffeuren.

Arbeitskräfte werden bisher aus Europa rekrutiert. Jedoch fehlt es auch dort an Chauffeurinnen und Chauffeuren.

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In Grossbritannien fehlen der Transportbranche schätzungsweise gar 100’000 Arbeitskräfte.

In Grossbritannien fehlen der Transportbranche schätzungsweise gar 100’000 Arbeitskräfte.

REUTERS

Darum gehts

  • Der Schweiz fehlen LKW-Fahrer und -Fahrerinnen.

  • Bisher wurden Chauffeure und Chauffeurinnen in Europa abgeworben.

  • Doch auch im restlichen Europa fehlen der Transportbranche Arbeitskräfte.

  • Ein Transportunternehmer nun schlägt vor, Arbeitskräfte in Afrika auszubilden.

Daniel Schöni beschäftigt in seinem Unternehmen rund 1000 Mitarbeitende. Seine Flotte umfasst etwa 500 Lastwagen. Der Mangel an Chauffeurinnen und Chauffeuren trifft auch seine Firma. Er möchte die Ausbildungshürden für den Beruf verkleinern, wie er der SRF-«Tagesschau» sagt. Und er bringt eine neue Idee ins Spiel. Schöni möchte Lastwagenfahrer und -fahrerinnen «aus Afrika» rekrutieren.

«Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass wir in Europa in den nächsten zehn bis 20 Jahren einen massiven Mangel an Arbeitskräften haben werden», so Schöni. Gleichzeitig vermutet der Transportunternehmer, dass es weitere Flüchtlingswellen in Richtung Europa geben werde.

Arbeitskräfte vor Ort ausbilden

Schöni verweist im SRF-Podcast «Tagesgespräch» auf einen Mitarbeiter in seinem Unternehmen, der aus Senegal stammt. Dieser sei 2000 mit einem gefälschten Pass nach Frankreich gereist, habe diesen dort entsorgt und sei danach mit dem Zug weiter nach Italien.

Dort angekommen habe sich der Senegalese registrieren lassen und 2005 schliesslich seine Ausbildung zum LKW-Chauffeur abgeschlossen. Schöni: «Warum gehen wir nicht in Regionen, die ein ähnliches Wertesystem haben wie wir, bilden die Menschen vor Ort selber aus, lehren sie eine unserer Landessprachen und holen sie als ausgebildete Arbeitskräfte zu uns?»

Das mache mehr Sinn, als illegale Grenzüberschreitungen oder eine lebensgefährliche Überreise mit einem Flüchtlingsboot über das Mittelmeer, so der Transportunternehmer. «Wir werden Arbeitskräfte brauchen, egal wie und egal woher», sagt Schöni.

Jedes Jahr hängen laut dem schweizerischen Nutzfahrzeugverband Astag 5000 LKW-Fahrer und -Fahrerinnen den Beruf an den Nagel. Demgegenüber stehen jährlich 2000 neue Fahrer und Fahrerinnen, die über eine Lehre oder als Quereinsteigende in den Beruf einsteigen.

Konkrekt heisst das: In der Schweiz fehlen so jedes Jahr 3000 Fahrerinnen und Fahrer – diese müssen aus der Europäischen Union abgeworben werden. Das Problem: Auch in der EU gehen der Transportbranche die Arbeitskräfte aus.

Wertschätzung für die Branche ist gestiegen

«Auch in Deutschland herrscht ein enormer Mangel an Fachkräften», sagt Gallus Bürgisser, Vizedirektor der Astag, zu SRF. Ebenso werde in Osteuropa von einem Fachkräftemangel berichtet, so Bürgisser weiter. Der Nutzfahrzeugverband befürchtet deshalb, dass die Schweiz in naher Zukunft nicht mehr auf Fahrer und Fahrerinnen aus Europa zurückgreifen könne.

Schöni verweist noch einmal auf seinen senegalesischen LKW-Fahrer: «Wenn er 99 Geschwister hätte, die so gut arbeiten wie er, würde ich alle sofort einstellen.» Er spreche die Sprachen, die benötigt seien. Da spiele die Herkunft keine Rolle. «Wichtig ist einzig, dass jemand diesen Job gern und gut macht», so Schöni.

Der Transportunternehmer stellt fest, dass die Wertschätzung für die Branche gestiegen sei. «Früher wurde nur über die Preise diskutiert. Heute kommt als Erstes die Frage auf, ob wir überhaupt liefern können. Man merkt plötzlich, dass es nicht selbstverständlich ist, Transport zu haben.»

In Grossbritannien kam es wegen des Mangels an LKW-Fahrern und -Fahrerinnen bereits zu Panikkäufen und langen Schlangen vor Tankstellen. Auf der Insel fehlen laut Schätzungen 100’000 Chauffeurinnen und Chauffeuren.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Probleme mit dem Job?

Hier findest du Hilfe:

Arbeit.swiss, Informationen und Adressen für Stellensuchende

Lohnforderung.ch, Rechte bei fristloser Kündigung

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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