Schweizer Triumph an den Sixdays
Aktualisiert

Schweizer Triumph an den Sixdays

Dank einem furiosen Final ist es dem Prügelknaben Bruno Risi und seinem Partner Franco Marvulli beim 50. Zürcher Sechstagerennen gelungen, doch noch auf Platz 1 zu fahren. Das Favoritenpaar siegte bei Rundengleichstand dank der höheren Punktzahl vor Robert Bartko/Iljo Keisse (De/Be).

Der Doppel-Olympiasieger und die belgische Zukunftshoffnung hatten die Schlussjagd mit einer Runde Vorsprung in Angriff genommen. Obwohl Bartko/Keisse in der abschliessenden 60-km- Américaine Sukkurs durch Guido Fulst und Leif Lampater erhielten - sie sind wie Bartko Miglied des deutschen Bahnvierers-, schafften sie es nicht, ihre Führung gegen Risi/Marvulli zu verteidigen. Mit einer «Doublette» - zwei Rundengewinne in Folge- im Verlaufe der 15 letzten Umgänge schafften Risi/Marvulli das Wunder, die beinahe übermächtigen Gegner noch in die Knie zu zwingen.

Ihre Privatfehde mit Danny Stam/Jens Mouris (Ho) hätte die Schweizer Publikusmlieblinge beinahe den Sieg gekostet. Risi/Marvulli verloren deswegen in der fünften Nacht eine Bahnlänge, dazu Kraft und Nerven. Doch mit einem Kraftakt, wie ihn nur Risi vollbringen kann, schaffte das Schweizer Paar noch die Wende. Für den 38-jährigen Urner handelte es sich um den 42. Sixjours-Triumph seiner Karriere, für Marvulli um die Nummer 10.

Risi und sein Zürcher Partner blicken zusammen auf vier Erfolge zurück. In dieser Saison hatten Risi/Marvulli das Sechstagerennen in Maastricht (Ho) für sich entschieden. Zusammen mit seinem früheren Standardpartner Kurt Betschart hatte sich Risi in Zürich zwischen 1992 und 2000 siebenmal als Sieger feiern lassern.

Nerven lagen blank

Dem ansonst freundlichen und zuvorkommenden Risi gingen am Ende der fünften Nacht die Nerven durch. Der Urner ging nach der grossen Américaine mit den Fäusten auf Danny Stam in der benachbarten Koje los und überschüttete den Holländer wenig später mit Flüssigkeit. Die Betreuer der beiden Fahrer mussten eingreifen, um die beiden Streithähne zu trennen.

Stam und sein etwas schwächerer Partner Jens Mouris hatten sich in der zweiten Runde an die Hinterräder des Favoritenpaares geheftet und verweigerten bei einem Vorstoss jegliche Führungsarbeit. Die Angelegenheit wurde im Verlaufe des Sechstagerennens hochgeschaukelt und kulminierte in der grossen Américaine der fünften Nacht in Handgreiflichkeiten, nachdem sich die beiden Holländer auf die Schweizer eingeschworen hatten und Risi/Marvulli wegen der Rivalität eine Bahnrunde verloren.

«Ich will den Sieg in Zürich unbedingt. Wegen dem Verhalten von Stam und Mouris riskieren wir, dieses Sechstagerennen zu verlieren. Da sind mir die Nerven durchgegangen», erklärte Risi nach seiner Faust-Einlage. Er hätte nie gedacht, dass ihm dies in seinem Leben einmal passieren würde. Wäre seine Frau mit den drei Kindern noch da gewesen, hätte er sich besser im Griff gehabt, fügte der Urner bei.

Entscheid Ende Januar

Bis zur Schlussnacht waren 25 000 Tickets abgesetzt worden. Insgesamt dürften rund 28 500 Zuschauer das Sechstagerennen verfolgt haben, womit die Vorgabe leicht übertroffen wurde. Dennoch ist die Zukunft des Zürcher Sixjours nicht in Stein gemeisselt. Erst müssen die Zahlen aufgearbeitet werden. Dann kann Bilanz gezogen werden.

Für den Mitinitiator Max Hürzeler fiel die Bilanz hervorragend aus: «Ich bin sehr zufrieden. Es kam niemand, der reklamierte.» Urs Freuler, sein temporärer Wegbegleiter, wertete es alleine schon als Erfolg, «dass wir dieses Sechstagerennen auf die Beine stellen konnten.» Aber auch der Glarner, der im Gegensatz zum Geschäftsmann Hürzeler eine Aufgabe braucht, will zuerst die Auswertung des Projektes abwarten, bis über die Zukunft des Sechstagerennens im Hallenstadion gesprochen werden kann.

(si)

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