Aktualisiert 17.07.2016 12:25

Nizza und ParisSchweizer überlebt zweiten Anschlag

Der 22-jährige Schweizer Tim H. ist in Nizza bereits zum zweiten Mal dem Tod entronnen. Schon in Paris war er wenige Minuten vor den Anschlägen beim Bataclan.

von
vro
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Tim H. aus Einsiedeln hat in Nizza zum zweiten Mal einen Anschlag überlebt.

Tim H. aus Einsiedeln hat in Nizza zum zweiten Mal einen Anschlag überlebt.

zvg
Er war kurz vor dem Attentat mit einem Lastwagen an der Promenade in Nizza.

Er war kurz vor dem Attentat mit einem Lastwagen an der Promenade in Nizza.

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Am Freitag waren die Strassen fast menschenleer.

Am Freitag waren die Strassen fast menschenleer.

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Tim H.* hat einen Schutzengel. Anders kann er sich sein Glück fast nicht erklären. Nur wenige Minuten bevor der Lastwagen in Nizza am Donnerstagabend in die Menschenmenge fuhr, hatte der 22-Jährige die Masse an der Promenade verlassen und war Richtung Hafen gegangen. «Ich schaute das Feuerwerk, als mich ein Freund aufforderte, zu ihm in die Bar zu kommen. Deshalb ging ich hin.» Etwas abseits vom Geschehen habe er plötzlich Menschen schreien gehört. «Ich sah eine Masse wegrennen. Fünf Minuten zuvor war ich noch dort gestanden.»

Erst in der Bar habe er erfahren, was passiert sei. Die Gäste brachten sich im Innern in Deckung. «Es hiess, es seien noch weitere Täter in der Stadt. Die Betreiber liessen die Storen runter und stellten Licht und Musik aus. Nur der Fernseher lief weiter.» Zweieinhalb Stunden harrten die Leute in der Bar aus. Dann wurde Tim mit dem Auto zu seiner Wohnung gebracht. «Die Strassen waren menschenleer. Blutgetränkte Tücher lagen am Boden. Überall waren die Polizei, das Militär und Helikopter.»

«Ich dachte nicht, dass mir so etwas nochmals passiert»

Tim erlebte solche Szenen nicht zum ersten Mal: Bereits im November 2015 war er in Paris, als bei Terroranschlägen Dutzende Menschen starben. Ein regelrechtes Blutbad richteten die Attentäter damals im Bataclan-Theater an. Nur wenige Minuten vor dem Anschlag war Tim mit seiner Freundin an dem Gebäude vorbeispaziert. «Plötzlich waren überall Polizei, Helikopter und Leute, die wegliefen.» Damals verbrachte er eine schlaflose Nacht, wie er erzählt. «Wir hörten die Schüsse und Detonationen, unser Hotel war nicht weit von den Anschlägen entfernt.»

Er habe Angst gehabt, erzählt Tim. «Man weiss nicht, wie es weitergeht, ob man auf die Strasse kann und wie alles wird. Man ist hilflos und sieht schlimme Bilder, wie Menschen so nah bei einem niedergemetzelt werden. Das war schockierend.» Trotz der Unsicherheit sei er damals in Paris geblieben. «Ehrlich gesagt, dachte ich nicht, dass mir so etwas je nochmals passieren würde.»

«Ich lasse mich nicht unterkriegen»

Trotzdem habe er, als er am Donnerstagabend seine Unterkunft in Nizza verlassen habe, ein mulmiges Gefühl gehabt. «Ich habe irgendwie geahnt, dass etwas passiert. Es waren Tausende Menschen da, die EM war gerade vorbei, der Abend war einfach zu perfekt.» Diese Vorahnung sollte sich wenig später bestätigen. «Ich dachte, das ist nicht menschenmöglich. Ich war schockiert. Schon wieder war es so nah. Mir lief ein Schauer über den Rücken.»

Wenn er das nächste Mal wieder ein solches Gefühl habe, werde er sich genau überlegen, rauszugehen. Trotzdem ist er überzeugt: «Jemand wacht über mich. Ich glaube das.» Und obwohl er nun zum zweiten Mal einem Anschlag entkommen ist, steht für Tim fest: «Ich lasse mich nicht unterkriegen, ich bleibe in Nizza.»

*Name der Redaktion bekannt

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