Impfskeptiker-Plattform – Schweizer Unternehmen suchen gezielt ungeimpfte Mitarbeitende
Publiziert

Impfskeptiker-PlattformSchweizer Unternehmen suchen gezielt ungeimpfte Mitarbeitende

Firmen aus der Schweiz suchen auf einer Job-Plattform für Ungeimpfte unter anderem Handwerker, Dachdeckerinnen, Spengler, Pflegefachfrauen und Verkaufspersonal.

von
Marcel Urech
1 / 4
Die Macher des Portals Impffrei.work geben an, der Ausgrenzung und Diffamierung von Arbeitnehmenden entgegenwirken zu wollen.

Die Macher des Portals Impffrei.work geben an, der Ausgrenzung und Diffamierung von Arbeitnehmenden entgegenwirken zu wollen.

Screenshot Impffrei.work
Sie warnen vor Nebenwirkungen und schweren gesundheitlichen Schäden der Impfungen, die allerdings nur in Ausnahmefällen auftreten. 

Sie warnen vor Nebenwirkungen und schweren gesundheitlichen Schäden der Impfungen, die allerdings nur in Ausnahmefällen auftreten.

DPA/Boris Roessler
Eine rechtliche Grundlage für eine Impfpflicht am Arbeitsplatz gibt es in der Schweiz nicht. Ausnahmen sind allerdings möglich.

Eine rechtliche Grundlage für eine Impfpflicht am Arbeitsplatz gibt es in der Schweiz nicht. Ausnahmen sind allerdings möglich.

DPA/Marijan Murat

Darum gehts

  • Das Portal Impffrei.work bezeichnet sich als «alternative Jobbörse» und richtet sich an Ungeimpfte.

  • Auch Schweizer Unternehmen suchen auf der Impfskeptiker-Plattform neues Personal.

  • Zum Beispiel ein Augenoptiker in Niederglatt ZH und eine Dorfpraxis in St. Gallen.

Schweizer Unternehmen suchen auf der Website Impffrei.work nach ungeimpften Arbeitnehmenden. Die «Sonntagszeitung» schreibt, dass ein Augenoptiker in Niederglatt ZH, die Firma Dachblitz aus Hochdorf LU, Mons Solar und eine Dorfpraxis in St. Gallen auf der Impfskeptiker-Plattform aktiv seien. Die Job-Inserate seien für arbeitssuchende Dachdecker und Dachdeckerinnen, Spenglerinnen und Spengler, Handwerker und Handwerkerinnen sowie Pflegefachfrauen und allgemeines Verkaufspersonal.

Impfskeptikerin sucht Impfskeptiker

Das Portal Impffrei.work bezeichnet sich als «alternative Jobbörse» und richtet sich an Ungeimpfte. Die Macher geben an, der Ausgrenzung und Diffamierung von Arbeitnehmenden entgegenwirken zu wollen. Sie warnen vor Nebenwirkungen und schweren gesundheitlichen Schäden der Impfungen. «Mittlerweile haben viele intelligente und freiheitsliebende Menschen die gesundheitlichen Gefahren, die insbesondere von mRNA-Impfstoffen ausgehen, erkannt und lassen sich daher nicht impfen», heisst es auf der Website.

Auch das Hotel-Restaurant Arvenbüel aus Amden SG ist auf der Impfskeptiker-Plattform aktiv. Gemäss Leiterin Barbara Rüedi sucht das Unternehmen auf der Portal Personal für die Küche, wie sie im Gespräch mit der Redaktion der «Sonntagszeitung» mitteilt. Sie sei gegen einen Impfzwang und habe sich darum entschieden, Stellen auf Impffrei.work auszuschreiben. «Ich habe Rückmeldungen von Leuten bekommen, die ihre Stelle verloren haben, weil sie nicht geimpft sind», zitiert die Zeitung die Leiterin des Familienbetriebs.

Die «Sonntagszeitung» gibt an, dass auf der Impfskeptiker-Plattform «Dutzende Unternehmen» aus der Schweiz inserieren. Das deutet darauf hin, dass es sich dabei um ein Randphänomen handelt. Denn laut dem «Bundesamt für Statistik» gibt in der Schweiz über 550’000 Unternehmen.

Keine rechtliche Grundlage für Impfpflicht im Job

Die Zeitung zitiert eine Studie des Stellenvermittlers Manpower, die zeige, dass viele Unternehmen ihrem Personal die Covid-19-Impfung vorschreiben wollen. 15 Prozent der im Oktober befragten Unternehmen hätten angegeben, dass sie eine doppelte Impfung mit Nachweis vorschreiben werden. Gemäss der Studie zieht gar «fast jedes dritte Unternehmen» einen Impfnachweis für Mitarbeitende in Betracht.

Das Problem sei allerdings, dass es dafür in der Schweiz gar keine rechtliche Grundlage gebe. Möglich seien bloss Ausnahmen, etwa in Spitälern und Einrichtungen wie Alters- und Pflegeheimen, zitiert die Zeitung Seraina Denoth, Rechtsanwältin und Partnerin bei der Anwaltskanzlei Legal Partners in Zürich.

Ausnahmen sind möglich

Arbeitsrechts-Spezialist Nicolas Facincani bestätigt, dass es in der Schweiz nicht möglich sei, eine allgemeine Impfpflicht am Arbeitsplatz einzuführen. Das sei nur in Ausnahmefällen erlaubt, etwa bei Piloten oder Pilotinnen oder dem Pflegepersonal. Das ausführliche Gespräch kannst du hier lesen: «Ein Fragerecht zur Impfung gibt es nicht».

Die Fluggesellschaft Swiss führte als erstes Schweizer Unternehmen ein Impfobligatorium ein. Ende Januar 2022 droht den internen Impfunwilligen die Kündigung. Juristisch ist es allerdings heikel, wenn Firmen bei Bewerbungsgesprächen nach dem Impfstatus der Stellensuchenden fragen.

Österreich ging in der Impffrage einen Schritt weiter als die Schweiz. Das österreichisches RAV strich Impfmuffeln das Arbeitslosengeld. Wer eine zumutbare Stelle wegen einer Impfpflicht des Arbeitgebers oder der Arbeitgeberin ablehnt, muss in unserem Nachbarland also mit harten Konsequenzen rechnen.

Covid-Impfung: Faktencheck

Lies hier den gesamten Faktencheck zu den Covid-Impfungen.

Die Impfstoffe wurden im Rekordtempo entwickelt: Sind sie überhaupt sicher?

Auf den ersten Blick mag es so wirken, dass die Entwicklung rasend schnell verlief. Doch Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen weltweit forschen bereits seit dem Sars-Ausbruch 2003/04 und der Mers-Epidemie 2012 zu Coronaviren, wie Christine Dahlke, Biologin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Impfstoffexpertin, in der ZDF-Sendung «Markus Lanz» erklärt: «Wir kennen Coronaviren und ihre Spike-Proteine schon lange.» Entsprechend sei in den letzten Jahren – unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit – die Impfstoffforschung vorangetrieben worden. Als dann die Sequenz von Sars-CoV-2 veröffentlicht wurde, habe man gleich loslegen können.

Noch nie zuvor gab es mRNA-Impfstoffe – ist das nicht riskant?

Es sind tatsächlich die ersten ihrer Art. Aber «die Idee stützt sich auf 20 Jahre Grundlagenforschung», erklärt Jaggi. Zudem werde schon lange an der Methode geforscht – zur Vorbeugung viraler oder bakterieller Infektionskrankheiten und für die Behandlung von Krebserkrankungen. (fee)

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

445 Kommentare